Tidesteuerung, Polder und Vogelschutz Landesbeauftragter erläutert Projekte zum Masterplan Ems

Von Holger Szyska

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Der Landesbeauftragte Franz-Josef Sickelmann (links) erläuterte in Jemgum die “Masterplan„-Projekte. Zu den rund 30 Teilnehmern der Veranstaltung zählte der ehemalige niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner. Foto: Holger SzyskaDer Landesbeauftragte Franz-Josef Sickelmann (links) erläuterte in Jemgum die “Masterplan„-Projekte. Zu den rund 30 Teilnehmern der Veranstaltung zählte der ehemalige niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner. Foto: Holger Szyska

Jemgum. Auf Einladung der FDP informierten sich in Jemgum rund 30 Teilnehmer über die Maßnahmen des „Masterplan Ems 2050“, die zum Ziel haben, die Ökonomie an der Ems zu schützen und die Ökologie zu verbessern.

Zum Abschluss der Veranstaltung im Vereinsheim des SV Ems Jemgum wurde Franz-Josef Sickelmann am Dienstagabend grundsätzlich. „Ich glaube nicht, dass alles besser werden würde, wenn die Meyer Werft weg wäre“, sagte der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung Weser-Ems. Er habe „noch keine besseren Lösungsansätze gehört„ als die Tidesteuerung durch das Emssperrwerk.“

Ein besserer Vorschlag wäre eine Schleuse, entgegnete der FDP-Kreistagsabgeordnete Arnold Venema aus Jemgumgeise. Dass alte Diskussionen damit neu geführt wurden, hielt Stefan Birkner für unausweichlich. „Durch den Masterplan werden die Diskussionen nicht beendet“, sagte der Chef der FDP-Landtagsfraktion und ehemalige niedersächsische Umweltminister. „Es wird immer wieder ein Rechtfertigungszwang da sein.“

Zusammen mit Dirk Post und Helmut Dieckschäfer vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erläuterte Sickelmann den aktuellen Stand des „“Masterplan Ems 2050“ - von der Tidesteuerung über die Tidepolder und den Rückbau von Sommerdeichen bis hin zum Schutz der Wiesenvögel.

Tidesteuerung

„Das Jahr 2022 ist das Arbeitsziel für den Start“, sagte Dirk Post. Der NLWKN stellt derzeit die Planunterlagen für die „Schlickbremse“ zusammen. Voraussichtlich im Herbst werde eine öffentliche Erörterung stattfinden, der Antrag im Laufe des Jahres 2019 gestellt, kündigte Sickelmann an. Die Idee: Der Flutstrom der Ems soll durch die teilweise Schließung der Sperrwerk-Tore abgebremst werden. Aber werden die Häfen in Ditzum und Petkum im Gegenzug stärker verschlicken? Doch Dirk Post sieht eher Auswirkungen auf das Emder Fahrwasser: „Dort wird sich möglicherweise mehr Schlick ablagern. Dort ist er aber viel einfacher und billiger zu entnehmen.“ Und die geplante Außenems-Vertiefung? Wird die kontraproduktiv für den „Masterplan“ sein? Dirk Post ließ erahnen, dass diese Sorge begründet sein könnte: „Jede Vertiefung ist physikalisch keine Verbesserung der Situation.“ Man müsse aber laufende Berechnungen abwarten.

Für das Projekt sind Investitionen von bis zu 45 Millionen Euro nötig, erklärte Sickelmann, dass für die Tidesteuerung unter anderem die Flusssohle oberhalb und unterhalb des Sperrwerks befestigt werden muss. Bund und Land verhandeln über eine Kostenteilung. An Landesmitteln stünden für Masterplan-Projekte bis 2019 aktuell 22 Millionen Euro zur Verfügung. Auf Nachfrage betonte Sickelmann: „Der Masterplan ist sehr wahrscheinlich günstiger als Strafzahlungen an die Europäische Union.“

Tidepolder Coldemüntje

Ende dieses Monats will der NLWKN beim Landkreis Leer die Planunterlagen für den Tidepolder in Westoverledingen einreichen, sagte Dieckschäfer. Anvisiert werde ein Baubeginn im März 2019 und eine Inbetriebnahme im Jahr 2020. Um den Lkw-Verkehr zu minimieren, werde der Aushub von 340.000 Kubikmetern großteils in dem Gebiet verbleiben. 145.000 Kubikmeter sind demnach für die Eindeichung des Polders mit drei Aussichtspunkten eingeplant. 115.000 Kubikmeter sollen vor Ort auf einer drei Hektar großen Fläche für maximal zehn Jahre zwischengelagert und dann für den Deichbau im Leda-Jümme-Gebiet benutzt werden. Das Aushub-Depot werde zirka sechseinhalb Meter hoch, so Dieckschäfer. Die restlichen 80.000 Kubikmeter sollen ab März 2019 die Berme vor dem Hauptdeich in Coldemüntje verstärken. Diese ohnehin vorgesehene Maßnahme werde daher vorgezogen, erklärte Sickelmann.

Tidepolder Weener

Wie berichtet, war in einer Machbarkeitsstudie vor der „hydrochemischen“ Belastung des Grundwassers im Einzugsbereich des Wasserwerks gewarnt worden, sollte Emswasser in das Gebiet im Süderhammrich eingeleitet werden. Statt eines Tidepolders ist daher ein Süßwasserpolder vorgesehen, der allein durch Regen gespeist und nicht in unmittelbarem Kontakt zur Ems stehen soll. Die Planer halten sich die Option offen, den Polder später im Falle einer verbesserten Wasserqualität der Ems für die Tide zu öffnen.

Schutz von Wiesenvögeln

Weil Lebensräume von Wiesenvögeln in Flussnähe durch einige “Masterplan„-Projekte gefährdet werden, hat das Land in den Kreisen Aurich und Emsland bisher zirka 78 Hektar Flächen im Binnenland erworben.


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