Torf statt Kräuter Straßennamen für Papenburger Neubaugebiet stehen fest

Von Gerd Schade

Spitter und Kroder bei der Arbeit: Während der Spitter (links) die Torfsoden mit einem scharfen Spaten stach und aushob, schiebt der Kroder die mit den Soden beladene Karre auf den Trocknungsplatz. Foto: Hans Schultz/ArchivSpitter und Kroder bei der Arbeit: Während der Spitter (links) die Torfsoden mit einem scharfen Spaten stach und aushob, schiebt der Kroder die mit den Soden beladene Karre auf den Trocknungsplatz. Foto: Hans Schultz/Archiv

Papenburg. Die Straßen im Papenburger Neubaugebiet nördlich der Johann-Bunte-Straße werden mit Namen zum historischen Torfabbau in der Fehnstadt benannt. Das hat der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur einstimmig beschlossen.

Fast ein Jahr nach der bislang letzten öffentlichen Debatte zu dem Thema steht nun fest, dass die Straßen in dem Baugebiet mit 55 Plätzen Plogstraße, Stickerstraße, Splitterstraße und Kroderstraße heißen werden. Die beiden Letzteren wurden bereits für die geplante Erweiterung des Gebietes festgesetzt. Wie es im Ausschuss hieß, war der Vorschlag, das Gebiet mit Begriffen aus dem Torfabbau zu versehen, aus den Reihen der Bevölkerung, genauer gesagt von Anna Nee, gekommen. „Schön, dass sich engagierte Bürger Gedanken machen“, meinte Annette Pöttker (CDU). Wie Marco Malorny, Leiter des Fachbereichs Museen/Soziokultur, erklärte, hat der Papenburger Heimatforscher, Buchautor und Journalist Hermann-Josef Döbber, der seit Jahrzehnten auch für unsere Redaktion tätig ist, die Namensvorschläge eingereicht und die handwerklichen Arbeitsvorgänge „in wenigen Worten treffend“ beschrieben.

Fünf Mann ein einem Plog

Demnach schlossen sich einst zum Torfstechen fünf Menschen zu einem Plog zusammen. Die Menge Torf, die ein Plog an einem Tag stechen kann, heißt Döbber zufolge „Dagwark“ (Tagewerk).

Der erste Mann im Plog, der „Bunker“, räumt die obere, unbrauchbare Moorschicht (50 bis 100 Zentimeter) – die sogenannte Bunkererde – ab. Der Bunker wirft die Erde auf den Untergrund einer abgegrabenen „Pütte“. Eine Mischung der Bunkererde mit dem Untergrundsand ergibt Döbber zufolge den künftigen Ackerboden.

Der Kroder kippt die Karre um

Der zweite Mann im Plog ist der „Sticker“. Er steht oben auf dem schwarzen Moor und verteilt es mit dem Torfspaten in vertikaler Richtung. Dabei entspricht die Schnittbreite der Länge des Torfstücks.

Der dritte Mann im Plog ist der „Spitter“, auch „Gräber“ genannt. Er steht unten vor der Moorwand, sticht die Form der Torfstücke in horizontaler Richtung und wirft sie auf eine Planke.

Der vierte Mann, der „Karrensetzer“, setzt die Torfsoden so auf eine Karre, dass sie beim Umkippen richtig stehen.

Der letzte Mann im Plog ist der „Kroder“. Er schiebt die Karre auf den Platz, auf dem die Soden trocknen sollen. Dort kippt er die Karre um. „Dieser Arbeitsgang wiederholt sich so lange, bis die Pütte ausgegraben ist und die Arbeit an einer neuen beginnen kann“, erklärt Döbber.

Thymian- und Salbeiweg vorgeschlagen

Bei seiner Beratung im vergangenen April hatte sich der Ausschuss auf die bis dato vorliegenden Vorschläge nicht einigen können. Die Verwaltung hatte für die Planstraßen A und B Thymian- und Salbeiweg ins Spiel gebracht. Sie war damit einer Empfehlung aus der Kulturausschusssitzung vom 30. September 2015 gefolgt, die Straßen nach Kräutern zu benennen, um die Arbeit der Gärtnereien in Papenburg zu würdigen.

Debatte beendet

Der Obenender Sportverein DJK Eintracht Papenburg hatte angeregt, eine Straße nach dem langjährigen Vorsitzenden, Ehrenvorsitzenden und Kommunalpolitiker Fritz Vosse zu benennen. Die daraufhin entbrannte lebhafte Debatte in der Ausschusssitzung im April hatte Vorsitzender Vorsitzender Burkhard Remmers beendet, „bevor das hier komplett in Kabarett übergeht. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht lächerlich machen.“

55 Bauplätze umfasst das Baugebiet nördlich der Johann-Bunte-Straße in Papenburg, für die nun die Straßenbenennung erfolgt ist. Grafik: Stadt Papenburg

In dem etwa sechs Hektar umfassenden Baugebiet sind 55 Plätze mit einer Grundstücksgröße zwischen 500 und 1000 Quadratmetern vorgesehen.