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Serie: Kathi traut sich – Teil 4 Mit Baumkletterer aus Westoverledingen eine Blutbuche pflegen

Von Katharina Preuth

Baumkletterer Arne Mertens gibt Katharina Preuth eine Sicherheitsunterweisung bevor es los geht. Foto: Tim RundenBaumkletterer Arne Mertens gibt Katharina Preuth eine Sicherheitsunterweisung bevor es los geht. Foto: Tim Runden

Westoverledingen/Bunderhee. In der Serie „Kathi traut sich“ geht EZ-Volontärin Katharina Preuth über ihre Grenzen. Heute klettert sie mit Baumpfleger Arne Mertens aus Westoverledingen in eine Blutbuche, im Gepäck hat sie eine japanische Handsäge.

In einem Klettergeschirr und an einem Seil hänge ich auf halbem Weg zur Baumkrone fest. Für mich geht es hier erstmal nicht weiter. Die wenigen Meter den Stamm hinauf haben schon so viel Kraft gekostet, dass ich eine Pause benötige. Der Aufstieg mit Hilfe eines Seiles, an das ich mich mit einem Handlauf hinaufgedrückt habe, hatte es schon jetzt in sich. 



Alleine das Ausprobieren und Verstehen der Sicherung hat ihren Tribut gefordert. Während ich noch irgendwo am unteren Stamm hänge und nach Luft schnappe, ist Arne Mertens bereits an mir vorbeigeklettert. In der Krone der Buche, verdeckt von Zweigen und Blättern, hantiert er mit den vielen Seilen, die von oben herunterhängen. "Normalerweise bin ich alleine im Baum, zu zweit ist es komplizierter", erklärt er. 


Um die Bäume zu pflegen, klettert Arne Mertens in die Kronen. Foto: Katharina Preuth


Nach einer gefühlten Ewigkeit raffe ich mich auf und schaffe irgendwie den weiteren Aufstieg. An der untersten Astgabel mache ich es mir gemütlich. Schon hier zittern meine Beine, und das nur teilweise von der Anstrengung des Kletterns. Die Höhe macht mir ebenfalls zu schaffen. 


Normalerweise bin ich alleine im Baum, zu zweit ist es komplizierterArne Mertens, Baumkletterer


Doch soll nicht das Besteigen eines Baumes im Vordergrund stehen, sondern dessen Pflege. Mertens erzählt, dass er die Äste des wuchtigen Baumes, die auf das nahe gelegene Wohnhaus reichen, entfernen wird. Dafür muss er sich vom sicheren dicken Stamm entfernen und auf sehr viel dünneren Ästen balancieren. Der Ankerpunkt des Seiles sollte sich dabei über ihm befinden. So spaziert er nicht einfach im Baum herum, sondern muss immer wieder das Seil umlegen. Auch diese Arbeit kostet Kraft. 


Die Äste der Blutbuche reichen bis auf das Dach des Wohnhauses. Hier ist die Arbeit von Baumkletterern erforderlich. Foto: Katharina Preuth


Nur ungern verlasse ich den dicken Ast, auf dem ich schon eine Weile stehe, während Mertens den nächsten Schritt vorbereitet. Doch irgendwann ist er mit dem Absichern fertig und ich soll tatsächlich mit einer japanischen Handsäge einen Ast entfernen, der sich locker drei Meter vom Stamm entfernt befindet. Ein unmögliches Unterfangen für mich. Keine Ahnung, wie ich da hingelangen soll. "Du bist die ganze Zeit gesichert", versichert mir der erfahrene Baumkletterer. 

Schweiß bricht aus

Langsam bewege ich mich mich auf dem immer dünner werdenden Ast, der trotz des Seiles an dem ich hänge und das etwas von meinem Gewicht auffängt, sich bei jedem Schritt weiter nach unten biegt. In geschätzten zehn Metern Höhe bricht mir der Schweiß aus. Während ich noch nach der richtigen Position suche, um den von Mertens ausgewählten Ast zu entfernen, erklärt er mir das Geheimnis der Baumpflege. Der Trick bestünde nämlich darin, dass der Baum am Ende nicht beschnitten aussehe und dennoch die störenden und toten Äste entfernt würden. Anders als die Garten- und Landschaftsbauer würde er sich das ganze Jahr hindurch nur mit Bäumen beschäftigen. 


Mit einer japanischen Handsäge werden die Äste der Buche entfernt. Foto: Arne Mertens


Ich habe derweil die Säge in der Hand und mache mich an dem ersten Ast des Tages zu schaffen. Nach ein paar vor- und Rückwärtsbewegungen ist er durch. Beim Verstauen der Säge passiert es dann aber: in einem kurzen unaufmerksamer Moment ritze ich mir mit dem Werkzeug in den Arm. Dafür, dass die Säge wirklich scharf ist, habe ich aber Glück und nur eine klitzekleine Wunde. Mir reicht es aber für heute. 

Doch bevor ich wieder auf dem Boden lande und mich aus dem Klettergeschirr befreien darf, zeigt mir Mertens wie sicher Seil und System sind. Mitten in der Luft dreht er mich, nach kurzer Vorwarnung, auf den Kopf. Da ich mit demselben nicht auf dem Boden aufgeknallt bin, scheint alles zu halten. Gut zu wissen.


Die Arbeit eines Baumkletteres ist schweißtreibend und Kräfte zerrend. Foto: Tim Runden


Für mich steht danach nur noch der Rückweg an, Arne Mertens hingegen muss nochmal hoch in die Buche und seine schweißtreibende und kräftezehrende Arbeit zu Ende bringen.


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