In Klinik in Ostfriesland Psychisch kranker Patient arbeitete als falscher Arzt in Psychiatrie

Von Rebecca Kresse

Die Ubbo-Emmius-Klinik in Norden. Foto: Romuald BanikDie Ubbo-Emmius-Klinik in Norden. Foto: Romuald Banik

Aurich/Norden. Ein offenbar psychisch kranker Mann aus Aurich hat sich als falscher Arzt ausgegeben und seit März 2016 in der psychiatrischen Abteilung einer Klinik in der ostfriesischen Stadt Norden gearbeitet. Die Oberstaatsanwalt Hannover hat die Ermittlungen aufgenommen.

Wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge aus Hannover den Ostfriesischen Nachrichten sagte, haben die Hannoveraner die Ermittlungen wegen Betruges und Urkundenfälschung aufgenommen. Es habe eine Hausdurchsuchung gegeben, bei der Beweismaterial sichergestellt wurde, so Klinge.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ist zuständig, weil der Auricher mit gefälschten Dokumenten zum dort ansässigen „Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung“ gegangen ist, um sich eine Arbeitserlaubnis zu besorgen. Laut Klinge hat der Zweckverband den Vorfall am Mittwoch noch einmal in einem Gespräch bestätigt.

Betrug fliegt auf

Zuerst hatte die Bild-Zeitung über den Fall berichtet. Offenbar waren die Dokumente so gut gefälscht, dass die Zulassungsstelle dem Mann eine befristete Berufserlaubnis erteilt hat. Seine Zeugnisse sollten von einer ukrainischen Universität stammen. Erst bei einer Routine-Überprüfung durch einen Mitarbeiter des Zweckverbandes im Juni 2017 ist der Betrug aufgeflogen. Darüber wurde die Ubbo-Emmius-Klinik nach eigenen Aussagen am 16. Juni 2017 informiert. In einer offiziellen Stellungnahme der Klinik vom Mittwoch heißt es: „Sofort nach Bekanntwerden des Verdachts wurde der Mann vom Dienst freigestellt.“ Nach Eingang des schriftlichen Widerrufs am 16. Juni 2017 wurde das Anstellungsverhältnis sofort beendet.“

Dr. Egbert Held, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik des Krankenhauses sagte: „In seiner Beschäftigungszeit befand er sich in der Anlernphase und übte keine selbstständigen Tätigkeiten innerhalb der Psychiatrischen Abteilung der Klinik in Norden aus.“

Mann soll an paranoider Schizophrenie leiden

Der 37-jährige Mann war vom 16. März 2016 bis zum 12. Juni 2017 als Assistenzarzt in der Psychiatrie in Norden tätig. Er soll laut Bericht der Bild-Zeitung selbst an einer akuten Psychose und paranoider Schizophrenie leiden. Die Arbeitsabläufe in der Klinik sollen ihm von eigenen Klinikaufenthalten bekannt gewesen sein. Dass der Mann selbst krank ist, hat anscheinend niemand bemerkt. Die UEK wehrt sich gegen Vorwürfe, sie hätte den Betrug früher erkennen müssen.


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