Containerstadt bei Klingele Für die Zukunft: Stillstand bei Papierfabrik in Weener

Von Kai-Uwe Hanken

Zwei Spezialkräne haben das alte Plattenband für die Altpapierballen ausgehoben und entfernt. Das neue Band ist bereits eingesetzt worden. Foto: Kai-Uwe HankenZwei Spezialkräne haben das alte Plattenband für die Altpapierballen ausgehoben und entfernt. Das neue Band ist bereits eingesetzt worden. Foto: Kai-Uwe Hanken

Weener. Die Maschine steht - und doch wird mit Hochdruck gearbeitet: Bei der Papierfabrik Klingele in Weener hat das große Aufbauprogramm begonnen. Das Gelände des Unternehmens gleicht einer internationalen Kleinstadt im Mini-Format.

Am vergangenen Sonntag ist die Papiermaschine im Werk abgestellt worden und die Vorarbeiten für ein umfangreiches Maßnahmenpaket haben begonnen. Diverse Bau- und Instandsetzungsarbeiten sind angelaufen - mit dem Ziel, die Laufgeschwindigkeit und Stabilität in der Papierproduktion und damit auch die Qualität des Papieres weiter zu optimieren.

Produktion soll wieder angefahren werden

Die Arbeiten kommen gut voran, erklärt Thilo-Hubertus Kuhl, stellvertretender Geschäftsführer. Läuft alles planmäßig weiter, soll die Papierproduktion heute wieder angefahren werden. An die 40 Firmen sind derzeit im Einsatz, dabei tummeln sich Monteure aus Schweden, Finnland, Polen, Frankreich und anderen Ländern auf dem Firmengelände. „Die Koordination der Arbeiten ist dabei ganz wichtig, damit es keine babylonischen Verhältnisse gibt“, so Kuhl. Auch logistisch sei dies vonnöten, so muss zum Beispiel der Einsatz eines Portalkrans in der Papierhalle zwischen den einzelnen Fraktionen abgesprochen werden, um keine Wartezeiten und Leerläufe zu verursachen.

Containerdorf mit eigenem Sanitäter

Neben der Stammbelegschaft von etwa 130 Beschäftigten sind derzeit rund 300 externe Arbeitskräfte täglich elf bis zwölf Stunden im Einsatz. Für sie ist ein Containerdorf auf dem Gelände errichtet worden, das als Quartier dient und über einen eigenen Sanitäter verfügt. Catering-Unternehmen aus der Region versorgen die Arbeiter mit Mahlzeiten.

„Das geht alles Hand in Hand“

Am Montag waren zwei Spezialkräne der Firma Ulferts aus Neermoor im Einsatz, um das alte, nach Schätzung von Kuhl etwa 15 Meter lange Plattenband für die Altpapierballen anzuheben. Bereits einen Tag später wurde ein neues Band eingesetzt. „Das geht alles Hand in Hand“, lobt Kuhl die reibungslosen Abläufe im Werk. Ausgetauscht werde auch ein 80 Tonnen schwerer Stahlzylinder, der im Jahr 2000 im Rahmen eines Pilotprojektes installiert worden sei und der für die heutige Produktion ungeeignet sei, so der Firmen-Vizechef. Der neue Trockenzylinder, der als Ersatz kommt, wiegt mit 23 Tonnen wesentlich weniger.

27 Meter hoher Kessel wird gereinigt

Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen in der Papierfabrik auf rund 3,5 Millionen Euro. Weitere 2,3 Millionen Euro werden für das Ersatzbrennstoff-Werk am Geiseweg aufgewendet, das ebenfalls im Besitz von Klingele ist und die Papierfabrik mit Energie versorgt. Die Anlage laufe jährlich rund 8100 Stunden in Volllast, denn jegliches Runter- und Rauffahren führe zu Verschleiß und Materialermüdung, erklärt Kuhl. Bis in die nächste Woche hinein wird der 27 Meter hohe Kessel des Kraftwerks gereinigt und es werden Ablagerungen an der Oberfläche entfernt. Hinzu kommt die Reinigung der Rauchgasanlage sowie die Wartung von Fördermaschinen und Trafos. Am Kraftwerk arbeiten derzeit rund 140 externe Arbeitskräfte aus 20 Firmen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN