Weniger Belastung für Anwohner Baukonzept für Tidepolder Coldemüntje geändert

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Der Bau des Tidepolders Coldemüntje soll nun nicht mehr dazu führen, dass tausende Lkw die Deichdörfer durchqueren müssen. Foto: Archiv/Christoph AssiesDer Bau des Tidepolders Coldemüntje soll nun nicht mehr dazu führen, dass tausende Lkw die Deichdörfer durchqueren müssen. Foto: Archiv/Christoph Assies

Coldemüntje. Kritik von Anwohnern und der Gemeinde Westoverledingen hat nun dazu geführt, dass das Konzept für den Bau des Tidepolders Coldemüntje geändert worden ist. Damit soll es laut einer Pressemitteilung der Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050 nicht mehr zu den befürchteten tausenden Lkw-Fahrten durch die Deichdörfer kommen.

Laut der Mitteilung sieht das neue Konzept vor, dass 130.000 von insgesamt 340.000 Kubikmetern anfallenden Materials im Tidepolder selbst verbleiben. Dabei handelt es sich um 60.000 Kubikmeter Sand und 70.000 Kubikmeter durchwurzelten Oberboden. Vorbehaltlich der Genehmigung des Landkreises Leer soll der Boden vor allem in den Randbereichen in niedrigen Wällen und Erhebungen verbleiben. 210.000 Kubikmeter werden in direkter Nähe abgelagert und 135.000 Kubikmeter Klei sollen in einer Höhe von 20 bis 40 Zentimetern auf benachbarten landwirtschaftlichen Flächen zur Bodenverbesserung aufgebracht werden. „Landwirte aus der Umgebung des Polders sind auf uns zugekommen“, berichtete laut der Pressemitteilung Helmut Dieckschäfer, Dezernent für regionalen Naturschutz beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), am Montag, 12. Juni 2017, vor dem Ausschuss für Kreisentwicklung, Umwelt und Natur des Landkreises Leer.

Vorverträge werden zurzeit verhandelt

Die Flächen haben laut Dieckschäfer die Möglichkeit eröffnet, den Boden ohne Durchquerung der Deichdörfer abzufahren. Gegenwärtig würden die Vorverträge verhandelt, die bei einer Genehmigung durch den Landkreis zum Zuge kämen. 75.000 Kubikmeter deichbaufähiger Klei solle auf einer ebenfalls nahe gelegenen Fläche in einer drei Meter hohen Miete gelagert werden. Endgültig genutzt werden solle er von der Overledinger Deichacht, die damit die Deichberme erhöhen wolle. Dieckschäfer ergänzte, dass Schlick, der sich im Sedimentationsbecken der Anlage absetze, durch das Einlassbauwerk im Deich zurück in die Ems gepumpt werden soll. Auch in dieser Hinsicht wären dann keine Belastungen der Anwohner zu erwarten.

Das neue Konzept muss im Detail noch mit den Fachbehörden des Landkreises abgestimmt werden. Der Bau des Tidepolders sowie das Konzept für den Bodenverbleib müssen vom Landkreis Leer genehmigt werden. Die Anträge werden gestellt, sobald die Unterlagen vollständig sind.

Abtransport per Bahn oder Schiff nicht realisierbar

Ursprünglich war geplant, das deichbaufähige Material zwischenzulagern und dann zu Baustellen in der Region zu transportieren. Der Sand sollte als Baumaterial verkauft werden. Gespräche mit der Gemeinde Westoverledingen über die Sorgen der Anlieger vor der Belastung durch die Schwertransporte und Schwierigkeiten, Abnehmer zu finden, haben laut Mitteilung der Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050 zur Konzeptänderung geführt. Der von Anliegern und Gemeinde ins Spiel gebrachte Abtransport per Bahn oder Schiff lasse sich allerdings nicht realisieren. Die Bahn erfordere den Bau von zwei Verladestellen, einem Zwischenlager und Transportkosten in Millionenhöhe, Genehmigungen für – auch temporäre – Anleger zum Schiffstransport waren wegen des an dieser Stelle sehr engen und kurvigen Emsfahrwassers nicht zu erhalten.

Tidebeeinflusste Lebensräume an der Ems wieder herstellen

Der Tidepolder in Coldemüntje soll dazu beitragen, verloren gegangene tidebeeinflusste Lebensräume an der Ems wiederherzustellen. Darauf haben sich die Vertragspartner des Masterplans Ems 2050 geeinigt. Im Tidepolder Coldemüntje sollen Flachwasserzonen, Brack- und Süßwasserröhrichte, Sand- und Schlickwatten sowie Tideauwald entstehen. Für den Einlass der Tide in den Polder soll ein Bauwerk im Deich sorgen, über das die oberste Lamelle der Wassersäule um die Hochwasserzeit aus dem Wasserkörper in den Polder einströmen kann. So kann sichergestellt werden, dass nur das weniger stark mit Schwebstoffen belastete Oberflächenwasser der Ems in den Polder gelangt. Die Deichlinie wird nach Bau des Ein- und Auslaufbauwerkes wieder voll funktionsfähig hergestellt. Zusätzlich soll ein Absetzbecken eine zu schnelle Verschlickung verhindern. Die Bauwerke werden so gestaltet, dass auch Fische hindurch wandern können.

Die Kosten für die Maßnahmenumsetzung werden insgesamt auf etwa sieben Millionen Euro geschätzt, die das Land Niedersachsen trägt. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2020 vorgesehen.


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