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350 Gäste sagen #wirsindmehr Konzert gegen Rechtspopulismus in Papenburg ausverkauft

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 23.02.2019, 14:20 Uhr

Zu einem großen Erfolg geworden ist das Konzert unter dem Motto #wirsindmehr am Freitagabend im Kolpinghaus in Papenburg, das mit 350 Besuchern ausverkauft war. Es wird nach Angaben der Initiatoren nicht das letzte Zeichen gegen Rechtspopulismus und für Vielfalt in der Fehnstadt sein.

„Ich bin wirklich begeistert von euch, mit so einer großen Resonanz hatten wir gehofft, aber nicht gerechnet“, sagte Ralf Uchtmann, Sprecher des elfköpfigen Organisationstem, schon zur Begrüßung des Abends. Denn völlig ungewöhnlich für so einen mehrstündigen Konzertabend mit insgesamt fünf Bands hatten sich schon zum Auftakt um 20 Uhr mehr als 200 Gäste eingefunden, 210 Tickets wurden laut Uchtmann im Vorverkauf abgesetzt. Um 20.45 Uhr konnten die Organisatoren dann „ausverkauft“ vermelden, mit 350 Besuchern war die Kapazitätsgrenze des altehrwürdigen Hauses erreicht.

Ursprünglich sollte bereits im Oktober ein solches Konzert stattfinden, berichtete Uchtmann, der Anfang September 2018 mit zwei weiteren Papenburgern, Michael Ottens und Ragnar Wilke, zu den „Wirsindmehr“-Konzert in Chemnitz gefahren war und inmitten der dortigen 65.000 Menschen beschloss: Solch eine Veranstaltung braucht das nördliche Emsland auch. Nicht mit 65.000 Teilnehmern, aber einigen Hundert. Einen freien Saal zu finden und einen Termin, an dem fünf Bands Zeit haben, war aber erst jetzt möglich. Anfang November gab es dafür auf dem Vorplatz der St. Antoniuskirche die Aktion "Papenburg leuchtet". an der mehr als 1000 Personen teilnahmen.

In Zeiten, in denen Rechtspopulisten immer ungezügelter in sozialen Netzwerken trommeln und und dies selbst in kommunalen Parlamenten tun, werde es immer wichtiger, sich positionieren gegen Ausgrenzung und plumper Stimmungsmache, sagte Uchtmann in seiner Begrüßung.

Sänger der Bands rufen zu Widerstand auf

Den Auftakt des Abends macht die Band „Bloodred Traces“ aus Ostfriesland, die ihre Musikrichtung "Modern Metal / Metalcore“ nennt. Es folgte „Psycho Foo“ aus Papenburg (Hard-Rock) und „Westwärts“ aus Quakenbrück (deutschsprachige Rockmusik). Zum Abschluss des Abends folgten als Höhepunkte die Bands „Civil Courage“ aus Lähden (Punkrock) und „Landmaschine“ (Rock’n’Roll) aus Neulehe, die erst gegen 2 Uhr in der Nacht von der Bühne gingen. Alle Sängerinnen und Sänger der Bands machten politisch motivierte Aussagen und forderten dazu auf, den Rechten nicht die Meinungshoheit zu überlassen.

Am Rande der Veranstaltung informierte Amnesty international zum Thema Menschenrechte, auch die "Initiative GeRecht" hatte einen Infostand aufgebaut, von ihr stammt auch die Idee mit dem Banner und den politischen Botschaften. vor der Tür verkauften syrische und ägyptische Neu-Emsländer aus einem Foodtuck arabische Köstlichkeiten wie Falaffel-Sandwiches. Auf einem großen Banner konnte jeder Besucher Botschaften hinterlassen.

Es wird im Sommer mindestens ein weiteres solches Konzert geben. Mehreren Bands, die Interesse gezeigt hatten und ebenfalls kostenlos spielen wollen, denen aber abgesagt werden musste, haben bereits zugesagt, sagte Uchtmann. Termin und Ort, vermutlich unter freiem Himmel, werden bald bekannt gegeben.

Der Papenburger dankte den Sponsoren, die Kosten für Versicherungen, Sicherheitsdienst oder Technik finanzierten. Zu ihnen gehörten die OLB, Unicorn Events, die Grünen, VGH Jungeblut, die Firma Butterweck-Kruse, die Soroptimisten und Pastor Weusthoff. Die Stadt Papenburg steuerte 400 Euro aus einem Topf für ehrenamtliches und kulturelles Engagement bei, aus dem jeder (auch jegliche politische Partei) Zuschüsse beantragen kann. Der Überschuss des Abends wird für das Konzert im Sommer verwenden und der Rest gespendet.

"Im Publikum waren erfreulich viele verschiedene Nationalitäten und eine breite Altersspanne vertreten. Gefreut habe ich mich auch über die imponierende Bühne und die hervorragende technische Ausstattung, die von den drei Fachleuten an den Sound-, Bühnensound- und Lichtpulten sehr professionell in Szene gesetzt wurde. Wir haben gezeigt: Wir sind nicht nur mehr, wir sind auch laut!", zog Ralf Uchtmann am Samstag ein überaus positives Fazit des Abends.