Projekt des „Masterplan Ems 2050“ Drei Modelle für Tidesteuerung in der Ems entwickelt

Von Holger Szyska

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Emden. Für das Projekt „Flexible Tidesteuerung“ mithilfe des Emssperrwerks in Gandersum gibt es nun drei mögliche Steuerungsmodelle. Auf Basis von Rechenmodellen soll ermittelt werden, welches Modell das effektivste ist.

Gesucht wird nun nach dem Modell, dass die Ziele als funktionstüchtige Schlickbremse bei zugleich möglichst geringen Einschränkungen für den Schiffsverkehr am besten auf sich vereint.

Die Details des Konzeptes haben Vertreter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Emden auf einer Informationsveranstaltung für die Sportschifffahrt vorgestellt. Die Tide soll durch Schließungen des Sperrwerks bei Gandersum gesteuert werden, um den jährlichen Eintrieb von rund 3,5 Millionen Tonnen Sedimenten in die Unterems zu reduzieren. Damit soll die Dominanz des Flutstroms, der die Schwebstoffe in den Fluss transportiert, gedämpft und der Ebbstrom gestärkt werden. Morphologische Gutachten würden die Wirkung der „Schlickbremse“ durch das Sperrwerk bestätigen, sagte WSA-Ingenieur Thomas Teichfischer.

Verkehrsverträgliches Konzept ist notwendig

Im „Masterplan“ sei aber auch die Erhaltung des Verkehrsweges für Schiffe und Boote festgeschrieben. „Das Steuerungsmodell soll den Verkehr nicht ausschließen, das ist der entscheidende Punkt“, betonte der stellvertretende WSA-Leiter Günther Rohe. So würde die Schlickbremse ihre größtmögliche Wirkung durch eine Sperrung bei jeder Tide entfalten, merkte Thomas Teichfischer an. „Das ist für die Schifffahrt aber nicht tragbar.“ Notwendig sei hingegen ein verkehrsverträgliches Konzept. Die Suche nach einem Kompromiss sei „eine Gratwanderung“ zwischen der Wirksamkeit der Schlickbremse und der Verträglichkeit für den Schiffsverkehr. In die Abwägung einbezogen wurden zeitweise Komplettschließungen aller Tore des Sperrwerks und zwei bis vier Stunden lange Varianten mit einer Teilöffnung.

Um die verkehrlichen Auswirkungen zu untersuchen, stellte eine Arbeitsgruppe die Schiffspassagen am Sperrwerk im Jahr 2015 zusammen. Ergebnis: Von nächtlichen Sperrungen zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens wären nur sieben Prozent der Schiffe betroffen, von einer Sperrung bei allen Tiden 52 Prozent.

Steuerungsmodell 1 mit nächtlichen Sperrungen an allen sieben Wochentagen sollte also „keine Bauchschmerzen bereiten“, sagte Teichfischer. Allerdings würden dabei 63 Prozent aller Tiden pro Jahr ungesteuert bleiben. „Das dürfte nicht wirksam genug sein.“ Steuerungsmodell 2 sieht werktags Schließungen zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens vor und bezieht das Wochenende mit ein – mit Zeitfenstern für die „freie Fahrt“ der Schiffe samstags von 6 bis 12.30 Uhr und 16.30 Uhr bis nachts sowie sonntags von 7 bis 24 Uhr. Bei diesem zweiten Modell blieben 37 Prozent aller Tiden ungesteuert. Sollte auch dieses Modell nicht ausreichen, könne „nur im Anfangszeitraum“ das „Eskalationsmodell 3“ zum Tragen kommen. Bei dieser Komplettschließung soll so viel Schlick in Richtung Nordsee befördert werden, dass eine ausreichende Basis für die anderen Modelle vorhanden wäre.

Jahreszeitliche Unterschiede der Verschlickung

Zudem gibt es jahreszeitliche Unterschiede der Verschlickung. Bei geringer Zufuhr von Oberflächenwasser von Mai bis Oktober sei der Steuerungsbedarf durch das Sperrwerk hoch, von April bis November mäßig und von Dezember bis März mit vermehrtem Oberflächenwasser und entsprechend starker Räumkraft gering, erläuterte Teichfischer.

Die Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) überprüfe nun mit Rechenmodellen die Wirksamkeit der entwickelten Steuerungsideen. Die Ergebnisse seien bis Anfang 2018 zu erwarten. Rechenmodelle seien aber „wie eine Wettervorhersage“, merkte WSA-Leiter Reinhard de Boer an. Letztlich müsse die Praxis zeigen, ob die Prognosen einträfen.


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