„Nur, wenn es wirklich nötig ist“ Kliniken in Papenburg und Leer für weniger Kaiserschnitte

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Zusammen mit SPD-Landtagsfraktionschefin Johanne Modder (Sechste von rechts) und Landrat Matthias Groote (Zweiter von rechts) informierte sich Sozialministerin Carola Reimann (Achte von rechts) über die Initiative „Bauchgefühl“. Foto: Borromäus-HospitalZusammen mit SPD-Landtagsfraktionschefin Johanne Modder (Sechste von rechts) und Landrat Matthias Groote (Zweiter von rechts) informierte sich Sozialministerin Carola Reimann (Achte von rechts) über die Initiative „Bauchgefühl“. Foto: Borromäus-Hospital

Leer/Papenburg. Die beiden Krankenhäuser in Leer sowie das Hospital in Papenburg engagieren sich gemeinsam für eine Senkung der Kaiserschnittrate. Das haben Vertreter der Kliniken bei einem Besuch von Landessozialministerin Carola Reimann (SPD) in Leer deutlich gemacht.

Wie es in einer Pressemitteilung des Leeraner Borromäus-Hospitals heißt, habe sich die Ministerin interessiert und beeindruckt über die „Initiative Bauchgefühl zur Förderung der natürlichen Geburt in Papenburg und im Landkreis Leer“. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) , zu der das Marien-Hospital Papenburg, das Borromäus-Hospital, das Klinikum Leer sowie freiberufliche Hebammen gehören, möchte der Mitteilung zufolge gemeinsam daran arbeiten, die Kaiserschnittrate zu senken und Schwangeren bei ihren Fragen zur Geburt zur Seite zu stehen. „Es freut mich, zu sehen, wie sich drei Krankenhäuser miteinander engagieren, die eigentlich in einem Wettbewerb zueinander stehen. Das ist großartig“, wird Reimann in der Mitteilung zitiert.

Den Angaben zufolge trifft sich die AG seit drei Jahren, klärt in Veranstaltungen über die aus Sicht der beteiligten Krankenhäuser Vorteile der natürlichen Geburt auf, gibt Infoflyer an niedergelassene Ärzte heraus und bietet eine kostenlose Hebammensprechstunde in den drei Kliniken in Papenburg und Leer an.

Kostenlose Sprechstunde

Die Sprechstunde richte sich an alle Frauen, die Fragen haben oder unsicher sind. Für welche Geburtsklinik sie sich dann entscheiden, spiele keine Rolle. „Aufklärung ist unser oberstes Ziel. Die Schwangeren müssen über die – auch langfristigen – Nachwirkungen für Mutter und Kind nach einem Kaiserschnitt Bescheid wissen“, erklärte Bruno Wennemann, Chefarzt der Geburtshilfe im Borromäus-Hospital. Veronika Bujny, Vorsitzende des Hebammenverbands Niedersachsen, fügte hinzu: „Uns ist es wichtig, dass wir die Frauen nicht zu etwas drängen, sondern ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen zu einem positiven Geburtserlebnis verhelfen.“

Der Chefarzt der Geburtshilfe im Marien-Hospital, Dr. Franz Koettnitz, hat viele Jahre in den Niederlanden gearbeitet und erläuterte die Arbeitsweise der dortigen Geburtskliniken. „Die Kaiserschnittrate ist in den Niederlanden um einiges geringer. Auch in Papenburg ist es mir gelungen, die Anzahl der Kaiserschnitte seit Beginn meiner Tätigkeit um etwa zehn Prozentpunkte zu reduzieren“, so Koettnitz.

Das ist der Mitteilung zufolge auch den beiden Krankenhäusern in Leer gelungen. Dr. Jacek Skubis, Chefarzt der Geburtshilfe im Klinikum Leer, erklärte: „Wenn es medizinisch notwendig ist, also die Gesundheit von der Mutter und oder dem Kind gefährdet ist, ist ein Kaiserschnitt sinnvoll – aber nur dann“.

Neben dem Ziel, die natürliche Geburt zu fördern, sei mit der Ministerin auch über den großen Hebammenmangel in der Region sowie eine Akademisierung der Ausbildung gesprochen worden. Reimann habe zugesichert, die angesprochenen Punkte weiter zu diskutieren.


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