Maßnahme gegen Schlick Animation zeigt geplante Tidesteuerung am Emssperrwerk

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Am Emssperrwerk in Gandersum wird die „Flexible Tidesteuerung“ getestet. Ein Video soll nun erklärend helfen. Foto: Archiv/AssiesAm Emssperrwerk in Gandersum wird die „Flexible Tidesteuerung“ getestet. Ein Video soll nun erklärend helfen. Foto: Archiv/Assies

Gandersum. Die Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050 hat ein Video entwickelt, das Hintergründe, Grundlagen und Ziele der „Flexiblen Tidesteuerung“ am Emssperrwerk in Gandersum so einfach wie möglich erklärt.

Laut Geschäftsstelle wurde das Video gemeinsam mit den Planern der Maßnahme vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN/Betriebsstelle Aurich) und des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Emden erstellt. Online ist ab sofort eine 3D-Computeranimation der geplanten Schlickbremse für die Unterems zu sehen.

Schlick das größte Problem der Ems

Die „Flexible Tidesteuerung“ soll dazu dienen, das vorrangigste Ziel des Masterplans Ems umzusetzen: die Lösung des Schlickproblems. Drei Gutachten sind laut Geschäftsstelle unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass man mit den Toren des Emssperrwerks das Ungleichgewicht zwischen Ebbe und Flut minimieren kann. Gegenwärtig ist der Flutstrom nach vielen Begradigungen und Vertiefungen des Flusses sehr viel stärker als der Ebbstrom und transportiert viel Sediment in die Unterems, den die Ebbe nicht wieder hinausschaffen kann. Zudem gingen durch Landgewinnung und Eindeichung an der Küste viele natürliche Ablagerungsflächen für den Schlick verloren. In der Unterems wabert vor allem in den Sommermonaten eine Wolke aus Flüssigschlick hin und her. Diese wird nur im Winter, wenn am Oberlauf viel Regen fällt, aus dem System ausgetragen. Die Folge: Die Trübung macht Tieren und Pflanzen das Leben schwer und zeitweise unmöglich, der Schlick beeinträchtigt Häfen und Schifffahrt.

Tore des Sperrwerks schließen teilweise

Der Plan der Experten: Die Tore des Sperrwerks werden zu bestimmten Zeiten im Tidestrom teilweise oder ganz geschlossen. Die mit den Toren gebremste Flut trägt den Schlick künftig nicht mehr die Ems hinauf, das Sediment-Förderband ist abgestellt. Und die Ebbe kann den Schlick wieder aus dem Fluss schaffen. Das Sperrwerk selbst ist den dabei entstehenden Kräften gewachsen, der Grund der Ems aber muss in der Nähe des Bauwerks mit Steinen befestigt werden, damit es nicht zu Erosionen kommt.

Planfeststellungsverfahren in Vorbereitung

Um die „Flexible Tidesteuerung“ umzusetzen, bedarf es eines Planfeststellungsverfahrens, das derzeit von den Planern vorbereitet wird. Die Forschungsstelle Küste des NLWKN hat dafür ein Modellierungsverfahren entwickelt, mit dem das Verhalten von Flüssigschlick in der Dynamik des Tideflusses Ems abgebildet werden kann. Flüssigschlick ist eine Mischung aus sehr viel Sediment und Wasser, die nicht mehr flüssig, aber noch nicht fest ist, und ganz eigene Fließeigenschaften hat.

Start der „realen“ Tidesteuerung 2022

Auch die Bundesanstalt für Wasserbau berechnet derzeit grundlegende Parameter der Tidesteuerung. In die Modellierungen fließen auch die Modelle des WSA Emden zu einer verkehrsverträglichen Tidesteuerung ein. Dabei geht es darum, die Auswirkungen der Tide-Sperrzeiten, während denen das Sperrwerk für Schiffe nicht passierbar ist, auf die rund 7000 meldepflichtigen Schiffsbewegungen auf der Unterems zu minimieren, ohne die Verringerung der Verschlickung zu gefährden. Mit dem Start der Tidesteuerung wird für 2022 gerechnet.


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