Gruppe trifft sich am Obenende Sehbehinderte üben Kritik an Nahverkehr in Papenburg

Von Jonas Brinker

Wollen Blinden und Sehbehinderten helfen: Der Stammtisch „Sehen“ um Jens Walker (links), Jenny de Boer mit Blindenführhund Nando und Hermann Reiners. Foto: Jonas BrinkerWollen Blinden und Sehbehinderten helfen: Der Stammtisch „Sehen“ um Jens Walker (links), Jenny de Boer mit Blindenführhund Nando und Hermann Reiners. Foto: Jonas Brinker

jbri Papenburg. Zeitung lesen, auf die Ampel drücken oder einen Spaziergang durch den Park – diese Dinge sind für die meisten Menschen alltäglich und problemlos. Für Menschen, die sehbehindert oder blind sind, indes eine Herausforderung. Der Blindenstammtisch „Sehen“ in Papenburg möchte Blinden und Sehbehinderten beim Alltäglichen helfen und zum Austausch anregen.

Seit September 2016 treffen sich monatlich rund 25 Männer und Frauen zum Stammtisch im Forum Bethlehem am Papenburger Obenende. Dabei sind die Hintergründe ganz verschieden. Es gibt Teilnehmer, die am Grauen Star erkrankt sind oder erblich bedingt eine Sehbehinderung haben. Auch Unfallpatienten oder diabetesbedingte Blindheit sind möglich. Bei ihren Treffen tauschen sich die Teilnehmer aus und unterstützen sich gegenseitig.

Smartphone bietet viele Möglichkeiten zur Hilfe

„Viele Menschen wissen gar nicht, was ihnen noch helfen kann“, erläutert Jenny de Boer vom Stammtisch, die wie alle anderen auch von einer Sehbehinderung betroffen ist. So gibt es beispielsweise Vergrößerungssysteme oder Geräte, die einem Texte vorlesen können. Auch das Smartphone bietet nach ihren Worten enorm viele Möglichkeiten. So könnten Apps Strichcodes von Waren im Supermarkt aus- und vorlesen.

Öffentlicher Nahverkehr „nicht hinnehmbar“

Besonders zu schaffen macht den Mitgliedern nach eigenen Angaben aber der öffentliche Nahverkehr. Da Blinde und Sehbehinderte weder Auto und meist auch nicht Fahrrad fahren können, sind sie auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Und dieser ist in Papenburg nach Mitteilung der Gruppe in der aktuellen Form nicht hinnehmbar. „Für eine Fahrt vom Obenende zum Untenende muss man mit dem Schulbus fahren. Am besten kann man sich eine Stulle schmieren, um nach der achten Stunde wieder zurückzukommen“, beschwert sich Hermann Reiners. Gleichwohl teilt er mit, dass Papenburg im Vergleich zu Rhede oder anderen Gemeinden in der Region schon einigermaßen gut aufgestellt sei.

Behindertenbeirat etablieren

Auch beim Thema Ampel gebe es in der Fehnstadt Nachholbedarf. Ein akustisches Signal, welches das Grünzeichen für Fußgänger unterstützt, gibt es dem Stammtisch zufolge in Papenburg genau an einer Ampel. „Und diese ist nicht in städtischem Besitz, sondern gehört dem Landkreis“, sagt Jens Walker. Er regt zusammen mit de Boer und Reiners an, einen Behindertenrat in Papenburg zu etablieren, der unter anderem bei städtischen Baumaßnahmen angehört werden soll. „In der Stadt Leer ist so ein Rat schon etabliert“, teilt Walker mit.

Auch Angehörige sind eingeladen

Bei ihren Treffen, zu dem Teilnehmer zwischen 30 und 75 Jahren kommen, soll vor allem sensibilisiert werden. So sind auch Angehörige der Blinden und Sehbehinderten eingeladen. „Wir möchten Anregungen für Veränderungen mitgeben“, so Reiners.

Dass der Stammtisch „Sehen“ heißt, ist dabei keineswegs ironisch gemeint. „Solange Menschen noch etwas sehen können, und sei es noch so wenig, wollen sie auch sehen“, begründet Walker die Namensgebung. Das Restsehen soll möglichst lange erhalten bleiben, was auch dem Ziel des Stammtisches entspricht. Die Gruppe trifft sich jeden vierten Mittwoch um 18 Uhr im Forum Bethlehem.

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