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„Menschenverachtend“ Ex-Gartenschau-Manager über Klage der Stadt Papenburg tief enttäuscht

Von Gerd Schade

Von April bis Oktober 2014 lief die Landesgartenschau in Papenburg. Nun geht die juristische Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem ehemaligen Geschäftsführer der Schau in eine neue Runde. Foto: Gerd SchadeVon April bis Oktober 2014 lief die Landesgartenschau in Papenburg. Nun geht die juristische Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem ehemaligen Geschäftsführer der Schau in eine neue Runde. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Tief enttäuscht und mit harscher Kritik an Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) hat der ehemalige Geschäftsführer der Landesgartenschau 2014 in Papenburg, Lars Johannson, auf die Schadenersatzklage der Stadt Papenburg reagiert.

„Das jetzige Verhalten der Stadtverwaltung Papenburg macht mich einfach nur noch sprachlos“, erklärte der 43-Jährige am Mittwochmorgen auf Anfrage unserer Redaktion. Wie Johannson, seit August 2017 Tourismusdirektor auf Helgoland, in einer schriftlichen Stellungnahme weiter ausführt, habe sich Bechtluft „in einem von ihm initiierten persönlichen Gespräch am 23. Dezember 2016 bei mir für sein Verhalten in aller Form entschuldigt und mir in die Hand versprochen, dass sich das Thema für ihn erledigt hat“. In der vergangenen Woche habe ihm das Stadtoberhaupt am Telefon zugesichert, dass er die Klage persönlich gar nicht wolle, aber durch eine politische Entscheidung dazu gezwungen sei. „Es gibt aber kein politisches Gremium in Papenburg, welches diese Entscheidung getroffen hat“, betont Johannson, der bis zu seinem Weggang aus Papenburg im vergangenen Sommer Mitglied der UBF-Stadtratsfraktion gewesen ist.

Mehr als 500.000 Besucher

Die Stadtverwaltung hatte ihre Zivilklage auf Anfrage damit begründet, dass die Landesgartenschau-Durchführungsgesellschaft unter dem Dach der Stadt auch aus haushaltsrechtlichen Gründen zur Geltendmachung ihrer Schadenersatzansprüche verpflichtet sei. Anlass für das Regressverfahren, das die Stadt beim Landgericht Osnabrück angestrengt hat, ist, dass Johannson als Landesgartenschaugeschäftsführer im März 2015 eigenmächtig einen Vertrag über zwei für die Zeit nach der Schau vorgesehene Lichtshows im Stadtpark unterzeichnet hatte. Deshalb hatte ihn die Gesellschafterversammlung abberufen.

Untreueverfahren eingestellt

In einem Untreueverfahren wurde Johannson nach mehrstündiger Verhandlung vom Amtsgericht Papenburg freigesprochen, der Prozess nach von der Staatsanwaltschaft eingelegter Berufung vor dem Landgericht Osnabrück im September 2016 gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Johannson dazu: „Die Stadtverwaltung Papenburg hat diese Verhandlung vor dem Strafgericht verloren und ich wurde nach fast eintägiger Verhandlung vor dem Amtsgericht Papenburg freigesprochen. Das jetzt angestrebte Verfahren hat exakt den gleichen Inhalt, ohne das sich irgendetwas verändert hat, oder neue Erkenntnisse dazu vorliegen – diesmal aber vor dem Zivilgericht.“ Überdies würden all seine in diesem Zusammenhang getroffenen Aussagen unverändert gelten, betont der 43-Jährige. Johannson hatte alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe – auch die Anschuldigungen im Zuge der Aufarbeitung des unerwartet hohen Millionendefizits der Schau – stets zurückgewiesen.

Empfehlung an den Bürgermeister

Mit Papenburg hat Johannson offenbar abgeschlossen. „Ich möchte mit solchen Themen und solchen Menschen nichts mehr zu tun haben. Das ist einfach nur noch menschenverachtend. Als oberster, gewählter Volksvertreter der Stadt Papenburg, der auch noch für eine Partei mit einem C im Namen antritt, sollte Herr Bechtluft sich vielleicht noch einmal grundsätzliche Gedanken machen“, empfiehlt Johannson dem Stadtoberhaupt.

UBF-Fraktion geht weiter in die Offensive

UBF-Fraktionsvorsitzender Gerhard Schipmann kündigte derweil an, weiter in die Offensive gehen zu wollen. „Wir werden Bürgerversammlungen durchführen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit die Klage zurückgenommen wird“, sagte er am Mittwoch. Aus seiner Sicht war die Aufarbeitung der Landesgartenschau abgeschlossen. Umso mehr habe ihn und seine Fraktion das Vorgehen der Verwaltung nun überrascht, so Schipmann.

Bechtluft verweist auf Steuerschaden

Bechtluft bekräftigte hingegen am Mittwoch, dass „dem Steuerzahler nachweisbar ein Schaden von über 70.000 Euro entstanden ist, indem ein Einzelner seine Kompetenzen überschritten und sich wie der zukünftige Tourismuschef von Papenburg aufgeführt hat“. Die einzelnen Schadensfälle hätten mit der eigentlichen Landesgartenschau gar nichts mehr zu tun. Es handele sich hierbei um Verträge, die Johannson als Geschäftsführer für die Zeit nach der Landesgartenschau ohne Rechtsgrundlage abgeschlossen habe. Bechtluft: „Die Verantwortlichen der Stadt Papenburg und der Durchführungsgesellschaft sind rechtlich verpflichtet, diesen Schaden auch geltend zu machen. Hier gibt es keinen Ermessensspielraum. Jedes andere Verhalten erfüllt den strafrechtlichen Tatbestand der Untreue.“

Darüber hinaus fordert der Bürgermeister das Unabhängige Bürgerforum auf, „von seiner Kriegsrhetorik abzusehen und mit Begriffen wie ,Verfolgung‘ und ,Vernichtung‘ in Zeiten wie diesen vorsichtiger umzugehen.“

(Alle Informationen zur Landesgartenschau 2014 in Papenburg finden Sie in unserem Themenspezial)