Startseite heißt „Flüchtlinge willkommen“ Zoff um die Internetadresse der ostfriesischen AfD

Von Aiko Recke

Auf der Internetseite „www.afd-ostfriesland.de“ sieht die Startseite derzeit so aus. Foto: Ostfriesische NachrichtenAuf der Internetseite „www.afd-ostfriesland.de“ sieht die Startseite derzeit so aus. Foto: Ostfriesische Nachrichten

Norden/Leer. In der ostfriesischen AfD gibt es Zoff um eine Internetadresse. Nach dem Rücktritt des ehemaligen Vorsitzenden verlor die Partei die Rechte an „www.afd-ostfriesland.de“ an einen Privatmann aus Norden. Dieser hat nun das Logo „Refugees welcome“ („Flüchtlinge willkommen“) auf der Startseite platziert – umrahmt von einer Europaflagge. Der neue AfD-Vorstand hält das für irreführend.

In der weiterhin zerstrittenen ostfriesischen AfD gibt es erneut Zoff. Diesmal geht es um die Internet-Adresse „ www.afd-ostfriesland.de “. Der neue AfD-Vorstand will rechtliche Schritte gegen den Ex-Vorsitzenden Holger Pieters aus Leer prüfen lassen, weil dieser die Adresse nach seinem Rücktritt nicht an die aktuelle Parteispitze übertragen hat.

Ex-Vorsitzender ließ Vertrag auslaufen

Ursprünglich war die Adresse, im Fachjargon „Domain“ genannt, auf Pieters registriert. Dieser trat jedoch im Januar zurück und ließ nach eigenen Angaben den Vertrag mit dem Internetanbieter auslaufen. Daraufhin war die Adresse wieder frei verfügbar.

Gesichert hat sie sich Timotheus Schneidegger aus Norden. Er stellte nun ausgerechnet ein Logo mit dem englischen Slogan „Refugees welcome – Bring your families“ (deutsch: „Flüchtlinge willkommen – Bringt eure Familien mit“) auf die Startseite. Dieses Logo, das für eine offene Politik gegenüber Flüchtlingen steht, kam ursprünglich aus der linken Antifa-Szene und wurde während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 auch von anderen gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen, Medien und Parteien aufgegriffen und fand weite Verbreitung.

Ironische Spitze gegen die AfD

Auf „www.afd-ostfriesland.de“ ist das einprägsame Logo außerdem noch in eine dunkelblaue Flagge der Europäischen Union (EU) mit zwölf goldenen Sternen eingebettet. Beides zusammen dürfte als ironische Spitze gegen die AfD verstanden werden – die sowohl kritisch gegenüber der offenen Flüchtlingspolitik als auch gegenüber der EU ist.

Nicht in D-Mark, sondern in Euro zahlen

Schneidegger, der in Norden unter anderem einen kleinen Verlag für philosophische Schriften betreibt, sagte, er habe kürzlich gesehen, dass die Domainadresse zum Verkauf stand und dann zugegriffen. „Als ich den Zuschlag bekam, habe ich jedenfalls sehr gelacht“, so Schneidegger. Falls die AfD die Adresse zurückkaufen wolle, werde das zweifellos „sehr teuer“. „Außerdem würde ich darauf bestehen, dass sie in Euro zahlen und nicht in D-Mark“, so Schneidegger in Anspielung auf die Euro-Ablehnung der AfD.

Neuer AfD-Vorstand sieht rechtswidriges Verhalten

Der neue AfD-Vorstand findet das alles gar nicht witzig. Die Website sei durch das „nach unserer Auffassung rechtswidrige Verhalten des Ex-Vorsitzenden in die Hände des politischen Gegners gelangt“, hieß es am Sonntagabend auf dem Facebook-Profil. Wie AfD-Sprecher Reiner Osbild (Emden) sagte, hätte Pieters die Adresse genau wie sämtliche anderen Parteiunterlagen auch an den neuen Vorstand übertragen müssen. „Wir haben einen Anwalt eingeschaltet, um das zu klären“, so Osbild.

„Keine originären AfD-Inhalte“

Auf dem Facebook-Profil des neuen AfD-Vorstands wird außerdem behauptet, dass sich möglicherweise auch die weiteren Mitglieder des „Leeraner Aufbruchs“, also der abtrünnigen Gruppe um Holger Pieters, mitschuldig machten. Die jetzige Website „www.afd-ostfriesland.de“ stelle jedenfalls keine „originären AfD-Inhalte“ dar. Mögliche Interessenten an der Partei oder deren Programm würden in die Irre geführt, so Osbild.

Neue Internetseite in Arbeit

Eine neue Internetseite unter der Adresse „www.afd-ostfriesland.org“ sei bereits in Arbeit, hieß es. Der aktuelle AfD-Vorstand gibt sich siegessicher: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“, heißt es auf Facebook.

Ex-Vorsitzender Holger Pieters sagte, er sehe einem möglichen Rechtsstreit gelassen entgegen. Das Ganze sei eine „Petitesse“. Da es der neue AfD-Vorstand „nicht auf die Reihe bekommen“ habe, eine Nachfolge für die von ihm betriebene Seite zu finden, habe er sie eben gelöscht. Den neuen Seiteninhaber Timotheus Schneidegger aus Norden kenne er nicht.

Streit um Domainnamen

Zoff um Internet-Domainnamen gibt es seit dem Start des World Wide Web vor gut 20 Jahren immer wieder. Das Phänomen, unter Namen wie „Domaingrabbing“ oder auch „Cybersquatting“ bekannt, gibt es auch in Ostfriesland. Im Jahr 2013 sicherte sich beispielsweise ein Mitarbeiter der Norddeicher Kurverwaltung die Adresse www.de-baalje.de – genauso heißt das damals neu eröffnete Auricher Schwimmbad.

Auch die Adresse www.zentralklinikum-georgsheil.de hat laut der zentralen Reservierungsstelle „Denic“ offenbar ein Südbrookmerlander Privatmann reserviert. Die offizielle Trägergesellschaft von Landkreis Aurich und Stadt Emden musste deshalb auf die Adresse www.zentralklinikum-georgsheil.com ausweichen. Die Endung „.com“ war ursprünglich für größere, in der Regel amerikanische Unternehmen gedacht.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei den Kollegen der Ostfriesischen Nachrichten und wurde uns von Ihnen freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN