Prognose für Arbeitstellen Ems-Achse verbucht sechsmal mehr Beschäftigte als erwartet

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Die Halbzeitbilanz der Beschäftigungsprojektion stellten vor (von links) Dirk Lüerßen, Roland Dupák und Hans-Joachim Haming. Foto: Katharina PreuthDie Halbzeitbilanz der Beschäftigungsprojektion stellten vor (von links) Dirk Lüerßen, Roland Dupák und Hans-Joachim Haming. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Im Einzugsgebiet der Ems-Achse (Ostfriesland, Emsland, Grafschaft Bentheim) gibt es sechs Mal mehr Beschäftigte als prognostiziert. In einer Projektion vermutete das Wirtschaftsnetzwerk einen Zuwachs von 12.000 Stellen zwischen 2008 und 2025, tatsächlich sind es bereits im Jahr 2017 ganze 72.500 neue Arbeitsplätze.

In einer Projektion wurde 2009 untersucht, wie sich die Beschäftigung an der Ems-Achse bis zum Jahr 2025 entwickeln würde. Jetzt stellt das Wirtschaftsnetzwerk eine Halbzeitbilanz vor. Schon nach acht Jahren übertreffen die Beschäftigungszahlen das Sechsfache des vermuteten Wertes. Als Grund für diese massive Fehleinschätzung nennt Dirk Lüerßen, Geschäftsführer der Ems-Achse, die Wirtschaftskrise 2009, in der die Zahlen erhoben wurden.

Wettbewerbsvorteil

Die guten Beschäftigungszahlen führt Hans-Joachim Haming, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn, auf einige Faktoren zurück, die der Region auch für die Zukunft einen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen verschaffen sollen. Haming führt aus, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe den Großteil an Arbeitsplätzen geschaffen hätten. „Hier sind wir gut aufgestellt“, sagt er. Außerdem habe die Ems-Achse eine Vielfalt an Branchen zu bieten, die eine Beschäftigung sichern würde. Ein weiterer Faktor sei die gute Vernetzung, überdurchschnittlich viele Menschen mit Berufsausbildung, eine im Durchschnitt junge Bevölkerung und die gute Verkehrsanbindung. „Alles zusammen ergibt einen Wettbewerbsvorteil für die Ems-Achse“, so Haming.

Zuwachs in Ostfriesland

Die Projektion ging zudem davon aus, dass die Menschen, die in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis arbeiten, hauptsächlich an der südlichen Ems-Achse leben. Dabei verbucht die südliche Ems-Achse, dazu zählen das Emsland und die Grafschaft Bentheim, einen Stellenzuwachs von 28,2 Prozent. Die nördliche Ems-Achse, die Ostfriesland umfasst, verzeichnet zwischen 2008 und 2017 einen Zuwachs von 26,2 Prozent. „Entgegen der Prognose trägt die ganze Ems-Achse zur sehr guten Entwicklung der Beschäftigungszahlen bei“, sagt Lüerßen.

Teilzeitstellen verdoppelt

Besonders habe ihn dabei überrascht, dass es einen „extremen Zuwachs“ an Teilzeitbeschäftigten gebe, so Lüerßen. Die Zahlen haben sich in dem untersuchten Zeitraum von 43.000 auf 86.000 verdoppelt. Die Vollzeitstellen stiegen dagegen um 34.000. Die vielen in Teilzeit Beschäftigten würden mit einer Steigerung der Frauenerwerbsquote von 50 Prozent in der südlichen Achse einhergehen, erklärt Roland Dupák, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Emden/Leer. Doch gleichzeitig sehen Dupák und sein Kollege Haming bei den Frauen noch Potenzial.

Fachkräftemangel

Denn wenn sich die Beschäftigungszahlen weiter dementsprechend entwickeln würden, würde sich das auf den schon jetzt herrschenden Fachkräftemangel auswirken. Gerade in Ostfriesland könnten noch weitaus mehr Frauen arbeiten. „Diese stille Reserve dürfen wir nicht vernachlässigen“, so Dupák. Außerdem könnten die Betriebe die über 50-Jährigen als Potenzial gegen den Fachkräftemangel nutzen. „Die Betriebe müssen dazu übergehen, Menschen länger zu beschäftigen“, verdeutlicht Dupák.

Viele Stellen im Sozialwesen

Die Branche, die den höchsten Stellenzuwachs verzeichnet, ist das Sozialwesen. Dazu würden Krankenhäuser oder Pflegeheime zählen. Das Sozialwesen verzeichnet ein Wachstum von 64 Prozent auf 5765 Stellen im Bereich der Ems-Achse. „Diese Zahlen hängen sicher auch mit den hohen Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre zusammen“, so Dupák. Denn es seien auch viele Sozialarbeiter für die Arbeit mit Flüchtlingen eingestellt worden. Außerdem einen Beschäftigungszuwachs verzeichnet der Einzelhandel, das Gesundheitswesen oder die Branche Erziehung und Unterricht.


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