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Testbetrieb ab 25. August Friesenbrücke: Fähre startet am 8. September

Von Gerd Schade


Mitling-Mark Die Anleger an beiden Ufern der Ems sind gebaut, das Schiff ist da. Am Samstag, 8. September 2018, wird die „Friesenfähre“ zwischen Weener und Westoverledingen erstmals ihren Betrieb aufnehmen. Ab dem 25. August soll es einen Testbetrieb geben, den auch schon Passagiere nutzen können.

Das teilte der Geschäftsführer der Schiffsgesellschaft Friesenbrücke, Westoverledingens früherer Bürgermeister Eberhard Lüpkes, am Donnerstag im Anschluss an eine Sitzung der Gesellschafter auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt dieses Ergebnis haben“, sagte Lüpkes. Demnach erfolgt die offizielle Eröffnung am 8. September um 11 Uhr auf Weeneraner Seite.

Noch am Vorabend konnten weder er, noch Jochen Zerrahn von der Papenburger Meyer Werft bei einer Infoveranstaltung für potenzielle Pendler am Mittwochabend in Mitling-Mark ein Datum nennen. Zunächst seien weitere Erprobungen sowie Schulungen der Schiffsführer notwendig, hieß es da.

Schiffsführer werden geschult

Rund 100 Menschen hatten sich an dem neuen Fähranleger auf Westoverledinger Seite eingefunden. Dort stellten sich Lüpkes und Zerrahn ihren Fragen. Die entscheidende, wann es denn nun endlich losgehe, blieb jedoch unbeantwortet. Lüpkes verwies auf die Sitzung der Schiffsgesellschaft. „Das ist unglücklich, geht aber leider nicht anders“, sagte Lüpkes.

In den nächsten Tagen würden die Schiffsführer geschult. Dass es insgesamt so lange dauere, bis die Fähre ihren Betrieb als Ersatz für die bei einer Frachterkollision im Dezember 2015 zerstörte Friesenbrücke aufnehmen könne, liegt nach den Worten des Geschäftsführers an den Behörden und ihren Vorschriften. „Wir leben in Deutschland“, sagte Lüpkes. Da wolle jede Behörde, dass ihre Vorschrift „bis ins Letzte beachtet“ werde. Das sei auch legitim, dauere dann aber eben auch entsprechend lange. Lüpkes betonte ausdrücklich, dass das Projekt von den beteiligten Ämtern große Unterstützung erfahren habe.

Mehr als eine Million Euro investiert

Das gelte gleichermaßen für die Meyer Werft und die Papenburger Firma Schulte & Bruns. Beide würden sämtliche Kosten für den Bau der Anleger und des Schiffs übernehmen – insgesamt mehr als eine Million Euro, wie Zerrahn auf Nachfrage unserer Redaktion sagte. „Das ist ein Geschenk“, fügte Lüpkes hinzu. Betrieben wird die Fähre von den Kommunen Westoverledingen und Weener. Das Schiff liegt derzeit bei Schulte & Bruns.

Dass sich der Fähranleger auf Westoverledinger Seite nicht näher an der zerstörten Friesenbrücke, die bis 2024 neu gebaut werden soll, beziehungsweise auf der Höhe Weeners errichtet wurde, hat Zerrahn zufolge naturschutzrechtliche Gründe. Dadurch ist die Überfahrt 2,1 Kilometer lang. Pro Passage dürfen acht Menschen mit Fahrrädern übersetzen, ohne Drahtesel zwölf. Der Anleger in Mitling-Mark liegt etwa in der Nähe der Gaststätte Fährhaus, der in Weener im Vorhafen vor der Schleuse. Lüpkes taxierte die Fahrzeit auf 15 Minuten, die Zeit am Anleger bezifferte auf jeweils zehn Minuten. „Wir hoffen aber, dass wir schneller sind“, setzt der Geschäftsführer auf eine erfolgreiche Testphase.

Mehrere Einschränkungen

Lüpkes machte aber auch keinen Hehl daraus, dass der gesamte Fährbetrieb mit Einschränkungen verbunden ist. Neben der Passagierzahl zählte er dazu, dass die Fähre nicht winterfest ist und deshalb nur zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober verkehren dürfe. Außerdem sei der Betrieb tideabhängig. Das bedeute, dass sie bei Niedrigwasser bis zur vier Stunden nicht fahren kann. Überdies darf sie nur bei Tageslicht betrieben werden. Trostpflaster: Zumindest in diesem Jahr müssen Fahrgäste für die Passage nicht zahlen. Lüpkes wünscht sich, dass das auch danach so bleibt.

Anwohner skeptisch

Mehrere Besucher der Infoveranstaltung zeigten sich dennoch skeptisch. Sie fragten, wie denn sichergestellt sei, dass man nach einer Hinfahrt auch zurückkomme, wenn maximal zwölf Menschen pro Passage Platz finden und der Betrieb wegen Niedrigwassers oder Dunkelheit eingestellt werden müsse. Für Arbeitspendler sei das zu riskant. „Das macht doch kein Chef mit. Die Fähre ist also nur etwas für Touristen“, rief einer. Ein anderer regte Reservierungsmöglichkeiten an. Zudem wurden Forderungen nach Schutzhütten für Wartende und Toiletten vorgebracht. Für die Passage von Rollstuhlfahrern gebe es keine Genehmigung, antwortete Zerrahn auf die entsprechende Frage aus dem Auditorium.

Lüpkes machte deutlich, dass die Fähre nur eine Übergangslösung bis zur Wiederherstellung der Brücke sei. „Wir brauchen die Brücke dringender denn je“, sagte er.


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