Bürgermeister Theo Douwes im Interview Das brennt den Westoverledingern unter den Nägeln

Von Gerd Schade


Westoverledingen. Neubau der Friesenbrücke, Tidepolder Coldemüntje und Ringen um den Bahnhaltepunkt Ihrhove: In Westoverledingen ballen sich aus der Sicht von Bürgermeister Theo Douwes in den kommenden Jahren die Großprojekte. Was den Bürgern außerdem unter den Nägeln brennt und wie er selbst im Sommer auch mal abschalten kann, verrät Douwes im Interview mit unserer Redaktion.

Herr Douwes, wobei können Sie in der Sommerurlaubszeit am besten abschalten?

Am besten schalte ich ab, wenn ich das Smartphone zur Seite legen kann und mich in ein gutes Buch vertiefe – gern eines zur ostfriesischen Geschichte.

Was steht nach der politischen Sommerpause bei Ihnen als Erstes an?

Eigentlich steht auch im Sommer die Politik nicht still. Bei den großen Themen Bahnhaltepunkt, Friesenbrücke,EmsfähreEmsfähre oder dem Tidepolder Coldemüntje muss man immer am Ball bleiben. Auf jeden Fall arbeiten wir auch wieder mit Feuereifer auf den Start des Kindergarten- und Krippenjahres am 1. August hin.

Stichwort Bad Meingarten: Welche Naherholungsziele in Ihrer Gemeinde schätzen Sie besonders?

Am liebsten ist mir alles, was ich mit dem Fahrrad erkunden kann. Besonders schätze ich es entlang der Ems zu radeln und gelegentlich auf einer Bank mit Blick auf das Wasser die Seele baumeln zu lassen.

Mit mehr als 20000 Einwohnern ist Westoverledingen immerhin die siebtgrößte Gemeinde in Ostfriesland. Allerdings verteilen sich die Einwohner auf ungefähr 112 Quadratkilometer, ist also dünn besiedelt. Wie gut kennen Sie jeden Winkel in Westoverledingen?

Ziemlich gut. Als Bürgermeister kommt man viel rum und lernt viele Menschen kennen. Aber auch in meiner Zeit als Pressesprecher war ich viel in der Gemeinde unterwegs. Weil mich die Geschichte der Gemeinde schon lange interessiert, habe ich zu vielen Orten auch alte Bilder im Kopf.

Sie bieten regelmäßig Bürgermeister-vor-Ort-Gespräche an. Welche Themen brennen den Westoverledingern besonders unter den Nägeln?

Das ist ganz unterschiedlich. Gerade in den Deichdörfern brennen die großen Themen unter den Nägeln, wie die Planung der Friesenbrücke oder der Tidepolder Coldemüntje. Aber auch der Neubau der Ledabrücke und die zu erwartenden Rückstaus bereiten vielen Menschen Sorge. Viele bringen dann den Bahnhaltepunkt in Ihrhove ins Spiel. Wenn die Westfalenbahn auch in Ihrhove halten würde, könnte die B 70 entlastet werden. Oft sprechen wir auch über ortsspezifische Themen wie Baugebiete, den Zustand der Straßen oder die Kindertagesstätten und Grundschulen.

Apropos Baugebiete: Bauplätze in den südlichen Gemeindeteilen Völlen, Völlenerfehn und Völlenerkönigsfehn sind auch bei Papenburgern stark nachgefragt, nicht zuletzt aufgrund der im Vergleich zur Stadt günstigeren Grundstückspreise. Wie groß ist vor allem dort der Druck nach weiterem Bauland?

Wir haben immer wieder Nachfragen besonders von jungen Familien aus dem Emsland. Der Druck ist aber nicht größer als in den anderen Ortsteilen. Für mich spielt da die innerörtliche Verdichtung eine wichtige Rolle. Die großen Baugebiete bergen immer die Gefahr, ein Dorf im Dorf zu werden. Bei einer funktionieren Siedlungsstruktur kommt es immer auf die Mischung an.

Wie bewerten Sie den aktuellen Planungsstand für den Wiederaufbau der zerstörten Friesenbrücke?

Die Planungen, die die Bahn vor Kurzem im Rathaussaal in Ihrhove vorgestellt hat, waren aus meiner Sicht schlüssig. Jetzt geht es darum, sie möglichst zügig umzusetzen und die Belastungen für Anwohner – insbesondere direkt am Deich – gering zu halten.

Was sagen Sie dazu, dass die Emsfähre immer noch nicht fährt?

Ich gehe davon aus, dass die Fähre demnächst auf der Ems unterwegs sein wird. Derzeit werden die entsprechenden Marketingmaßnahmen geplant, damit der Betrieb starten kann und sich Einheimische und Touristen zurechtfinden.

Wie geht aus Ihrer Sicht die Umsetzung des Masterplans Ems 2050 voran?

Grundsätzlich war von Anfang an klar, dass die Umsetzung kein Spaziergang werden würde. Den Hut hat dabei ganz klar das Land auf. Die Gemeinde Westoverledingen ist nur am Projekt Coldemüntje beteiligt. Und selbst da nur am Rande. Wir setzen uns dafür ein, dass die Belastungen durch den Transport von Aushub nicht zu groß für die Bürger werden.

Welche besonderen Herausforderungen bedeutet die Umsetzung für Westoverledingen?

Bei uns ballen sich in den nächsten Jahren die Großprojekte – mit dem entsprechenden Baustellen- und Anlieferungsverkehr. Die Menschen in Hilkenborg werden vom Tidepolder Coldemüntje und der Friesenbrücke fast in die Zange genommen. Außerdem laufen wichtige touristische Radrouten da entlang. Deshalb müssen die Projekte möglichst schonend umgesetzt werden.

Sie sind seit dem 1. November 2016 hauptamtlicher Bürgermeister in Westoverledingen. Was hat Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit besonders geprägt?

Ich hoffe, dass das Amt mich nicht verändert hat. Zuzuhören und mit den Bürgern offene Gespräche zu führen, ist für mich die beste Strategie geblieben. Und so soll es auch bleiben.