Seit über 40 Jahren keine Störche Storchennest in Aschendorf ist noch unbewohnt

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In ihrem Garten hat Gertrud Rademaker ein Storchenest errichtet. Sie hofft, dass ein Paar den Horst beziehen wird und hier seine Jungen aufzieht. Foto: Katharina PreuthIn ihrem Garten hat Gertrud Rademaker ein Storchenest errichtet. Sie hofft, dass ein Paar den Horst beziehen wird und hier seine Jungen aufzieht. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Gertrud Rademaker hat ein Storchennest in ihrem Garten. Sie hofft, damit die Tiere nach Aschendorf zu locken. Doch gab es seit über 40 Jahren keine Störche mehr im nördlichen Emsland.

Auf einem 20 Meter hohen Baumstamm thront ein Nest. Es besteht aus Weiden- und Eichenästen und viel Stroh. Ein im Durchmesser 1,50 Meter breites Rad bildet die Grundlage für den Storchenhorst. „Oft wird ein Wagenrad verwendet, wir haben das Eisengestell hingegen selbst gebaut“, erzählt Gertrud Rademaker. Das Nest steht auf einer ehemaligen Pferdekoppel. In direkter Nachbarschaft plant Rademaker den Bau einer öffentlichen Salzgrotte. Ansonsten sind sie umgeben von landwirtschaftlich genutzten Äckern.

Nicht ausreichend Nahrung

Und hier liegt, laut Karl-Heinz Augustin, Vogelexperte für den Naturschutzbund (Nabu) im nördlichen Emsland, der Grund warum es schwer wird, dass sich Störche hier ansiedeln und warum die Störche seit mehr als vier Jahrzehnten das nördliche Emsland als Brutstätte meiden. Die intensive Landwirtschaft entziehe den Störchen die Nahrungsgrundlage, sagt Augustin. Insekten, Frösche oder Mäuse, die von den fleischfressenden Vögeln bevorzugte Nahrung, werden nach den Worten Augustins durch die Landwirtschaft vertrieben. Intensivwiesen bestehen nicht selten aus nur drei bis vier verschiedenen Pflanzen, so Augustin. Sie dienen als Futter für Rinder, aber nicht mehr als Lebensraum für Wiesenvögel, Insekten oder Frösche. „Es gibt kaum Kräuter auf Intensivwiesen“, so Augustin. Doch die Bauern würden unter einem großen wirtschaftlichen Druck stehen, da sei wenig Raum für Naturschutz, gibt der Vogelkundler zu.

Acht Horste vor über 40 Jahren

Bis in die 1970er Jahre hinein habe es im nördlichen Emsland acht Horste gegeben, in denen je zwei Störche ihre Brut aufgezogen haben. Einer, erinnert sich Augustin, war in Aschendorf gegenüber des Finanzamtes heimisch, nur wenige hundert Meter vom Haus der Rademakers entfernt. Gertrud Rademaker hofft dennoch darauf, dass ihr Nest demnächst bewohnt ist. Schon in diesem Jahr habe sie auf dem Acker nebenan vier Störche gesehen. Und im März würden erfahrungsgemäß noch viel mehr Tiere den Weg nach Aschendorf finden. „Das sind Durchzieher“, erklärt Augustin.

16 Paare im Landkreis Leer

Die Weißstörche kommen aus dem Süden, meistens Südfrankreich oder Spanien, erklärt Hans Appiß aus dem Landkreis Leer. Appiß widmet sich seit 35 Jahren der Aufgabe, die Störche zurück in seine Heimat zu holen. Nachdem sich die Population im Landkreis Leer mit Beginn der 1990er Jahre auf gerade mal ein Storchenpaar reduziert hat, sind es heute wieder 16 belegte Nester. Sich um die Störche zu kümmern sei eine zeitintensive Aufgabe, erklärt Appiß. Denn auch er beobachtet, dass dort, wo früher grüne Wiesen wuchsen, heute Maisfelder dominieren. „Es gibt keine Insekten mehr. Die Monokultur zerstört das natürliche Gleichgewicht“, sagt er. Ob sich trotz aller Widrigkeiten in Aschendorf ein Storchenpaar einnisten wird, sei auch für den Experten schwer einzuschätzen. „Ich kann keine Erfolgsgarantie geben, aber wenn der Standort passt und das Nest schön ist, kann es was werden“, zeigt er sich optimistisch.


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