Nach Fund in antikem Stuhl Hamburger Fremdenblatt wird in Papenburg übergeben

Von Maike Plaggenborg


Papenburg/Heede. Das Hamburger Fremdenblatt, das im April 2017 in einem antiken Stuhl in Heede auftauchte, geht nun seinen weiteren Weg, der über Papenburg nach Hamburg führt. Dort soll es Ausstellungsstück im Museum der Arbeit werden. Die Besitzer der Zeitung haben nun in Papenburg gewechselt.

Einst waren die Seiten des Hamburger Fremdenblattes von 1921 nur Füllstoff in einem antiken Stuhl. Elisabeth und Heinz Plogmann kauften den Sessel bei einem Händler in Ihrhove, der beruflich oft in Hamburg zu tun hat. So fand der Stuhl seinen Weg nach Ostfriesland, dann nach Heede zu seinen neuen Besitzern. In Lehe machte sich ein Restaurator ans Werk und entdeckte in der Sitzfläche das fast 100 Jahre alte Zeitdokument, von dem die Plogmanns von Anfang an gesagt haben, dass es zu schade sei zum Wegwerfen. Über einen Artikel unserer Zeitung wurde Schwester Aloysia Kempcke aus Papenburg auf das Druck-Erzeugnis aufmerksam, in dessen Verlag – Broschek – ihr Vater einst gearbeitet hatte und der dort das Modell der weltweit einzigen Kleinsttiefdruck-Rotationsmodellmaschine gebaut hatte. Und diese steht: Im Museum der Arbeit in Hamburg. Deshalb ist die Zeitung nun auf dem besten Weg, ein Exponat dort zu werden. Zeitung und Maschine gehören zusammen, weil sie aus demselben Verlag sind.

Maschine auf Messen vorgestellt

Kempcke wundert sich beim Anschauen der alten Zeitung vor allem über die Angebote an Mänteln und Werbung für Marken, die es noch heute gibt: Karstadt etwa oder auch Persil. Vor allem aber ist sie erfreut über die Begegnung mit Plogmann, „weil es einen so außergewöhnlichen Ursprung hat“, sagt Kempcke. Dass jemand sich nach einem solchen Fund meldet, „fand ich einfach toll. Man hätte das ja auch gleich wegwerfen können“. Plogmann und Kempcke wollen sich wiedersehen. „Wir waren uns gleich sehr sympathisch“, sagt Plogmann. Bei ihrem Treffen und der Übergabe des Blattes in Papenburg kommen beide noch ins Stöbern – sowohl im Fremdenblatt als auch in dem zur „BuchDruckKunst“-Messe gehörenden Buch, das Kempcke bereits vom Museum bekommen hat. Darin geht es um ihren Vater Heinrich Kempcke, der Leiter der Maschinenbauwerkstatt bei Broschek war und das Modell nach dem großen verlagseigenen Vorbild nachgebaut hatte. Vor gut 90 Jahren gebaut wurde sie auf der Printmesse Drupa und der Weltausstellung 1954 vorgestellt, wo sie „viel Aufsehen“ erregte, schreibt Jürgen Bönig in dem Buch. Kempckes Schwester hatte die Maschine dem Museum angeboten. Dort erinnere sie an eine Zeit, „als der industrielle Tiefdruck am Anfang seines spektakulären Aufsteigs stand.“ Schwester Aloysia wird sich nun darum kümmern, dass auch die Zeitung dort verweilen wird.