Persönliche Erklärung Papenburger Ex-Bürgermeister reagiert auf Polak-Vorwürfe

Von Gerd Schade


Papenburg. Mit einer persönlichen Erklärung hat der frühere Papenburger Bürgermeister Ulrich Nehe (parteilos) auf die gegen ihn gerichteten Vorwürfe von Oliver Polak während der Gedenkfeier zu Ehren seines Vaters, dem Holocaust-Überlebenden Wilhelm Polak reagiert, nach dem die Stadt am Dienstag die Hauptkanalbrücke im Zuge des Deverwegs benannt hat. Nehes Erklärung, aktuell amtierendes Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtrat, hat folgenden Wortlaut:

„Um es vorweg zu sagen: Die Mehrheitsentscheidung des Rates über die Ehrung von Willi Polak, mit dem ich fast 50 Jahre lang bis zu seinem Tode befreundet war, respektiere ich.

Die verbalen Entgleisungen seines Sohnes seien diesem verziehen, sagt er doch von sich selbst: ,Ich darf das, ich bin ein Jude‘.

Es ist richtig, dass ich gegen die nun vollzogene Form der Ehrung argumentiert und gestimmt habe. Das aus folgenden Gründen:

1. Nach meinem Vorschlag sollten in einem künftigen Baugebiet etwa zwischen Splitting, Bethlehem und K 158 die Straßen nach möglichst vielen (allen) jüdischen Familien unserer Stadt benannt werden. Auf diese Weise könnte man die Namen unserer jüdischen Mitbürger ehrenvoll und mahnend in Erinnerung halten. Durch die vorweggenommene Ehrung einer Einzelperson ist dies leider weniger wahrscheinlich geworden.

2. Es ist verständlich, dass Willi nach dem Erlittenen in die USA auswandern wollte. Man kann aber auch nicht leugnen, dass er in Papenburg lediglich die Notlösung für eine neue Zukunft sah, nachdem ihm die Einreise krankheitsbedingt nicht genehmigt wurde.

3. Willi konnte in Papenburg Gott sei Dank als ehrenwerter Kaufmann leben und war bei vielen Menschen beliebt und angesehen. Eine Ehrung besonderer Art setzt in der Regel aber auch außergewöhnliches Engagement für die Stadt und ihre Einwohner voraus.

4. Es ist ungewöhnlich, dass die Ehrung einer Person von Familienangehörigen gefordert und sogar mit Auflagen bedacht wird.

5. Nach dem Erscheinen seines Buches (Erinnerungen an Papenburg und eine unfreiwillige ,Reise‘) habe ich Willi als damaliger Bürgermeister in einem offiziellen Schreiben u. a. Folgendes geschrieben: ,……Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen im Rahmen einer kleinen Feierstunde – zu einem Termin Ihrer Wahl- als äußeres Zeichen unseres Dankes für die Treue zu Ihrer Heimatstadt die Ehrenmedaille der Stadt Papenburg überreichen dürfte….‘“

Oliver Polak hatte der Stadt mit teils drastischen Worten Versagen vorgeworfen und unter anderem kritisiert, dass sie seinem Vater nicht schon zu Lebzeiten eine Würdigung in Form einer Ehrenbürgerschaft oder -medaille angetragen habe.