Kolumne: Was Tropen-Helmut noch wusste Holt Stadt Papenburg das Dschungelcamp in den Stadtpark?

Von Helmut Tropen*

Helmut Tropen Screenshot: gsHelmut Tropen Screenshot: gs

Papenburg. Tropen-Helmut verknüpft das RTL-Dschungelcamp mit dem Vandalismus im Stadtpark und dem Wirken von Papenburgs neuem „Kulturhauptmann“:

Auf dem verschlissenen Polster der karierten Sitzbank an Tisch 13 hockt knieend ein vielleicht elfjähriger Knabe. Mit einer Hand stützt er sich auf die Lehne, mit der anderen bedient er geübt eine surrende Handkamera. Sein Motiv: Tisch Nummer 14, ein Nischentisch zur Fensterfront des Gasthofes Knollmeyer.

Dort sitzt ein hagerer Mann mit dreckverschmiertem Gesicht und allerlei Kratzern auf den bloßen Armen. Der Mann trägt Adiletten und ist bekleidet mit einem dunkelblauen Tanktop und roten Bermudashorts. Unter seinem beigen, breitkrempigen Hut lugt er etwas nervös hervor, als ihm die dralle Kellnerin den Rouladen-Teller mit Klößen – seine zweite Portion – und ein Glas Ems-Heilwasser – sein viertes – serviert.

„Ich bin ein Rat – holt mich hier raus!“

Es ist Theo Herkel, Vorsitzender des Bad Papenburger Rates, der die Videoaufnahmen kommentarlos über sich ergehen lässt. Er hat einen Bärenhunger. Und Herkel zog erst vor gut zwei Stunden die Reißleine, als er die magischen Worte „Ich bin ein Rat – Holt mich hier raus!“ durch den ehemaligen Stadtpark brüllte.

Nachdem Herkel einen der Kartoffelklöße gierig im Ganzen verschlingt, dreht er sich plötzlich zur Kamera des Jungen um, und es platzt aus ihm heraus: „Utsmacht bün ick! Is ja ok kien Wunner. Nicht een eenzige Steern het de oale Börgmester haalt. Und dat in veer Prüfungen. To de letzte is he gaar nich eerst antreden.“

Herkel verschafft damit seinem Ärger Luft und spielt auf die magere Essens-Ausbeute seines in Ungnade gefallenen Parteifreundes und Bad Papenburger Ehrenbürgermeisters Heino Hasskötter bei verschiedenen sogenannten „Dschungelprüfungen“ an, zu denen die Bevölkerung den hochbetagten Hasskötter gleich mehrfach hintereinander per Fernabstimmung nominiert hatte.

Neuer Kulturchef Stefan Spielborg

Nachdem im Herbst bekannt wurde, dass der TV-Sender RTL sein Erfolgsformat „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ aus finanziellen Gründen künftig nicht mehr in Australien, sondern heimatnah produzieren lassen will, witterte Bad Papenburgs neuer Kulturchef Stefan Spielborg eine große Chance für die Ems-Metropole. Kurzerhand wurden zehn aktive und ehemalige Größen aus Politik und Wirtschaft aus dem In- beziehungsweise Umland verpflichtet und in den Stadtpark gesperrt.

Verwahrlost und verwildert

„Das aus Sicherheitsgründen mittlerweile eingezäunte Arealneuer Kulturchef Stefan Spielborgder ehemaligen Landesgartenschau erfüllt durch seine ungeheuerliche Verwahrlosung und Verwilderung alle Anforderungen eines zivilisationsnahen Dschungels“, erklärt Spielborg. Man verlor also in Bad Papenburg keine Zeit, lenkte die Aufmerksamkeit von RTL auf sich und initiierte – der kalten Jahreszeit trotzend – das erste Bad Papenburger „Stadtpark-Camp“.

Diverse Kurzfilm- und Handkamera-Workshops für filmbegeisterte Kinder und Jugendliche machte man sich dabei zunutze. Die Kandidaten im Camp und all ihr Tun werden rund um die Uhr von einer gut vernetzten 122-köpfigen Truppe kleiner Kameraleute gefilmt. Dies bestätigt auch Theo Herkel nach einem weiteren Glas Ems-Heilwasser: „Dat kannst glöben – nicht maal an’d Mors kann man sück in Ruh krabben!“

*Helmut Tropen, eine Facebook-Kunstfigur des Papenburgers Achim Goldenstein, nimmt für unsere Zeitung an jedem ersten Samstag im Monat die großen und kleinen Geschehnisse seiner Heimatstadt mit satirisch-spitzer Feder aufs Korn.