Arbeitsgericht urteilt gegen Mediziner Gericht: Chefarzt am Klinikum Leer hat Geld aus Schweiz bekommen

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Der Mediziner war seit 2007 als Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer angestellt. Foto: Klinikum Leer/ArchivDer Mediziner war seit 2007 als Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer angestellt. Foto: Klinikum Leer/Archiv

Leer. Das Arbeitsgericht Emden hat die fristlose Kündigung des Klinikum Leer gegen den ehemaligen Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie, Dr. A., bestätigt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mediziner unerlaubt Geld von einer Medizintechnikfirma aus der Schweiz erhalten habe.

Die Sprecherin des Klinikums, Tina Schmidt, bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Medienberichterstattung. Die Ostfriesen-Zeitung, der die schriftliche Urteilsbegründung vorlag, hatte berichtet, die Firma Icotec soll zehn Prozent des Umsatzes mit dem Klinikum Leer (laut dem Bericht rund 300.000 Euro) an Dr. A. überwiesen haben, deklariert als Honorare für Vorträge oder Seminare.

Das Klinikum hatte den heute 54-Jährigen im Herbst 2015 gekündigt mit der Begründung, der Arzt habe über mehrere Jahre zwischen 60.000 und 80.000 Euro jährlich durch Nebentätigkeiten für Medizinprodukthersteller verdient, ohne die Klinik darüber zu informieren. Die Sprecherin bestätigte, dass das Klinikum dem Gericht durch die Vorlage von Terminplänen der Operationen des früheren Chefarztes glaubhaft machen konnte, dass dieser zum Zeitpunkt, in denen die Vorträge für Icotec in der Schweiz gehalten worden sein sollen, A. jeweils im Operationssaal in Leer stand. Der Arzt hatte die Vorwürfe bestritten. Wegen der Zahlungen läuft auch ein Verfahren gegen Icotec und eine ehemalige Mitarbeiterin.

Bandscheiben-Prothesen kamen nicht von Icotec

Die Schweizer Firma hat nichts mit den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Dr. A. wegen der Verwendung fehlerhafter Bandscheibenprothesen zu tun. Diese wurden von der inzwischen insolventen britischen Firma Ranier geliefert. Die Kunststoff-Einsätze erwiesen sich als ungeeignet, weil sie zerbröselten. Der Chefarzt soll den Patienten im Vorfeld gesagt haben, er verwende bewährte Titan-Implantate. In der Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung ist von 59 Fällen die Rede, die neuartige Prothese soll in insgesamt 114 Fällen verwendet worden sein. Zahlreiche Betroffene klagen auf Schmerzensgeld und Schadenersatz, einige lassen sich wie berichtet vom Papenburger Rechtsanwalt Burkhard Remmers vertreten.

Die Sprecherin des Klinikum Leer bestätigte, dass der ehemalige Chefarzt jährlich 161.000 Euro Festgehalt erhalten habe, hinzu sei eine variable Vergütung von rund 100.000 Euro gekommen.

(Weiterlesen: Defekte Bandscheiben-Prothese: Bunder mehr als zehn Mal nachoperiert worden)


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