153-jährige Ära geht zu Ende Franziskanerinnen verlassen Borromäus-Hospital Leer

Stippvisite auf Station 43: (v. l.) Schwester Camillis, Teamleitung Gudrun Lammers-Budde von Station 43, Schwester Theofriede und Gesundheits- und Krankenpflegerin Valentina Nerenberg. Foto: Borromäus-Hospital LeerStippvisite auf Station 43: (v. l.) Schwester Camillis, Teamleitung Gudrun Lammers-Budde von Station 43, Schwester Theofriede und Gesundheits- und Krankenpflegerin Valentina Nerenberg. Foto: Borromäus-Hospital Leer

Leer. Nach 153 Jahren geht am Borromäus Hospital Leer eine Ära zu Ende. Die beiden letzten Mauritzer Franziskanerinnen verlassen den am Hospital angeschlossenen Konvent.

Die offizielle Verabschiedung der beiden Ordensfrauen findet am 19. Januar statt, wie das Hospital in einer Pressemitteilung erklärte. Um 10 Uhr findet dann in der Kirche St. Michael eine Heilige Messe mit anschließendem Empfang statt.

„Schwer“ sei es und es tue auch weh, sagen Schwester Camillis, die seit 30 Jahren im „Borro“ tätig ist, und Schwester Theofriede, die seit fast 35 Jahren dem Krankenhaus verbunden ist. „Ich war in der Kirchengemeinde genauso verwurzelt wie im Haus. Das war ein Stück Familie“, erklärt Schwester Camillis. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie sich entschieden, nach Nordwalde ins ordenseigene Altenheim zu gehen. „Ich habe dann gesagt: Alleine bleibe ich nicht“, erinnert sich Schwester Theofriede. Sie wird nun ins Mutterhaus im Stadtteil Mauritz in Münster zurückkehren. Von den Mauritzer Ordensschwestern gebe es inzwischen weniger als 400 in Deutschland, berichten die Schwestern.

Eine Ära seit 1865

1865 kamen die ersten zwei Schwestern nach Leer. Zu Höchstzeiten taten 17 Schwestern ihren Dienst in den verschiedenen Bereichen wie Krankenpflege, Labor, Röntgen, OP, Aufnahme, Rechnungswesen, Kapelle oder Bibliothek. Ab 2010 lebten nur noch drei Schwestern im Konvent, ab 2017 nur noch zwei. Seit rund zehn Jahren erhalten sie Unterstützung von den indischen Ordensschwestern der Franziskanerinnen-Claristen-Ordensgemeinschaft. Sechs Schwestern leisten ihren Dienst und werden die Arbeit der Mauritzer Schwestern fortführen.

Schwester Camillis, die im Ruhrgebiet groß wurde, war als gelernte Krankenschwester schon in verschiedenen Häusern tätig – unter anderem in Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen und Haselünne. Im „Borro“ versorgte sie viele Jahre die Kapelle, leitete die Wort-Gottes-Feiern und war auch im Pfarrgemeinderat aktiv. Zudem baute Sie die Patientenbücherei auf und war mit dem Büchereiwagen auf den Stationen unterwegs. „Dabei haben sich oft Gespräche ergeben, oft sind das auch ganz harte Gespräche gewesen“, sagt die 79-Jährige.

Schwester Theofriede ist in Molbergen im Kreis Cloppenburg geboren und aufgewachsen. Sie war Verkäuferin, ehe sie mit 18 eine Ausbildung als Krankenschwester begann. „Das ist mein Traumjob geworden“, sagt die 76-Jährige. Vor der Zeit im „Borro“ wurde sie im Franziskus Hospital in Münster eingesetzt. Im Leeraner Krankenhaus war sie jahrelang Stationsschwester der Allgemeinchirurgie. Vor rund zehn Jahren gab sie die Leitung ab.

Acht-Stunden-Tage auf Station 43

Nach wie vor ist sie auf Station 43 im Einsatz – in Teilschicht. Ihr Tag beginnt noch vor 7 Uhr. Dass sie dadurch auch häufig mehr als acht Stunden auf Station arbeitet, störe sie nicht, sagt Schwester Theofriede. Vor allem viele neue Gesichter und liebe Menschen habe sie in all den Jahren treffen dürfen. „Man kann sich die Station gar nicht ohne Schwester vorstellen“, sagt Gesundheits- und Krankenpflegerin Valentina Nerenberg. „Sie gehört zum Inventar“, fasst Teamleitung Gudrun Lammers-Budde von Station 43 prägnant zusammen.

„Mit dem Weggang der letzten Mauritzer Ordensschwestern verschwindet auch reichlich Lebenserfahrung, Verständnis und Unterstützung“, bedauert Hospital-Geschäftsführer Dieter Brünink. Die Schwestern hätten das geistliche Leben allein durch ihre Präsenz im Haus geprägt und viele ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt, sagt die Katholische Krankenhausseelsorgerin Helen Reiners. „Wenn jemand in der Kapelle sitzt und traurig ist, dann spricht Schwester Camillis denjenigen an“, verdeutlicht Reiners die Bedeutung der Schwestern für das Haus.

„Im Sommer habe ich gerne auf dem Balkon viele Vögel beobachtet, wenn ich zur Haneburg geschaut habe“, berichtet Schwester Camillis. über ihren Lieblingsort im Hospital. Für Schwester Theofriede gab es die schönsten Momente auf der Station im Kreise der Kollegen und Mitarbeiter. Nun gilt es, sich in eine neue Gemeinschaft einzuleben. Kontakt hätten sie zu den anderen Schwestern über die Jahre stets gehalten. Ins neue Zuhause nehmen sie kleine Erinnerungen wie Jubiläumshefte, Bilder und Fotos mit.


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