Erste Schritte angelaufen Masterplan soll Ems retten – ersten Schritten folgt neue Kritik

Von dpa

Drei Jahre nach dem Startschuss für den Masterplan Ems 2050 sind erste konkrete Schritte angelaufen. Foto: dpaDrei Jahre nach dem Startschuss für den Masterplan Ems 2050 sind erste konkrete Schritte angelaufen. Foto: dpa

Leer/Hannover. Zuviel Schlick, Salz und Stickstoff, zu wenig Sauerstoff: Der Ems geht es auch drei Jahre nach dem Beschluss für einen Rettungsplan schlecht. Das Großprojekt, das bis zum Jahr 2050 greifen soll, kommt jedoch langsam in Fahrt. Aber es gibt neue Kritik.

Drei Jahre nach dem Startschuss für den Masterplan Ems 2050 sind erste konkrete Schritte angelaufen. Hauptziele des Großprojektes sind Maßnahmen, um den ökologischen Zustand des angeschlagenen Flusses zu verbessern. Ein Kernstück zur Renaturierung ist der Bau eines Tidepolders bei Coldemüntje in der Gemeinde Westoverledingen. Ende April will der Landesbetrieb NLWKN die Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim Landkreis Leer einreichen.

Massive Ausbaggerungen

Die Ems leidet seit Jahrzehnten unter massiver Verschlickung und Sauerstoffmangel und transportiert zuviel Salz und Stickstoff. Naturschützer sehen als Hauptursache die massiven Ausbaggerungen des Flusses. Davon profitiert vor allem die Papenburger Meyer Werft, die jährlich neue Kreuzfahrtschiffe über den schmalen Fluss an die Nordsee überführt.

Im Frühjahr 2015 hatten sich der Bund, das Land Niedersachsen, die Landkreise Emsland und Leer, die Stadt Emden sowie drei Umweltverbände und die Papenburger Meyer Werft für das Masterplan-Projekt zusammen geschlossen. Ziel ist der Ausgleich zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen an der Ems als Lebensader der regionalen Wirtschaft. Lokale Naturschützer bezweifeln jedoch den Nutzen des in der Region umstrittenen Vertrages.

Ersatz für verlorene Lebensräume

Mit dem Baustart für den Tidepolder werde Anfang 2019 gerechnet, sagte ein Sprecher beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg. Das neue Biotop ist als Ersatz für verloren gegangene Lebensräume an der Ems konzipiert. Auf einer 30 Hektar großen Fläche sollen Ebbe und Flut so einwirken, dass sich Flachwasserzonen, Schlickwatten und eine von Gezeiten geprägte Flora und Fauna bilden können.

Für den Bau des Polders müssen allerdings rund 340.000 Kubikmeter Baggergut abtransportiert werden. Das sorgt für Unmut bei Anwohnern: Sie befürchten starken Lkw-Verkehr in den Dörfern und wollen den Aushub lieber mit Frachtschiffen wegbringen lassen. Abhilfe soll jetzt erstmal ein Zwischenlager für Klei (entwässerter Schlick) schaffen, der später für den Deich- und Wegebau verwendet werden kann. Die Kosten von rund sieben Millionen Euro trägt das Land.

Weitaus höhere Kosten werden für Umbauten beim Emssperrwerk in Gandersum als Schlickbremse kalkuliert. Als geschätzte Kosten hatte Europaministerin Birgit Honé (SPD) kürzlich 46 Millionen Euro angegeben. Der Aufwand könnte sich bezahlt machen, wenn das Sperrwerk zur „flexiblen Tidesteuerung“ eingesetzt wird und dadurch die ständigen Baggerkosten reduziert werden können. Sie liegen bei durchschnittlich 25 Millionen Euro im Jahr.

Flexible Tidesteuerung ab 2022

„Mit diesem zentralen Projekt zur Verbesserung der Wasserqualität sind wir der Zeit voraus“, sagte jetzt Staatssekretärin Jutta Kremer der Deutschen Presse-Agentur. Die „flexible Tidesteuerung“ mit den Toren des Sperrwerks und Verstärkungen an der Sohle im Flussbett werde bereits früher in Angriff genommen als im Masterplan-Vertrag vorgesehen. Der Start soll 2022 erfolgen.

Als besonderen Erfolg sieht Kremer auch die bisher konfliktfreie Flächenbeschaffung für den Vogelschutz. Das für 2025 erfolgte Etappenziel von 78 Hektar werde schon in diesem Jahr erreicht, sagte die Staatssekretärin.

Neue Kritik an einer weiteren Baustelle an dem Fluss kommt jetzt aber von zehn Umweltverbänden aus Deutschland und den Niederlanden. Das Bündnis wendet sich gegen eine anstehende Emsvertiefung auf einer Strecke von 35 Kilometern Länge. Das würde die geplanten millionenschweren Rettungsmaßnahmen zunichte machen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Masterplan Ems 2050 solle der Ems helfen, sich zu regenerieren. Ein weiterer Ausbau der Fahrrinne wäre dabei absolut kontraproduktiv, heißt es in dem Manifest.