Trotz Zweifel des Landkreises Leer Dobermann aus Hesel wird vorerst nicht eingeschläfert

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Der Dobermann, der Mitte April eine 52-Jährige durch Bisse an mehreren Stellen des Körpers schwer verletzt hat, wird nicht eingeschläfert – vorerst zumindest. Symbolfoto: Hendrik Schmidt/dpaDer Dobermann, der Mitte April eine 52-Jährige durch Bisse an mehreren Stellen des Körpers schwer verletzt hat, wird nicht eingeschläfert – vorerst zumindest. Symbolfoto: Hendrik Schmidt/dpa

Leer. Der Dobermann, der Mitte April eine 52-Jährige lebensgefährlich verletzt hat, wird vorerst nicht eingeschläfert. Das hat das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium auf Grundlage von zwei Gutachten empfohlen. Der Landkreis Leer hat nach eigenen Angaben „erhebliche Zweifel“ an den Empfehlungen.

Wie berichtet, hatte am 16. April 2018 ein Dobermann eine Frau aus Westoverledingen mit einer Beißattacke schwer verletzt, eine Notoperation rettete letztlich das Leben der 52-Jährigen.

Der Landkreis hatte nach dem Vorfall auf Anraten des Niedersächsisches Landwirtschaftsministeriums, also der Fachaufsicht, einen Sachverständigen eingeschaltet. „Er hat den sichergestellten und für gefährlich erklärten Hund einen Tag nach dem Vorfall begutachtet“, teilte der Landkreis am Montag mit. Der Hund habe dabei „kein gestört aggressives Verhalten“ gezeigt. Am Folgetag fand zudem ein Wesenstest bei der Tierärztlichen Hochschule in Hannover statt – mit dem gleichen Ergebnis wie beim ersten Test.

Landkreis nicht glücklich über Empfehlungen

Der Landkreis macht in einer Stellungnahme jedoch deutlich, dass er mit den Empfehlungen der Gutachter und des Ministeriums nicht glücklich ist. Unter anderem habe die Fachaufsicht gefordert, vor der Entscheidung über eine Tötung des Hundes die Möglichkeit einer Haltung des Dobermanns unter sehr hohen Sicherheitsanforderungen zu prüfen, heißt es. „Diese sehr strengen Haltungsbedingungen müssten zudem auf Lebenszeit des Hundes gewährleistet werden können. Der Landkreis hat nach wie vor erhebliche Zweifel, dass dies gewährleistet werden kann, sieht sich aber derzeit durch die Aussagen des Gutachters und des Ministeriums gehindert, den Hund einschläfern zu lassen“, teilte der Kreis mit.

Auch die Forderung, das „Territorialverhalten“ des Hundes auf dem Grundstück der bisherigen Halterin in Hesel durch ein „Nachspielen“ der Situation zu testen, kritisiert der Landkreis. „Dieser Ansatz mag theoretisch richtig sein, praktisch wäre dies den Beteiligten nicht zumutbar und zu verantworten gewesen“, heißt es. Und auch die Forderung, den Dobermann so zu halten, dass eine Kontaktaufnahme mit fremden Menschen in seiner vertrauten Umgebung nicht möglich sei, ist nach Auffassung des Landkreises Leer „kaum zu realisieren, weil menschliches Versagen nie ausgeschlossen werden kann“.

Hund bleibt in Gewahrsam

Wie es nun weiter geht, ist unklar. Beide Gutachter haben nicht die Frage beantwortet, ob ein Einschläfern aus Gründen der Gefahrenabwehr tierschutzrechtlich zulässig ist, so der Kreis. Eine Tötung ohne vernünftigen Grund würde eine Straftat darstellen. Vorerst bleibt der Dobermann „an einem sicheren Ort in Gewahrsam“, teilte Kreissprecher Jens Stöter auf Nachfrage mit.


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