Dechant Lanvermeyer zur Fastenzeit Für den Papenburger Dechant beginnt eine Zeit der Stille

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Zu Beginn der Fastenzeit, am Aschermittwoch, verteilt Dechant Franz-Bernd Lanvermeyer das Aschekreuz auf der Stirn der Gläubigen. Für ihn beginnt jetzt eine Zeit des stillen Gebets. Foto: Katharina PreuthZu Beginn der Fastenzeit, am Aschermittwoch, verteilt Dechant Franz-Bernd Lanvermeyer das Aschekreuz auf der Stirn der Gläubigen. Für ihn beginnt jetzt eine Zeit des stillen Gebets. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Mit dem Aschermittwoch endet die Karnevalszeit und die Tage des Fastens beginnen. Dass es dabei nicht um den Verzicht auf Süßigkeiten geht, sondern in einer Zeit der Stille zu sich selbst zu finden, erzählt der Papenburger Dechant Franz-Bernd Lanvermeyer im Interview.

Auf was verzichten Sie?

Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten sind nicht meine großen Baustellen. Ich möchte mir mehr Zeit für Stille nehmen. Die Gebetszeit soll höhere Priorität bekommen. Damit setze ich hoffentlich einen Prozess in Bewegung, an dessen Ende Gott zeigt, was noch in meinem Leben fehlt.

Was bedeutet für Sie die Fastenzeit?

In der Fastenzeit stelle ich mir die Frage, was gehört zu meinem Leben. Ich weiß oft schon lange, was ich eigentlich ändern will. Das Wort ´eigentlich` spielt dabei eine zentrale Rolle. Diesem ´eigentlich´ will ich mich stellen und das Geahnte in die Tat umsetzen. Für Christen gibt es drei Säulen des Fastens . Da ist zum einen das Gebet, in dem ich mich Gott stelle, dann der Verzicht und als drittes die Werke der Barmherzigkeit. Das bedeutet nicht nur, an Bedürftige Geld zu spenden, sondern sich um die Menschen zu kümmern, die uns nahe sind. Das Ziel der Fastenzeit ist Ostern. Ostern, die Auferstehung Jesu, bedeutet für uns die Bestätigung Jesu und seines Lebensstils – daran richten wir uns in der Fastenzeit aus.

Welche Rolle spielt dabei der Glaube?

Dank des Glaubens empfinden wir die Stille, die diese Zeit des Fastens mit sich bringt, nicht als Einsamkeit, sondern als ein Gegenüber zu Gott. In der Geborgenheit der Liebe Gottes kann ich diese Stille eher aushalten. Gott steht am Beginn des Fastens als Locker. Er lockt mit einem Mehr an Leben - mit einem mehr an Gerechtigkeit, an Freundschaft und Partnerschaft. Das ist das primäre Ziel der Fastenzeit.

Es geht also nicht darum, 40 Tage auf Süßigkeiten zu verzichten?

Als Kinder hatten wir ein Glas, in das die Süßigkeiten hineinkamen, die wir während der Fastenzeit nicht gegessen haben und an Ostern haben wir das Glas geleert. Das hat keinen Mehrwert. Durch diesen Verzicht habe ich keine Nähe zu Gott aufgebaut und keine intensiveren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ist Fasten ohne Gott dann überhaupt möglich?

Nichtgläubige stellen sich dem gleichen menschlichen Phänomen. Am Ende lockt nur nicht Gott, sondern das Gewissen oder das Herz. Wir glauben, dass Gott uns ruft, ein Atheist glaubt, dass sein Gewissen ihn ruft. Auch ein Mensch ohne Gott kann fasten, aber ohne ein Gegenüber, das ihn lockt.


Franz-Bernd Lanvermeyer (55) ist seit 2014 Pfarrer in St. Antonius Papenburg. Gleichzeitig ist er als Dechant Vorsteher eines Priesterkollegiums für das nördliche Emsland. Lanvermeyer ist in Meppen aufgewachsen.

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