Langjähriger BDKJ-Vorsitzender im Interview Jugend im Emsland kritisch gegenüber der Kirche

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Papenburg. Nach Missbrauchsvorwürfen 2010 und dem Finanzskandal um Franz-Peter Tebartz-van-Elst 2013/14 kam es zu etlichen Kirchenaustritten auch im Emsland. Der 24-jährige Lukas Mey, ehemaliger BDKJ-Diözesanvorsitzender, erklärt im Interview, dass die Jugend kritisch Ansichten der Kirche hinterfragt. „Wir fordern als Jugend viel von der Kirche und das dürfen wir auch.“

Herr Mey, was liegt Ihrer Meinung nach bei der katholischen Kirche besonders im Argen?

Es ist in den letzten Jahren viel rund um die Kirche aufgetreten, was auch gesamtgesellschaftliche Wellen geschlagen hat. Da ist zum einen der Limburger Finanzskandal um Bischof Tebartz-van-Elst. Dann gab es die Missbrauchsvorwürfe, bei denen besonders Kinder und Jugendliche betroffen waren. Hier wurde vielfach Vertrauen missbraucht. Zudem beschäftigt die jungen Erwachsenen die Einstellung der Kirche zur Homosexualität. Nach der politischen Entscheidung um die Ehe für alle nehmen viele junge Menschen eine Abwertung seitens der Kirche wahr. Viele haben Homosexuelle in ihrem Freundeskreis oder sind es selbst und verstehen es nicht.

Finanzskandal, Missbrauchsvorwürfe und Homosexualität, das sind also die großen Themen der Jugendlichen?

Vorort gibt es natürlich auch ganz praktische Probleme ganz anderer Art. In Zeiten von großen Pfarreiengemeinschaften, ist es nicht mehr wie noch bei unseren Eltern, dass ein Kaplan im Pfarrhaus wohnt, sich um die Jugendarbeit einer Gemeinde kümmert und nebenbei das Zeltlager organisiert. Es ist schwieriger, die Jugendlichen zu erreichen. Sicherlich ist auch bei einige eine Hürde da, in den nächsten Ort zu fahren.

Konkurriert die Kirche um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen mit anderen Einrichtungen?

Es gibt ein großes Angebot an Freizeitmöglichkeiten neben der Schule. Wenn jemand ein Musikinstrument lernt, zum Fußballtraining geht und sich dann noch als Messdiener engagieren soll, ist da eine Fülle an Entscheidungsmöglichkeiten, die auch überfordern kann. Da ist die Kirche nur ein Player unter vielen.

Wo sehen Sie gute Verbesserungsansätze?

Wir fordern als Jugend viel von der Kirche und das dürfen wir auch. Es gibt Kirche vor Ort und da müssen wir dran bleiben. Es haben sich zum Beispiel einige KLJB-Gruppen (Anm. der Red.: Katholische Landjugendbewegung) im Emsland neugegründet. Da konstituiert sich Kirche. Das muss den Jugendlichen verdeutlicht werden. Auch wenn sie kirchlichen Alltag anders leben, als noch die vorherige Generation, und sie vielleicht nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen, gestalten sie in den KLJB-Gruppen Kirche mit und tun etwas Gutes. Sei es, dass sie die Tannenbäume einsammeln oder sich um das Osterfeuer kümmern.

Was muss getan werden, um die Jugendlichen auch später in der Kirche zu halten?

Wenn sie sich dagegen entschieden haben, dann müssen wir das hinnehmen und ihnen versprechen, sie deswegen nicht abzuwerten. Wir wollen nicht ihre Entscheidung beeinflussen, sondern sie bestärken. Wenn sie Gruppenleiter- oder Firmenkurse besucht haben, wie sie in den kirchlichen Bildungshäusern wie zum Beispiel dem Marstall Clemenswerth in Sögel angeboten werden, und dort eigene Gottesdienste gestalten konnten, ist das ein guter Schritt sie auch als Erwachsene für Kirche zu begeistern. Jugendpastoral kann nur funktionieren, wenn die jungen Menschen Kirche selbst entwickeln und sich beteiligen können.

Aber müssen sich nicht auch generell Strukturen von oben her verändern?

In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal eine Synode zum Thema Jugend, die Idee stammt von Papst Franziskus. Hier kommen Bischöfe aus aller Welt zusammen und beschäftigen sich mit Fragen, die junge Erwachsene beschäftigen. Alleine, dass der Papst es wichtig findet, über Jugend in Kirche zu reden, finde ich stark.

Wie stehen die emsländischen Jugendlichen, ihrer Meinung nach, zur Ungleichbehandlung von Männern und Frauen?

Entwicklung der Kirchenaustritte im Emsland. Qualle: Bistum Osnabrück // Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Die Frage nach den Weiheämtern diskutieren wir immer wieder. Dass nur junge, unverheiratete Männer ein Weiheamt innehaben können, empfinden viele als ungerecht. Der BDKJ fordert auf Bundesebene die Öffnung des Weihesakramentes.


Lukas Mey, 24, war von 2013 bis 2017 BDKJ-Vorsitzender der Diözese Osnabrück. Außerdem engagiert er sich in der Kolpingjugend, hat im Dekanatsvorstand der Regionalverbände Jugendgottesdienste organisiert, ist für die Vernetzung von katholischen Jugendgruppen zuständig und hatte einen Sitz im Katholikenrat des Bistums. Lukas Mey studiert Theologie in Münster.

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