Serie „Mein Job und ich“ Polsterer aus Papenburg über Ostfriesensofas, Qualität und Sonderwünsche

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Papenburg. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht diesmal Polsterer Johannes Nonnenmacher über Ostfriesensofas, Sonderwünsche von älteren Kunden und darüber, wann sich der Neubezug eines älteren Sofas lohnt.

Herr Nonnenmacher, Sie haben sich auf die Herstellung von Ostfriesensofas spezialisiert. Wie kam es dazu?

Mein Vater hat in den 1950er Jahren an der Hauptstraße in Dörpen mit dem Vertrieb von qualitativ hochwertigen Wohnzimmermöbeln begonnen, später kamen auch Küchenmöbeln hinzu. Ich bin nach meiner Ausbildung zum Raumausstatter bei Strafehl an der Haselünner Straße in Meppen früh in den Betrieb meines Vaters eingespannt gewesen, vor gut 30 Jahren habe ich ihn dann übernommen. Auch mein Vater hat schon immer eine Werkstatt gehabt, in der Polsterarbeiten erledigt wurden, also beispielsweise Polstergarnituren für Kunden neu bezogen wurden. Als sich der Vertrieb von Möbeln dann irgendwann nicht mehr gelohnt hat, entstand vor gut zehn Jahren die Idee, selber Sofas und Sessel im Ostfriesenlook herzustellen.

Was zeichnet die Ostfriesensofas aus?

In allererste Linie denke ich die hohe Qualität. Die Oberflächenstoffe und die Schaumstoffe, die ich verwende, sind hochwertig und stammen in der Regel aus deutscher Herstellung. Außerdem ist die Sitzfläche höher als bei vielen Garnituren, die es im Handel gibt, was vor allem ältere Kunden sehr schätzen. Durch die Federkernpolsterung sind sie etwas fester im Sitz. Die Armlehnen der Sofas sind zudem verstellbar. Und das Gestell besteht aus Massivholz.

Und die Optik?

Da haben die Kunden fast die freie Wahl. In Katalogen hier in der Werkstatt an der Wiek 14, den früheren Räumen von Leo Lampen, können sie aus mehr als 500 Stoffen, Farben und Muster auswählen. Wir können auch über den Hersteller Höpke in Bayern, über den wir 95 Prozent der Stoffe beziehen, Muster von Bezugsstoffen an die Kunden verschicken lassen, damit sie einen noch besseren Eindruck vom Bezug bekommen. Auch eine Gestaltung über die Internetseite ist möglich. Dort gibt es eine Auswahl von mehr als 6000 Stoffen und Farben, mit der das Sofa gestaltet werden kann. Durch die unterschiedlichen Möglichkeiten ist jedes Ostfriesensofa ein Unikat.

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Stellen Sie auch die Gestelle selber her?

Nein, die beziehen wir von einem langjährigen Lieferanten. Das Design der Gestelle, aus dem sich die Form des Sofas ergibt, gibt es schon seit vielen Jahren und stammt auch nicht direkt von mir. Auch die Schaumstoffe und den Federkern beziehen wir von Lieferanten. Handarbeit durch mich ist dann der Zuschnitt des Stoffes, das Auspolstern der Sitzfläche, Rücken- und Armlehne sowie der Bezug des Stoffes mit Industrietackern und Nägeln.

Und wie lange dauert die Herstellung eines Sofas?

Das hängt natürlich von der Größe ab. Sessel, also Einsitzer, dauern nicht so lange wie Zwei- oder Dreisitzer. Im Schnitt sind es zwei bis drei Tage.

Woher stammen Ihre Kunden?

Wir liefern eigentlich bundesweit. Viele kommen aus Süddeutschland, werden über das Internet auf uns aufmerksam. Die Auslieferung erfolgt meist über eine Spedition. Manchmal liefere ich aber auch selber aus. Einige Ostfriesensofas von mir stehen sogar in Norwegen und der Schweiz, wurden von mir aber nicht dahin geliefert, sondern von den Käufern dorthin mitgenommen.

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Und wo stehen ihre Sofas im Emsland?

Wir haben natürlich auch Kunden aus der direkten Umgebung. Im Café und Hotel Stövchen an der Straße Splitting links 32 am Obenende stehen mehrere Exemplare von uns. Im vergangenen Jahr habe ich im Forum Alte Werft in Papenburg mehrere Stühle und Sitzbänke neu bezogen. Wer sich ein Ostfriesensofa ansehen möchte, kann das nach einer kurzen telefonischen Anmeldung aber auch hier in unserer Werkstatt an der Wiek links 14 tun.

Gibt es manchmal auch Sonderwünsche von Kunden?

Manchmal werde ich gefragt, ob ich Autositze neu beziehen kann, zum Beispiel nach der Restaurierung eines Oldtimers. Auch Besitzer von Jachten oder Wohnmobilen sind schon auf mich zugekommen, um Sitzbänke, Betten oder Sessel neu beziehen zu lassen. Auch das ist möglich. Für die drei Papenburger Fitnessstudios Urbanfit, Easy Fitness und Injoy habe ich diverse Fitnessgeräte mit Polsterungen ausgestattet.

Ab wann lohnt sich eigentlich der Neubezug eines Sofas oder Sessels?

Das kann man so pauschal gar nicht sagen. Generell ist es sicherlich so, dass es sich bei Ware, die beim Discounter oder Ähnlichem gekauft wurde, weniger lohnt, sie neu beziehen zu lassen. Es gibt aber manchmal Stücke, an denen Kunden derart hängen, dass sie es doch gemacht haben wollen. Ich gucke mir den Zustand jedes einzelnen Stückes auf Wunsch unverbindlich an, auch zuhause bei den Kunden, und gebe dann eine Empfehlung ab. Grundvoraussetzung für einen Neubezug ist natürlich, dass das Gestell in Ordnung ist oder sich mit geringem Aufwand reparieren lässt.

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Mit welchen Werkzeugen und Maschinen arbeiten Sie in ihrer Werkstatt?

Am häufigsten nutze ich eine Industrie-Nähmaschine und einen Tacker, der mit Luftdruck betrieben wird. Zum Zuschneiden des Stoffes kommt eine Schere zum Einsatz. Auch Hammer und Nagel kommen zum Einsatz. Manchmal wird auch geklebt.

Sie sind 61 Jahre alt. Gibt es schon Überlegungen aufzuhören?

Nein, ganz und gar nicht. Ruhig den ganzen Tag zuhause zu sitzen, könnte ich ohnehin nicht. So lange es die Gesundheit zulässt, will ich auch was tun. Der Beruf des Polsterers kann zwar anstrengend sein, ist aber eine Tätigkeit, die man auch in höherem Alter noch gut ausüben kann.