Einsatz für Menschenrechte weltweit Papenburger Amnesty-Gruppe feiert zehnjähriges Bestehen

Von Gerd Schade

Über das zehnjährige Bestehen der Papenburger AI-Gruppe freuen sich (von links) Benedickt Papen, Marina Niesmann, Ralf Uchtmann und Gerold Siemer. Foto: Gerd SchadeÜber das zehnjährige Bestehen der Papenburger AI-Gruppe freuen sich (von links) Benedickt Papen, Marina Niesmann, Ralf Uchtmann und Gerold Siemer. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Die Papenburger Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) blickt in diesen Tagen auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. Gefeiert wird mit geladenen Gästen am kommenden Donnerstag, 18. Januar 2018. Die Gruppe gilt nach Angaben ihres Sprechers Gerold Siemer als eine der aktivsten der insgesamt rund 600 Regionalgruppen in Deutschland.

Siemer ist es auch, der die Arbeit der Menschenrechtler in Papenburg maßgeblich prägt. Das wird im Gespräch mit unserer Redaktion rasch deutlich – auch, wenn er seine Person keineswegs im Zentrum des zehnjährigen Gruppenbestehens verortet wissen will.

Briefe auf der Schreibmaschine

Dass Siemers Interesse für AI geweckt wurde, hat indes auch mit unserer Zeitung zu tun. In den 80er-Jahren berichtete die Redaktion in einer Rubrik über Regime-Gefangene. 1983 wurde das Schicksal des in der damaligen UdSSR festgehaltenen Oleksander Shevchenko geschildert, nachdem er in einem Arbeitslager verletzt wurde, wie Siemer sich erinnert. „Im Grunde ist die Zeitung der Auslöser, dass ich bei Amnesty bin. Dieser Artikel hat mich gepackt“, erinnert sich Siemer. Er war damals 16 Jahre jung. Siemer knüpfte Kontakt zu damaligen Papenburger Menschenrechtlern und begann Briefe an die jeweiligen Regierungen zu schreiben – „immer förmlich, höflich und nett“. Seinerzeit entstanden die Briefe auf der Schreibmaschine und wurden als Luftpost aufgegeben, Durchschrift an die Botschaft inklusive.

Anfangs skeptisch beäugt

Als Siemer, der sich seit 1983 ehrenamtlich für AI engagiert, nach 20 Jahren in Süddeutschland nach Papenburg zurückkehrte, rief er in die AI-Gruppe in der Fehnstadt neu ins Leben. Zur Gründungsversammlung erschienen 16 Interessierte. Bis in die 90er-Jahre hatte es Siemer zufolge in Papenburg eine mal mehr, mal weniger aktive AI-Gruppe gegeben. „Anfangs wurden wir skeptisch beäugt“, sagt er. Inzwischen sei die Akzeptanz in der Bevölkerung aber groß. „Wir haben rund 14.000 Unterschriften allein in den vergangenen drei Jahren verschickt und erfahren viel Unterstützung beispielsweise auch durch die Stadt“, betont Siemer.

Drastische Aktionen auf dem Wochenmarkt

Der Erfolg der Papenburger AI, die zuweilen auch mit drastischen Aktionen beispielsweise auf dem Wochenmarkt auf das Schicksal von Gefangenen in aller Welt aufmerksam macht, sei allerdings nicht so einfach messbar. Und doch ist Siemer fest davon überzeugt, dass das ehrenamtliche Engagement der Menschenrechtler Wirkung zeigt, beispielsweise in Myanmar, Nordkorea, Äthiopien, auf den Philippinen oder – ganz aktuell – in der Türkei. Vor allem dann, wenn ein freigelassener Gefangener in öffentlichen Statements das Wort „Amnesty“ in den Mund nehme. „Dass die Freilassungen keine Einzelfälle sind, wissen die Menschenrechtler aber aus Erfahrung“, betont Siemer im Hinblick auf das Briefeschreiben und das Unterschreiben von Petitionen.

Starthilfe für Gruppen in Leer und Meppen

Die Papenburger Gruppe zeigt ihre Erfolge im AI-Shop am Hauptkanal. Dort sowie im Vorraum der Kirche St. Josef im Vosseberg wird am Donnerstag, 18. Januar, eine Ausstellung zu sehen sein. Großer Beliebtheit erfreut sich Siemer zufolge auch die AI-Büchertelefonzelle nahe der Nikolaikirche. „Das ist ein Selbstläufer“, sagt der Gruppensprecher. Um die Präsenz der Papenburger Gruppe im Stadtbild würden sie von anderem Amnesty-Formationen beneidet. Die Papenburger Gruppe zählt fast 40 Mitglieder. Die durchschnittliche Größe liegt Siemer zufolge bei zwischen und 5 und 15. Die Gruppen in Meppen und Leer seien von den Papenburgern mit aufgebaut worden.

Verstöße gegen Gedankenfreiheit

AI bilanziert jährlich etliche Menschenrechtsverletzungen. Laut Siemer geht es meist um Verstöße gegen das Recht auf Leben, das Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit sowie Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.

Größte und erfolgreichste Aktion der Papenburger Menschenrechtler ist nach Siemers Worten ein Briefmarathon mit allein fast 3000 Schreiben für zehn Menschen während des Nikolai-Weihnachtsmarktes 2015 und 2016.


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