Ziegelweg aus dem 17. Jahrhundert Fund bei Grabungen am Steinhaus in Bunderhee gibt Rätsel auf

Von Kai-Uwe Hanken

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Bunderhee. Bei Grabungen am Steinhaus Bunderhee ist ein rätselhafter Weg aus alten Dachpfannen entdeckt worden. Jetzt hoffen die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft auf neue Spuren, die die These von einem Hafen an der Häuptlingsburg stützen.

Seit knapp drei Wochen laufen die Grabungsarbeiten in der rund 30 mal fünf Meter großen Grube. Mehrere Schichten belegen, dass dort ein Bereich war, der in der Vergangenheit immer mehr verfüllt wurde. „Ich vermute, dass hier ein Hafenbecken war“, ist Grabungstechniker Axel Prussat überzeugt. Er präsentierte mit seinem Team die ersten Ergebnisse der Untersuchungen. Ihr Ziel ist es, das Umfeld des Steinhauses und mögliche Verbindungen zum Dollart zu beleuchten.

Weg aus dem 17. Jahrhundert

Erhofften sich die Forscher durch die Grabungen neue Erkenntnisse, so tun sich zunächst neue Rätsel auf. Ein etwa zehn Meter langer Weg aus alten Dachpfannen, der im Erdreich freigelegt wurde, gibt Anlass für neue Theorien. War es eine Weg-Befestigung, auf der Menschen früher mit Karren unterwegs waren, um das Hafenbecken zu verfüllen? Oder haben Bewohner des Steinhauses auf diese Weise schlichtweg altes Baumaterial entsorgt?

Fest steht: Der ominöse Weg ist etwa im 17. Jahrhundert verlegt worden. „Die Ziegel sind älter, mindestens 500 Jahre“, schätzt Rolf Bärenfänger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft. Es handel sich um halbrunde „Mönch und Nonne“-Ziegel, die aufeinandergelegt wurden. Bei den Grabungen wurden auch Glas- und Keramikscherben sowie Tonpfeifen gefunden, die ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammen könnten.

Gab es einen Hafen?

Weitere Ansätze sollen jetzt Baggerarbeiten liefern. Dabei soll der Grube buchstäblich auf den Grund gegangen werden. Im Erdreich wird nach einer Schlick-Schlicht gesucht, die Hinweise auf den Hafenboden geben könnte.

Denn die aktuellen Grabungen der Ostfriesischen Landschaft wollen den Standort des Häuptlingssitzes näher beleuchten. „Wir wollen mit den Untersuchungen die wirtschaftliche Grundlage des Steinhauses erforschen“, erläutert Bärenfänger. Die Sanierung des Gemäuers in 2010 hat den Archäologen bereits viele neue Erkenntnisse zur Geschichte geliefert. Doch einige Fragen sind ungeklärt: Seit wann lebten Menschen dort? Wo befand sich der Hof, der bei vergleichbaren Steinhäusern immer dazugehörte? Und: Gab es einen Hafen, über den Handel betrieben wurde?

Bereits im Vorfeld der Grabungen haben geophysikalische Untersuchungen auf dem Steinhaus-Gelände stattgefunden. Ihre Ergebnisse lassen zumindest die These zu, dass der benachbarte Hof Elias Standort des ehemaligen, zum Steinhaus gehörenden Wirtschaftshofes gewesen sein könnte. Interessant ist für die Wissenschaftler die Lage eines Grabens, der offenbar die Festung umgab. Solche Wasserläufe gehörten früher häufig zu solchen Ensembles, wie auch Steinhaus-Grundrisse in Filsum, Stapelmoor und Neermoor belegen.

Förderung durch Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Früherer Untersuchungen aus dem Jahre 1976 haben an der Nordseite des Steinhauses Bunderhee einen 19 Meter langen Graben zutage gefördert. Schon damals gab es die Annahme, dass dieser Graben rund ums Gebäude verlief - eine Annahme, die die aktuellen Forschungen untermauern sollen. Bei den geophysikalischen Untersuchungen habe es beim Hof Elias “vage Hinweise„ auf einen Grabenverlauf gegeben, so Bärenfänger. Auch das soll noch näher erforscht werden.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte die Forschungen mit 49.000 Euro gefördert. Dieselbe Summe steuerte die Landschaft selbst bei.


Zunächst nur ein Wehrturm

Das Steinhaus bestand zunächst nur aus dem Wehrturm, der im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Ursprünglich war er offenbar noch ein Stockwerk höher als heute, wobei ein Umgang an der Spitze den Ausblick über das Land erlaubte - und damit auch auf eventuelle Feinde. Der Turm war zunächst nur Schutz- und Vorratsraum - aber auch Symbol der Macht für den Hausherrn, da es nicht viele Backsteinbauten in Ostfriesland gab. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Turm wohnlicher gestaltet.

Der barocke Anbau entstand im 17. Jahrhundert und wurde zwischen 1712 und 1735 noch einmal erweitert.

Ein altes Flurkataster von 1872 zeigt, das auf der Fläche zwischen dem Hof Elias und dem Steinhaus früher eine Scheune stand. Später befand sich hier der Hof August, der mittlerweile abgerissen ist.

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