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Nach Tod des Hausarztes Dr. Behrendt Patienten in Ihrhove kommen nicht an ihre Akten

Von Daniel Gonzalez-Tepper

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Ihrhove. Nach dem plötzlichen Tod des Hausarztes Dr. Wolf-Rüdiger Behrendt kommen dessen Patienten nicht an ihre Akten. Ein Schild an der Eingangstüre informiert darüber, dass „die Erben das Erbe ausgeschlagen haben“.

Behrendt war am 12. Juni im Alter von 66 Jahren verstorben, darüber hatte das Praxisteam über das soziale Netzwerk Facebook die Patienten informiert. „Es lässt sich nicht in Worte fassen, einen so tollen Menschen, Arzt und Chef zu verlieren. Für uns war er mehr als nur ein Chef, wir werden ihn sehr vermissen“, heißt es in der Mitteilung, in der auch darüber informiert wird, dass die Praxis bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Behrendt war nach Angaben der Internetseite der Praxis seit dem 1. Juli 2014 in der ostfriesischen Gemeinde tätig, er war nach dem Studium in Bochum seit 1988 als Hausarzt tätig.

Praxis auch telefonisch nicht erreichbar

Für die vergangene Woche hatten die Mitarbeiterinnen zunächst angekündigt, an drei Tagen vormittags Termine anzubieten, an denen Patienten ihre ärztlichen Unterlagen abholen können. Diese Ankündigung wurde dann jedoch kurzfristig widerrufen, seit Dienstag, 19. Juni, sind die Praxisräume an der Großwolder Straße 46 in Ihrhove verwaist. Wer in der Praxis anruft, bekommt vom Anrufbeantworter gesagt: „Bitte rufen Sie später noch einmal an.“

Die Praxis bleibe „bis auf Weiteres geschlossen“, heißt es auf einem Schild, das an der Eingangstüre zur Praxis aufgehängt wurde. Und weiter: „Weil die Erben das Erbe ausgeschlagen haben, dürfen wir bis auf Weiteres nichts in der Praxis tun. Wir bitten Sie, Ihre Unterlagen direkt beim Facharzt anzufordern.“

Kein Kontakt zu Angestellten oder Erben

Ob das Schild von Mitarbeitern der Praxis aufgehängt wurde oder einer anderen, dem Arzt nahestehenden Person, weiß Klaas Hinrichs, Geschäftsführer der zuständigen Bezirksstelle Aurich der Ärztekammer Niedersachsen nicht. „Es gibt weder Kontakt zu den Arzthelferinnen, noch zu den Erben und auch nicht zum Vermieter“, sagt Hinrichs, für den die Situation ebenfalls ungewohnt ist. „So einen Fall hatten wir noch nicht. Üblicherweise wird eine Praxis vor dem Tod übergeben oder geschlossen oder es ist zumindest das Erbe geregelt.“ Dass die Patientenakten zum Erbe dazugehören, sei richtig. „Sie sind wesentlicher Bestandteil einer Praxis und stellen beispielsweise bei einem Verkauf einer Arztpraxis einen Wert dar“, erklärt Hinrichs.

Das Nachlassgericht muss nun festlegen, wem die Praxis beziehungsweise die Akten überhaupt gehören, erklärt Stephanie Aue, Pressesprecherin bei der Ärztekammer (ÄKN) Niedersachsen in Hannover. „Wenn das Nachlassgericht festgestellt hat, dass nur das Land Niedersachsen Erbe ist, übernimmt die ÄKN die Aktenaufbewahrung, wenn die behandelnde Person verstorben und Mitglied der ÄKN gewesen ist.“ Letzteres war bei Behrendt der Fall. Solange die Prüfung des Nachlassgerichtes andauere, können die Patienten nicht auf Ihre Unterlagen zugreifen, so Aue. Wie lange diese Prüfung dauern wird, konnten weder Hinrichs noch Aue einschätzen.

Acht Hausarztpraxen in Westoverledingen

Den Patienten von Dr. Behrendt bleibt nichts anderes übrig, als sich an die verbliebenen acht Hausarztpraxen in der Gemeinde Westoverledingen zu wenden. Davon gibt es nach Auskunft von Gemeindesprecherin Nina Lenger vier in Ihrhove (zwei Mal Hennig, Remy, Nazari) und je zwei in Flachsmeer (Strnad, Mijatovic) und Völlenerfehn (Nica, Dittmar). „Patienten mit akuten Beschwerden, die bislang bei Dr. Behrendt in Behandlung waren, können sich an die anderen Ärzte in der Gemeinde wenden.“ Lenger verweist auch auf das vor einigen Jahren in Ihrhove errichtete Ärztehaus. „Dadurch hat sich die Situation im Grundzentrum Ihrhove stabilisiert“, so die Sprecherin.

Betroffene Patienten können sich an die Ärztekammer in Aurich wenden. Die ist telefonisch erreichbar unter 04941/605130.


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