Traditionswerft Cassens vor dem Ende Enercon-Zulieferer in Emden schließt – 82 Jobs betroffen

Von dpa

Die Emder Traditionswerft Cassens und das Schwester-Unternehmen Maschinen- und Anlagenbau Nautilus stehen vor dem Aus. Grund ist der Verlust eines Auftrages des Windkraftanlagenherstellers Enercon in Aurich. Symbolfoto: dpaDie Emder Traditionswerft Cassens und das Schwester-Unternehmen Maschinen- und Anlagenbau Nautilus stehen vor dem Aus. Grund ist der Verlust eines Auftrages des Windkraftanlagenherstellers Enercon in Aurich. Symbolfoto: dpa

Emden. Neuer Schlag für den Werftenstandort Emden: Nach dem Niedergang der ehemaligen Nordseewerke und der unklaren Entwicklung bei Marineaufträgen für TKMS steht nun die Traditionswerft Cassens vor dem Ende.

In den nächsten Tagen wolle man sich mit dem Betriebsrat über das weitere Vorgehen beraten, sagte am Dienstag der Emder IG-Metall-Chef Michael Hehemann zu Berichten der „Emder Zeitung“ und der „Ostfriesen-Zeitung“. Die 82 Beschäftigten sollen zum 30. Juni ihre Jobs verlieren. Grund ist der Verlust eines Auftrages des Windkraftanlagenherstellers Enercon in Aurich.

Cassens war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die 1875 gegründete Werft hatte 2003 Insolvenz angemeldet. 2010 machte sie nach der Neugründung mit dem Bau des Frachtschiffs „E-Ship 1“ mit einem innovativen Antriebs Schlagzeilen. 2016 zog sich Cassens aus dem Schiffbau zurück und fertigte Komponenten von Windkraftanlagen für Enercon.

Enercon einziger Nautilus-Auftraggeber

Enercon ist den Berichten zufolge der einzige Auftraggeber des Schwesterunternehmens Nautilus. Nautilus fertigt für Enercon Aluminiumverkleidungen und Stahlkomponenten für Windenergieanlagen. Aufgrund der rapide nachlassenden Nachfrage auf dem Heimatmarkt und eines Werkstoffwechsels von Aluminium zu glasfaserverstärktem Kunststoff seien keine weiteren Aufträge an Nautilus gegeben worden, sagte ein Enercon-Sprecher. Verstärkt werde dieser Trend durch die Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Danach habe die Umstellung des Vergütungssystems auf Ausschreibungen zu einem massiven Nachfrageeinbruch im Inland geführt.

Als bisheriger Auftraggeber bedaure Enercon, dass Bemühungen um Alternativaufträge erfolglos geblieben und eine Schließung unvermeidlich seien, sagte der Sprecher. Er wies Aussagen der Gewerkschaft zurück, wonach die Enercon GmbH Gesellschafterin von Cassens oder Nautilus sei. Daher könne Enercon nicht über die Investitionsplanung der wirtschaftlich und rechtlich eigenständigen Unternehmen entscheiden. IG-Metall-Chef Hehemann sagte dagegen, Enercon sei über eine niederländische Tochter mit der Werft verbunden.

„Situation sehr angespannt“

Für die von Kündigung betroffenen Arbeitnehmer sei der Arbeitsmarkt schwierig, sagte Hehemann: „Die Situation in der Region ist sehr angespannt.“ Zuletzt hatte dort im Februar die Unsicherheit über einen Milliardenauftrag zum Bau von Marineschiffen Sorgen ausgelöst. Die Werften Lürssen und ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) waren von dem Bauprojekt Mehrzweckkampfschiff MKS 180 ausgeschlossen worden. Der Thyssen-Krupp-Konzern hatte zuvor angekündigt, die geplante Schließung der Emder TKMS-Niederlassung mit 220 Mitarbeitern für drei Jahre auszusetzen.