Anhand von Rechenmodellen Am Sperrwerk in Gandersum wird „Schlickbremse“ simuliert

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostfriesland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Am Emssperrwerk in Gandersum wird derzeit die „Schlickbremse“ simuliert. Foto: Britta SchulteAm Emssperrwerk in Gandersum wird derzeit die „Schlickbremse“ simuliert. Foto: Britta Schulte

Gandersum. Ausgehend vom Emssperrwerk in Gandersum wird derzeit anhand von Rechenmodellen eine Maßnahme des Masterplans Ems 2050 simuliert. Die „Schlickbremse“ soll für weniger Sedimenttransport sorgen.

Im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden haben Vertreter der Wirtschaft sowie Hafenbetreiber und Freizeitschiffer den im April begonnenen Dialogprozess fortgesetzt. Ziel des Arbeitskreises ist es, im Rahmen des Masterplans Ems eine neue Tidesteuerung am Emssperrwerk zu entwickeln, die sowohl der Verschlickung der Ems entgegenwirkt, als auch Einschränkungen für die Schifffahrt durch den Betrieb der künftigen Tidesteuerung minimiert.

Reinhard de Boer, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Emden, erläutert: „Um die Auswirkungen der verschiedenen Varianten der flexiblen Tidesteuerung auf die Schifffahrt zu ermitteln, simulieren wir derzeit den Einsatz des Sperrwerks als Schlickbremse.“

Datengrundlage sind laut de Boer die Schiffsbewegungen auf der Ems aus dem Jahr 2015, die gemeinsam von der WSV und dem Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zusammengestellt wurden. „Auf dieser Basis werten wir aus, wie sich die Schließzeiten der einzelnen Tidesteuerungsvarianten auf die damals erfolgten Schiffspassagen ausgewirkt hätten.“

Berechnet werden zudem Varianten mit Sperrzeiten im Zeitraum von 20 bis 6 Uhr. In die Simulationen fließt darüber hinaus auch ein, dass bei einem hohem Oberwasserzufluss der Ebbstrom bereits auf natürlichem Wege ausreichend Kraft hat, um den mit der Flut eingetragenen Schlick wieder aus der Ems hinauszudrücken. Die Erkenntnisse werden dann in den Modellierungen der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und der Forschungsstelle Küste des NLWKN zur Wirksamkeit der Tidesteuerung berücksichtigt. Es geht darum, zu ermitteln, wie sich eine vertretbare Beeinträchtigung der Schifffahrt und eine möglichst hohe Wirksamkeit der Tidesteuerung verbinden lassen. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich Ende dieses Jahres vorliegen.

„Wir werden auch schauen, welche Tidezeiten die Schiffsführer vor allem für die Emspassage nutzen. Aus diesen Erkenntnissen erwarten wir hilfreiche Anpassungen der Schleusenzeiten in Herbrum“, so de Boer. Außerdem wolle man mehr darüber erfahren, wie sich die flexible Tidesteuerung auf die einzelnen Hafenstandorte und die Unternehmen an der Ems auswirken könnte, die von einer regelmäßigen Belieferung per Schiff abhängig sind.

Betrachtet wird deshalb auch wie eine Veränderung der Abfahrtszeiten Beeinträchtigungen für die Schifffahrt minimieren kann. Auf Anregung aus den Niederlanden wird der Arbeitskreis um einen Vertreter des Hafenbetreibers Groningen Seaports erweitert. Im Vordergrund steht dabei insbesondere der Schiffsverkehr aus den Häfen Delfzijl und Eemshaven emsaufwärts ins deutsche Binnenland.

Unabhängig von den Ergebnissen des gemeinsamen Dialogprozesses muss das Projekt „Flexible Tidesteuerung“ ein transparentes und öffentlich-rechtliches Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Weitere Infos zum Masterplan Ems 2050 gibt es unter masterplan-ems.info.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN