zuletzt aktualisiert vor

220 Mitarbeiter betroffen ThyssenKrupp schließt Traditionsstandort in Emden

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostfriesland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Emder Nordseewerke fotografiert im Juli 2015 in Emden. ThyssenKrupp will auf der ehemaligen Traditionswerft seine Niederlassung schließen. Foto: Carmen Jaspersen/dpaDie Emder Nordseewerke fotografiert im Juli 2015 in Emden. ThyssenKrupp will auf der ehemaligen Traditionswerft seine Niederlassung schließen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Emden/Essen. Der Niedergang auf der früheren Traditionswerft Nordseewerke in Emden geht weiter. Dort soll die letzte Niederlassung von ThyssenKrupp schließen. Das sorgt für Empörung in Ostfriesland und Kiel.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp will seinen Standort im ostfriesischen Emden schließen. Die 220 Beschäftigten der ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) sollten Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten bekommen, sagte ein Konzernsprecher am Freitag.

Die Umstrukturierung sei Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei steigender Nachfrage nach Marineschiffen. Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) sprach von einem Tiefschlag und einer Katastrophe für die Region. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kündigte einen Runden Tisch mit allen Beteiligten in Hannover an.

Am Vormittag hatte das Unternehmen die Emder Belegschaft bei einer Betriebsversammlung informiert. Danach sollen die Strukturen schneller und flexibler werden und Kompetenzen gebündelt werden.

TKMS-Geschäftsführer Rolf Wirtz zeigte in einer Erklärung Verständnis, dass für die Mitarbeiter jetzt viele Unwägbarkeiten entstünden. Das Unternehmen wolle und könne auf die qualifizierten Mitarbeiter nicht verzichten. „Die strategische Entscheidung ist jedoch nötig, um in einem harten Wettbewerb auch in Zukunft bestehen zu können“, sagte Wirtz.

Gewerkschafter und Betriebsräte kritisierten, fasst alle Fragen seien offen geblieben. Nicht einmal ein grober Zeitrahmen sei genannt worden. Die Schließungspläne seien wirtschaftlich nicht sinnvoll und nicht nachvollziehbar. Die IG Metall Küste kündigte Widerstand an.

„Nur die Kosten zu drücken und Menschen vor die Tür zu setzen, mag bei den Aktionären gut angekommen. Für uns ist das kein tragfähiges Konzepte“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken. Er forderte ein Zukunftskonzept, bei dem die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten im Vordergrund steht. Dabei dürften Standorte und Beschäftigte in Emden, Kiel und Hamburg nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Der TKMS-Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Kieler Betriebsratschef Achim Hass kritisierte, dass die Konzernleitung bisher keine Risikobetrachtung für die Schließung in Emden vorgelegt habe. Sollten Mitarbeiter wegen der großen Entfernung etwa in Kiel angebotene Arbeitsplätze ablehnen, könne es im Bereich Konstruktion zu Engpässen kommen. „Ich sehe eine große Gefahr für laufende und künftige Projekte, denn schon seit einiger Zeit arbeiten Abteilungen standortübergreifend zusammen“, sagte Hass der Deutschen Presse-Agentur.

Bereits vor einigen Jahren hatte TKMS versucht, Mitarbeiter zum Wechsel von Emden nach Kiel zu bewegen. „Das Kalkül ist, dass damit nur der Personalabbau vorangetrieben werden soll“, sagte der Geschäftsführer der Emder IG Metall, Michael Hehemann. ThyssenKrupp habe den Standort nach und nach zerschlagen und verbrannte Erde hinterlassen.

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Lies passt das Argument der Konzentration nicht mehr in das Jahr 2017. Die mehr als 200 hoch qualifizierten Ingenieure, Techniker und Schiffskonstrukteure seien bereits heute mit allen Konzernstandorten digital verbunden. Daher könnten die Arbeiten weiterhin in Emden geleistet werden.

Die niedersächsische CDU warnte davor, die Sorgen der betroffenen Mitarbeiter für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen. Ähnlich wie bei der früheren Werft-Insolvenz Ende 2012 stecke das Land mitten im Landtagswahlkampf. Lies müsse umgehend für Klarheit in Emden sorgen.

Thyssenkrupp hatte am Donnerstag die Streichung von zusätzlich bis zu 1000 Stellen in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt sollte der Großanlagenbau sein, zu der auch der Marineschiffbau gehört. Insgesamt ist der Abbau von weltweit bis zu 1500 Stellen in den kommenden drei Jahren vorgesehen.


Ehemalige Traditionswerft Nordseewerke

Seit der Gründung im Jahr 1903 wurden auf der Traditionswerft Nordseewerke im ostfriesischen Emden mehr als 550 zivile und militärische Schiffe gebaut und repariert. Dazu gehörten Spezialschiffe, U-Boote und Fregatten. Die Werft zählte einst zu den größten deutschen Marinewerften mit bis zu 5000 Beschäftigten. 1974 hatte Thyssen die Werft übernommen und im Jahr 2010 verkauft.

Nach dem letzten Stapellauf 2009 und einem zweiten Insolvenzantrag 2015 wurde der Schiffbau eingestellt. TKMS Emden mit Technikern und Schiffskonstrukteuren blieb bisher als letzter Unternehmensteil von ThyssenKrupp in Emden. Inzwischen sind als Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Traditionswerft die neue Nordseewerke Emden Shipyard (NES) und ein Werft- und Dockbetrieb auf dem Gelände aktiv. Sie gehören nicht zum ThyssenKrupp-Konzern. NES produziert schwere Stahlkomponenten für die Offshore-Industrie und Großbauteile für die Papenburger Meyer Werft. (dpa)

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN