Restvermögen fließt in Alte Werft Papenburger Landesgartenschau-Förderverein aufgelöst

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Papenburg. Mehr als drei Jahre nach dem Ende der Landesgartenschau (LGS) in Papenburg ist nun auch der Förderverein Geschichte. Einstimmig beschlossen die Mitglieder am Mittwochabend im Hotel Hilling die Auflösung des Vereins. Das Restvermögen – rund 60.000 Euro – fließt in die Umsetzung des Masterplans Forum Alte Werft. Für die Macher gab es Lob, in Richtung Stadt Kritik.

„Das Geld soll nicht in irgendeinem Planungsbüro verschwinden, sondern gezielt eingesetzt werden“, sagte Vorsitzender Gerhard Schulz vor knapp 30 Mitgliedern. Deshalb habe man eine Vereinbarung mit der Stadt Papenburg getroffen, so der Gartenbauunternehmer. Nach den Worten des zweiten Vorsitzenden, Jochen Zerrahn, wäre das Vermögen bei Auflösung des Vereins satzungsgemäß automatisch in die Hände der Stadt übergegangen. „Wir wollen aber, dass es unter unserem Einfluss ausgegeben wird“, erklärte Zerrahn. Durch die Vereinbarung sei sichergestellt, dass der Betrag in die landschaftspflegerische Begleitplanung fließt, wie es offiziell heißt.

Erholung und Freizeit am Wasser

In der Vereinbarung, die unserer Redaktion vorliegt, verpflichtet sich die Stadt „als Nutznießer des Vereinsvermögens“, das Geld für die Gestaltung des ehemaligen LGS-Teilgeländes an der Alten Werft „durch Bepflanzungen in Kombination mit Erholung und Freizeit am Wasser einzusetzen“. Der Masterplan zur Stadtentwicklung in großem Stil in dem Bereich soll mithilfe von Investoren umgesetzt werden.

Eine Million Euro eingeworben

Der im Jahr 2011 gegründete Förderverein hatte für die Durchführung der Landesgartenschau von April bis Oktober 2014 insgesamt rund eine Million Euro eingeworben – weniger durch Mitgliedsbeiträge, sondern vor allem durch Spenden und Sponsorengelder. Dem Verein gehörten zwischenzeitlich bis zu 180 Mitglieder an. Die Beiträge waren gestaffelt. Einzelmitglieder zahlten 60 Euro, Vereine 120 Euro sowie Firmen je nach Größe 250, 500 und 1000 Euro pro Jahr.

Letztmals vor zwei Jahren getagt

Letztmals getagt hatten die Förderer vor zwei Jahren. Wie Schulz ausführte, habe man den Verein seinerzeit aus finanztechnischen Gründen seinerzeit aber noch nicht auflösen dürfen. Mitgliedsbeiträge wurden seit 2015 aber nicht mehr erhoben. Wie Kassenwart Ludwig Momann, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Emsland, deutlich machte, gab es auf den Konten des Fördervereins zuletzt kaum noch Bewegungen. Zuletzt hatte der Verein knapp 5000 Euro für die Pflege der Themengärten im Stadtpark ausgegeben, die er bis 2016 finanzierte.

Stolz auf das Erreichte

Unterlegt mit leicht melancholischer Musik, hatte Schulz den Mitgliedern zur Einstimmung zu Beginn eine Serie mit Fotos von der Landesgartenschau präsentiert, die der Papenburger Hobbyfotograf Heiner Lohmann geschossen hat. „Ich wollte es unbedingt noch einmal zeigen“, sagte Schulz und erinnerte an die nach seinen Worten kurze Vorbereitungszeit für das Großereignis, zu dem offiziell mehr als 500.000 Besucher geströmt waren. „Ich bin heute noch stolz darauf, wie wir das hingekriegt haben“, sagte Schulz. Zudem hob er im Hinblick auf die deutliche Aufwertung des Stadtparks und die infrastrukturelle Verbesserung durch die Bahnspange die Nachhaltigkeit hervor. Über die Finanzmisere der Schau – sie war am Ende 3,4 Millionen Euro teurer als geplant – mochte Schulz hingegen nicht mehr sprechen. „Das ist nicht unser Thema, sondern liegt in der Verantwortung der Stadt. Wir haben uns immer nur als Anschieber verstanden und nicht als Kontrolleure.“

In ein falsches Licht gerückt

Das wollte Vereinsmitglied Lambert Kruse, bis 2017 Teil der Geschäftsführung der Meyer Werft, so aber nicht stehen lassen. „Das Ganze ist am Ende schon überschattet worden. Deshalb dürfen wir dieses Thema auch hier nicht totschweigen“, sagte Kruse. Das Finanzgebaren sei „völlig daneben“ gewesen und habe das „wahnsinnig positive Bild“ der LGS in ein falsches Licht gerückt. Deshalb müsse die klare Botschaft an die Stadt lauten: „So kann man mit solchen Dingen nicht umgehen.“

Gespräche mit Investoren und Politik

Zu dem Wunsch von Hans Brauer, ehemaliger Redaktionsleiter der Ems-Zeitung, , einzelne Projekte für den Masterplan Alte Werft näher zu erläutern, äußerte sich die städtische Wirtschaftsförderin Sabrina Wendt zurückhaltend. Man sei in Gesprächen mit Investoren und Politik. Am Rande der Auflösungsversammlung gab es in diesem Zusammenhang zum Teil deutliche Kritik in Richtung Rathaus. Demnach gehen die Planungen zu langsam voran. Hermann Nehe, Vorsitzender des Fördervereins für Tourismus und Stadtmarketing, zeigte sich dennoch grundsätzlich optimistisch, was die Gesamtneuerschließung des historischen Werftgeländes betrifft, an der die Papenburg Marketing GmbH und die Stadt arbeiten.

Stadtpark als „Blumenstrauß“

Ein großes Lob für die Macher im LGS-Förderverein und alle Mitwirkenden gab es von Christine Bicker. Sie dankte „als Bürgerin“ für ein „unglaubliches“ Jahr, in dem viel Begeisterung geweckt worden sei. „Diese Stimmung hat die Stadt nachhaltig verändert“, sagte Bicker auch im Hinblick auf die für 2019 geplante Blumenschau und den Masterplan. Sie verspüre als Papenburgerin „ein ganz anderes Selbstbewusstsein“ und mehr Miteinander. „Den Blumenstrauß als Dankeschön gebe ich allen: Es ist der Stadtpark“, so Bicker.


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