Mehrere Jahre an Fahrzeug getüftelt Autotuner setzen Wunsch von verstorbenem Kumpel um

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Aus insgesamt 19 Personen, allesamt Freunde oder Verwandte des verstorbenen Philip Bents, besteht die Gruppe, die nach dem Tod des Autotuners dessen Fahrzeug der Öffentlichkeit präsentieren. Foto: Sammlung Franziska BentsAus insgesamt 19 Personen, allesamt Freunde oder Verwandte des verstorbenen Philip Bents, besteht die Gruppe, die nach dem Tod des Autotuners dessen Fahrzeug der Öffentlichkeit präsentieren. Foto: Sammlung Franziska Bents

Emden/Norden. Zwei Jahre lang schraubte und tüftelte der Autotuner Philip Bents an seinem Opel. Kurz bevor das Fahrzeug fertig war, verstarb der 28-Jährige im Juli bei einem Arbeitsunfall. Freunde und Verwandte setzen nun seinen Wunsch um, das getunte Auto in der Öffentlichkeit zu präsentieren. 2019 könnte sogar ein Besuch bei der Essen Motor Show anstehen.

"Philip war ein echter Lebemann, hat viel Geld für unnütze Dinge ausgegeben. Aber für seine Familie, Freunde und Kollegen war er immer da und sorgte sich um sie", sagt Stephan Rathenow, Vater von Pia Rathenow, der Verlobten des Verstorbenen. Die Hochzeit war für den 18. August 2018 (18.8.18) geplant, einen Monat vorher und genau ein Jahr nach der Verlobung, die am 17. Juli 2017 stattfand, starb Philip Bents während der Arbeit. Für ein Unternehmen im Bereich Windkraftanlagen war der 28-Jährige als Schichtleiter in der Oberflächenbeschichtung tätig, ein zwölf Tonnen schweres Bauteil fiel auf ihn herab. 

Trotz intensiver Bemühungen der Ärzte im Krankenhaus starb Philip Bents wenig später an den Folgen des Arbeitsunfalls.

Am 17. Juli 2018 verstarb Philip Bents im Alter von nur 28 Jahren bei einem Arbeitsunfall. Zwei Jahre lang hat der Autotuning-Fan an seinem Opel Antara geschraubt, das Fahrzeug war so gut wie fertig. Foto: Sammlung Franziska Bents

Mutter hat Rechtsanwalt eingeschaltet

"Wie es zu dem Unglück gekommen ist, ist noch unklar. Das wird derzeit juristisch aufgearbeitet. Wir sind nach unseren Erkenntnissen sicher, dass Philip keine Schuld trifft", sagt die Mutter des Autotuning-Freundes, Astrid Skillandat-Bents, die sich einen Rechtsanwalt genommen hat.

Etwa fünf Wochen, nachdem der Autotuner den Opel Antara fertiggestellt hatte, starb der Ostfriese bei einem Arbeitsunfall. Foto: Franziska Bents

Aber um den tragischen Arbeitsunfall soll es nicht gehen, sondern um das, was in den Wochen nach Philips Tod passierte. 19 Menschen aus dem Umfeld von Philip Bents machten sich dazu auf, den größten Wunsch des Verstorben Realität werden zu lassen: An seinem geliebten Fahrzeug, ein Opel Antara, die letzten Handgriffe zu erledigen, die der Ostfriese bis zu seinem Tod nicht mehr erledigen konnte, und das getunte Fahrzeug dann möglichst vielen Menschen zu präsentieren.


Großer Freund eines Energydrinks

"Philipsmonstr" taufte der Kreis das Fahrzeug. "Monstr" deshalb, weil der Energydrink "Monster" sein Lieblingsgetränk war. Schnell war eine öffentliche Facebook-Seite und ein Auftritt bei Instagram erstellt, ein Hashtag (#philipsmonstr) wurde kreiert und ein Youtube-Kanal eröffnet. In einer einleitenden Mitteilung bei Facebook heißt es: "Diese Seite ist unserem Sohn, Verlobten, Bruder und Freund gewidmet. Sein Auto, ein Opel Antara, war sein größtes Hobby. Liebevoll und mit einem Auge fürs Detail hat er den Antara in ein ,Monster' verwandelt. Sein größter Wunsch war es, sein Auto auf Tuningtreffen zu präsentieren. Diesen letzten Wunsch wollen wir ihm ermöglichen. Helft uns, ihm die letzte Ehre zu erweisen."

Zu der Präsentation des getunten Opel Antara in sozialen Medien durch den 19-köpfigen Freundeskreis von Philip Bents gehörten mehrere professionelle Fotoshootings. Foto: Sammlung Franziska Bents

Bei Instagram schreiben die Angehörigen: "Er war ein absolut lebensfroher und warmherziger Mensch. Aufgrund seiner Körpergröße, seinem unbeschreiblichen Humor und seinem großen Herz und die Art, wie er mit Menschen umging, fiel Philip in der Menge auf."

Das Auto war wie sein Baby.Franziska Bents, Schwester des Verstorbenen

Umfang und Umsetzung der Veränderungen am Auto beeindruckend

Für die Präsentation im Internet ließ der Freundes- und Verwandtenkreis zunächst von einem Fotografen professionelle Aufnahmen anfertigen. Eine der wesentlichen Kräfte hinter den beiden Seiten in den sozialen Netzwerken ist Franziska Bents, die Schwester des Autotuners. "Das Auto war wie sein Baby", erzählt sie. Auch für Technikfreaks sind die Veränderungen, die der gelernte Meister für Oberflächenbeschichtungen ("Lackierer") an dem 150-PS-Mobil vorgenommen hat, eine Augenweide.

Das wurde verändert am Antara:

  • alle Radläufe um jeweils sechs Zentimeter im Blech verbreitert 
  • 22 Zoll Alufelgen (aus Amerika) mit Sonderbereifung 
  • Stoßfänger vorne und hinten umgebaut 
  • Lufthutzen in Motorhaube 
  • Duplex Auspuffanlage mit Blenden 
  • Käfig (Überrollbügel) in Eigenbau 
  • Scheinwerfer innen lackiert  
  • Rücklichter abgedunkelt 
Als gelernter Lackierer hatte Philip Bents ein Händchen für eine professionelle Lackierung, die in Teilen sogar dreidimensional ist. Foto: Sammlung Franziska Bents
  • Ambientebeleuchtung grün vorne und hinten  
  • Komplettlackierung außen mit unterschiedlichen Techniken (Splash-Design an Front und Heck, Flakes im Klarlack, Dach Holographic-Lack)
  • "Monster Energy" Logo auf Haube und Heckklappe unter dem Lack als 3D-Effekt aufgespachtelt
  • Keramikversiegelung  
  • Trittbretter (Schwellerrohre)
  • Im Inneren Himmel und Verkleidungen geschwärzt und Kleinteile lackiert (Folientechnik)
  • Lenkrad bezogen und teillackiert
Zu den Um- und Anbauten an dem Opel Antara gehört eine "Ambientebeleuchtung" in grün vorne und hinten. Foto: Sammlung Bents

Viel Eigenleistung

Mehr als zwei Jahre nahm sich Philip Bents Zeit für die Umbauten, baute den Opel nach dem Kauf Anfang 2016 zunächst fast vollständig auseinander und versuchte, möglichst viele der geplanten Veränderungen selber zu erledigen. Während der Bauphase kam es dann allerdings zu Verzögerungen. "Ein Bekannter ist beim Rückwärtsfahren in Philips Schrauber-Garage heftig gegen das halbfertige Auto gestoßen, er musste einiges neu machen", berichtet seine Schwester.

"Sein Auto war sein größtes Hobby. Philip hatte es gerade erst fertig gestellt und fünf Wochen gefahren, es standen nur noch Restarbeiten an", berichtet Franziska Bents, und ergänzt: "Sein Ziel war, dass sich alle Menschen nach dem Wagen umdrehen. Der Antara sollte auffallen, um jeden Preis. Das hat er definitiv geschafft", meint die Schwester des Verstorbenen. Die noch fehlenden Details sind inzwischen alle erledigt worden von dem Freundeskreis. 

Erinnerungen an Verstorbenen unbezahlbar

Wie viele Arbeitsstunden der 28-Jährige in die Um- und Anbauten gesteckt und wie viel er für Ersatzteile ausgegeben hat, ist der Gruppe gar nicht bekannt. Angeschafft hatte er das Fahrzeug für rund 13.000 Euro. Die Gruppe schätzt den Wert des Fahrzeugs auf mehr als 20.000 Euro. "Die Erinnerungen, die mit dem Auto zusammenhängen, sind unbezahlbar", sagt Pia Rathenow, die Verlobte von Philip Bents. An einen Verkauf denkt in der Truppe niemand nach, mindestens das ganze Jahr 2019 soll es auf diversen Autotuner-Treffen präsentiert werden. "Wir möchten das Auto bundesweit bekannt machen", verdeutlicht Franziska Bents.

Auch die Heckseite des Opel Antara hatte der Atotuner umfangreich verändert. Foto: Sammlung Bents

Kontakt zu Organisatoren der Essen-Motor-Show

Und dazu könnte auch die Essen-Motor-Show gehören. "Eine Teilnahme dort gilt als Ritterschlag für Autotuner", weiß Steven Kruppa, ein enger Freund des Verstorbenen. Es habe bereits mehrfach Kontakt zu den Organisatoren der größten Messe in Europa für Tuning und Motorsport gegeben. "Wir sind guter Dinge, weil der Antara ein SUV ist und es nicht so viele getunte Fahrzeuge in dieser Fahrzeugklasse gibt", sagt Kruppa. Fürs kommende Jahr ist die Messe vom 29. November bis 8. Dezember 2019 angekündigt.

In einer Garage auf dem ehemaligen Kasernengelände in der Stadt Emden schraubte Philip Bents zwei Jahre lang an seinem Fahrzeug. Vor der Garage haben sich Freunde oder Verwandte eingefunden und halten ein Foto des Verstorbenen in den Händen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Bei großen Tunertreffen in Chemnitz und Oschersleben hat der Kreis das Fahrzeug bereits präsentiert. Auch beim "Papenburger Tuning-Day" im Oktober am Obenende war das Auto zu sehen. "Das Treffen in Chemnitz war für uns das persönliche Highlight der Treffen in diesem Jahr", berichtet Franziska Bents. Eine Wiederholung der Fahrt nach Ostdeutschland ist 2019 definitiv geplant. Alle 19 Mitglieder des Freundes- und Verwandtenkreises empfinden es als eine Herzensangelegenheit, dem Verstorbenen diese Ehre zu erweisen. Zum gemeinsamen Auftritt gehört auch ein einheitliches Erscheinungsbild. Dafür wurden Pullis und T-Shirts mit der Aufschrift "Team Philip - alle für einen" erstellt.

Er hatte sehr viel Humor, schwarzer Humor, aber nicht beleidigend.Jannik Kruse, Kumpel von Philip Bents

Keramik-Versiegelung

Den Winter über ist das Auto eingepackt und in einer Halle untergestellt worden. Die Keramik-Versiegelung, mit der Philip Bents das Fahrzeug hat überziehen lassen von einem Fachbetrieb, würde durch das Streusalz leiden. "Außerdem würde das Auto durch die Tieferlegung schnell zu einem Schneeschieber", scherzt Franziska Bents.

Ein Bild, das der Freundes- und Verwandtenkreis von Philip Bents bei Facebook gepostet hatte. Quelle: Facebook.com/philipsmonstr

Die Erinnerungen an den Verstorbenen sind bei allen noch sehr frisch. "Er hatte sehr viel Humor, schwarzer Humor, aber nicht beleidigend. Er hat immer positiv gedacht, das Glas war immer halbvoll statt halbleer", sagt Jannik Kruse, einer der Freunde von Philip Bents, der seine Leidenschaft für Hip-Hop-Musik teilte und mit dem 28-Jährigen diverse Konzerte und Festivals besuchte. An gemütliche Zusammenkünfte mit Rum, Zigarren und Gegrilltem erinnert sich Danny Bartholomäus, ein weiterer Kumpel des Verstorbenen. "Er war ein Freund, ein echter Freund und ein besonderer Mensch", sagt Bartholomäus. 

Das Patenkind von Philip Bents, Bennet, half gerne beim Waschen des Opel per Hand. Foto: Sammlung Bents

Selbst unter den ganze Kleinen ist die Trauer groß. "Sein Patenkind heißt Bennet. Er liebte Philip abgöttisch, half manchmal beim Waschen des Autos per Hand", berichtet Franziska Bents.

Die Beliebtheit des leidenschaftlichen Autotuners zeigte sich auch bei der Beerdigung auf dem Friedhof der Stadt Norden: Auf rund 300 schätzt Mutter Astrid Skillandat-Bents die Zahl der Gäste. Auch um die letzte Ruhestätte wird sich der 19-köpfige Kreis kümmern. "Auf das Grabmal wird ein Würfel aufgesetzt, der drehbar ist. Auf den vier Seiten sind betende Hände, Zitate von Albrecht Dürer und Gustav Frenssen sowie eine Lackierpistole zu sehen. Der Grabstein wird so einzigartig sein, wie Philip es war", sagt Franziska Bents. 


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