Bessere Lebensbedingungen für Vögel Masterplan Ems: Lösung für Tidepolder in Coldemüntje gefunden

Von Daniel Gonzalez-Tepper und PM

In Coldemüntje, einem Ortsteil der Gemeinde Westoverledingen in Ostfriesland, soll direkt an der Ems ein Tidepolder entstehen. Er soll als Lebensraum für Vögel und Pflanzen dienen. Foto: Daniel Gonzalez-TepperIn Coldemüntje, einem Ortsteil der Gemeinde Westoverledingen in Ostfriesland, soll direkt an der Ems ein Tidepolder entstehen. Er soll als Lebensraum für Vögel und Pflanzen dienen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Westoverledingen-Coldemüntje. Der Bau eines Tidepolders in Coldemüntje (Gemeinde Westoverledingen), der im Rahmen des Masterplan Ems für bessere Lebensbedingungen für Vögel und Pflanzen an dem Fluss sorgen soll, rückt näher. Es scheint eine Lösung für den Transport und der Entsorgung des Bodenaushubs gefunden zu sein.

Etwa ein Drittel des anfallenden Bodenaushubs, der während der Bauarbeiten des Polders entstehen wird, könnte demnach auf landwirtschaftlichen Flächen in direkter Umgebung verteilt werden, um das dortige Grünland zu verbessern, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsstelle des Masterplan Ems in Oldenburg. Entsprechende Gespräche mit mehreren Flächeneigentümern würden das niedersächsische Umweltministerium (MU) und der Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) derzeit führen, heißt es weiter. Die restlichen zwei Drittel des Aushubs werden für die Gestaltung des Polders oder die Erhöhung beziehungsweise Verstärkung der Deiche genutzt.

Der Rat der Gemeinde Westoverledingen hatte zuvor beschlossen, einem Polder nur zuzustimmen, wenn es nicht zu Lkw-Transporten des Bodens durch die Deichdörfer kommt. Auch die Gemeinde hatte ein Verteilen des Bodenaushubs auf landwirtschaftlich genutzten Flächen favorisiert.

Über den aktuellen Stand der Planungen für den Tidepolder informierten jetzt Vertreter des Ministeriums und des NLWKN in einer Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen und Naturschutz der Gemeinde Westoverledingen. 

Polder könnte 2022 in Betrieb gehen

In den Gesprächen mit der Gemeinde Westoverledingen und den Flächeneigentümern gehe es um Details wie die Grünlandflächen so verbessert werden können, dass sie einfacher zu bewirtschaften sind, heißt es in der Mitteilung. Der Landkreis Leer als Genehmigungsbehörde werde laufend informiert, ebenso die Landwirtschaftskammer, die bei der Aufstellung eines Aufbringungskonzeptes mitarbeitet. Letztere hatte in einem Gutachten Bedenken gegen die Aufbringung angemeldet, aber auch gewisse Möglichkeiten gesehen, teilte die Geschäftsstelle mit. Diese Möglichkeiten werden vom NLWKN aufgegriffen und einer Einzelfallbetrachtung unterzogen.

Die Ortschaft Coldemüntje liegt direkt an der Ems auf der östlichen Seite des Flusses. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

„Ich freue mich, dass die Verhandlungen mit den Flächeneigentümern so konstruktiv verlaufen“, wird Cornelia Scupin vom Umweltministerium in der Mitteilung zitiert. Alle Betroffenen und Interessierten sollen Gehör finden, erklärte Scupin. Erst wenn alle Fragen geklärt seien, werde der Planfeststellungsantrag beim Landkreis Leer eingereicht, sagte sie. Gegenwärtig rechne man bei aller Vorsicht mit der Einreichung für Ende 2019 und dem Baubeginn Ende 2020. Die Aufbringung auf landwirtschaftliche Flächen erfolge dann Ende 2021, die Inbetriebnahme 2022. Scupin wies darauf hin, dass im Planfeststellungsverfahren alle Einzelheiten der Planung nochmals öffentlich gemacht werden und Betroffene dazu ihre Stellungnahmen abgeben können. 

Lenkungskreis stimmte Mehrkosten bereits zu

Eventuellen Mehrkosten hatte der Lenkungskreis des Masterplans Ems 2050, in dem die Spitzenvertreter der Vertragspartner sitzen (zu denen gehört auch die Meyer Werft in Papenburg) bereits im März 2019 zugestimmt. 

Beim Tidepolder Coldemüntje handelt es sich um das erste Projekt des Masterplans. Hauptziel ist die  Schaffung von besseren Lebensräumen für Wasservögel und -pflanzen (Arten- und Biotopvielfalt). "Die Art der Umsetzung und das intensive Ringen um die Zustimmung der Anlieger soll deutlich machen, dass der Masterplan nur im Einvernehmen mit der Bevölkerung umgesetzt wird", heißt es in der Mitteilung der Geschäftsstelle in Oldenburg.

"Das Projekt dort diene der Schaffung von tidebeeinflussten Lebensräumen und hat keine Auswirkung auf die Wasserqualität. Die Planung ist komplett auf das Lebensraumkonzept ausgerichtet", erklärt der Sprecher des Masterplan Ems, Thorsten Kuchta. Das Projekt sehe auch Speicherbecken für Tide vor, die zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen sollen. "Die sind aber zurückgestellt. Vor konkreten Planungen solcher ;Tidespeicherpolder' soll zunächst die Wirkung der Tidesteuerung betrachtet werden. Darauf haben sich die Vertragspartner geeinigt", erklärt Kuchta.


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