Kamel-Nachwuchs während Tournee Hat Zirkus Charles Knie in Leer gegen Tierschutzrecht verstoßen?

Ende Mai wird der Zirkus Charles Knie in der Stadt Papenburg erwartet. Der Zirkus setzt neben Artistik auch auf den Einsatz von Tieren. Foto: Daniel Gonzalez-TepperEnde Mai wird der Zirkus Charles Knie in der Stadt Papenburg erwartet. Der Zirkus setzt neben Artistik auch auf den Einsatz von Tieren. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Leer. Hat der Zirkus Charles Knie beim Gastspiel in Leer gegen das Tierschutzrecht verstoßen? Das behauptet die Initiative "Ostfriesen gegen Tierleid" und verweist auf den Transport einer hoch trächtigen Kamelstute nach Ostfriesland. Der Landkreis bestätigte den Vorgang. Der Zirkus verteidigt das Vorgehen.

Die Initiative ist nach eigenen Angaben ein "Zusammenschluss von Ostfriesen, die sich für Tierrechte einsetzen", einige Mitglieder sind unter anderem beim Tierschutzhof "Kleine Streuner" in Wiesmoor aktiv. Mit Mahnwachen protestiert die Initiativen gegen jeglichen Einsatz von Tieren in Zirkussen. Eine solche Mahnwache fand auch am Sonntag vor dem Zelt des Zirkus Knie in Leer statt.

Bereits am Montag hatte die Initiative ein Video bei Facebook veröffentlicht, das während besagter Mahnwache am Sonntag entstanden sei, heißt es in dem dazu gehörenden Post. 

"Uns fiel eine Kameldame auf, die in einem Minigehege separiert und mit Schaum vor dem Maul sehr hektisch hin und her lief. Wir sahen, dass sie gerade gekalbt hatte", heißt es. Es sei Zirkussen nicht erlaubt, trächtige Tiere mit auf Tournee zu nehmen. Man habe deshalb das zuständige Veterinäramt darüber informiert.

Der Sprecher des Landkreis Leer, Philipp Koenen, bestätigte am Dienstag auf Anfrage, dass ein Amtstierarzt sich die Situation am Montag vor Ort angesehen habe. "Durch den Transport der hoch trächtigen Kamelstute nach Leer liegt nach Ansicht unseres Veterinäramtes ein Verstoß gegen Tierschutzrecht vor; es wird deshalb ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet", teilte Koenen mit. 

Zirkus will von Kamel-Schwangerschaft nichts gewusst haben

Der Zirkus sieht dies anders. Nach Angaben von Geschäftsführer Sascha Melnjak sei es keinesfalls generell verboten, ein trächtiges Tier zu transportieren, "Die EU-Transportverordnung EU-1-2005 besagt, dass das trächtige Tier in den letzten zehn Prozent der Tage vor der zu erwartenden Niederkunft nicht mehr transportiert werden darf." Um eine solche Frist festzustellen, muss der Zirkus indes von der Schwangerschaft Kenntnis haben. Weder die Tierpfleger, noch die kontrollierenden Amtsveterinäre in den zurückliegenden Gastspielstädten, und auch nicht die vom Zirkus beauftragten Tierärzte hätten bemerkt, dass die Kamelstute trächtig sei. "Daher kann ein Verstoß gegen die genannt Transportverordnung sowie dem Tierschutzgesetz nicht vorliegen", meint Melnjak.

Der Zirkus Charles Knie verfüge dem Geschäftsführer zufolge über einen großen Gutshof in Einbeck. "Hier leben bereits jetzt unsere Tiere, die zum Beispiel auf Grund ihres Alters die Tournee nicht mehr begleiten können, und werden von einem kompetenten Team aus Tierpflegern betreut. In Kenntnis einer vorliegenden Trächtigkeit wäre unsere Kamelstute selbstverständlich ebenfalls in Einbeck untergebracht worden", betont Melnjak.

„Kamelstuten und Fohlen sind jedenfalls "wohlauf", wie Kreissprecher Philipp Koenen berichtet. Davon habe sich eine vom Zirkus beauftragte Tierärztin am Dienstag noch einmal überzeugt. Gleiches gelte für einen Mitarbeiter des  Veterinäramtes. "Er kommt zu der Einschätzung, dass beide Tiere kräftig und gesund sind", sagt Koenen. Weil der Zirkus den Platz in Leer am Dienstag verlassen musste, hätten die beiden Tiere eigentlich in einem fremden Stall untergebracht werden müssen. "Nach Einschätzung des Veterinäramtes bedeutet ein Transport zum nächsten Tourneeort nach Wilhelmshaven für die Kamelstute und ihr Junges weniger Stress, als wenn sie von der übrigen Kamel-Herde des Zirkus‘ getrennt würden. Deshalb hat der Landkreis dem Transport nach Wilhelmshaven zugestimmt", erklärt Koenen.

Gastspiel Ende Mai in Papenburg

Wenn der Zirkus dort eintrifft, werde der Landkreis Leer informiert. "Wir haben unsererseits die zuständige Behörde in Wilhelmshaven benachrichtigt." In der letzten Mai-Woche wird der Zirkus in Papenburg erwartet, wo er vom 28. bis 30. Mai Gastspiele geben wird. Ob die Veterinäre in Wilhelmshaven (Zweckverband Jade-Weser) den Landkreis Emsland verständigen, ist Koenen nicht bekannt.

Mit dem Slogan "Europas Top-Zirkus" wirbt der Zirkus Charles Knie seit einigen Tagen für das Gastspiel in Papenburg Ende Mai. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper



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