Vor Max-Moritz-Übernahme Schwarte: „Wir glauben, dass wir gut zu Ostfriesland passen“

Von Aiko Recke und Daniel Gonzalez-Tepper

Die Gebrüder-Schwarte-Gruppe (im Bild das Autohaus in Papenburg) übernimmt aller Voraussicht nach zum 1. April 2017 die Standorte der insolventen Max-Moritz-Gruppe in Leer, Emden und Aurich. Foto: Daniel Gonzalez-TepperDie Gebrüder-Schwarte-Gruppe (im Bild das Autohaus in Papenburg) übernimmt aller Voraussicht nach zum 1. April 2017 die Standorte der insolventen Max-Moritz-Gruppe in Leer, Emden und Aurich. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

aik/dgt Aurich. Noch ist die Tinte nicht trocken. Doch die drei Max-Moritz-Autohäuser in Aurich, Emden und Leer stehen wie berichtet kurz vor der Übernahme durch die Schwarte-Gruppe aus dem Emsland. Am Freitag wurden die Mitarbeiter informiert. Auch die Schwarte-Geschäftsführung meldete sich am Freitag zu Wort.

„Es gilt noch einige Hürden zu überspringen“, sagte Betriebsratsvorsitzender Günter Böden auf Anfrage. Am Freitagvormittag wurden die rund 300 Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung in Aurich informiert. Für den Standort Wiesmoor hat sich kein Investor gefunden, er wird laut Böden zum 1. April geschlossen. Insgesamt werden 45 Mitarbeiter nicht weiterbeschäftigt.

Es muss eine Mischung aus Betroffenheit und Erleichterung gewesen sein, die auf der Mitarbeiterversammlung der Max-Moritz-Autohäuser am Freitagvormittag in Aurich herrschte. So berichtete es zumindest Betriebsratsvorsitzender Günter Böden der Redaktion.

Transfergesellschaft für gekündigte Mitarbeiter

Bedrückt waren viele, weil der Standort Wiesmoor geschlossen wird und 45 von rund 300 Mitarbeitern nicht weiterbeschäftigt werden. Für sie wurde eine sogenannte Transfergesellschaft gegründet, so Böden. Dabei geht es darum, die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter in neue Jobs zu vermitteln. Man sei froh, dass man die Transfergesellschaft in dieser Form hinbekommen habe, so Böden.

Gleichzeitig gab es Erleichterung bei dem Großteil der Mitarbeiter, dass es mit der Schwarte-Gruppe aus dem Emsland nun einen gemeinsamen Investor für die drei größten Standorte in Aurich, Emden und Leer gibt. „Das Geschäftsmodell von Schwarte setzt auf Klasse statt Masse“, lobte Böden. Das sei eine grundsätzlich andere Ausrichtung als beim bisherigen Eigentümer, der Weller-Gruppe aus Osnabrück/Berlin. Er habe „großen Respekt vor der unternehmerischen Entscheidung“ der Schwarte-Gruppe. Diese hat bisher fünf Autohäuser in Haselünne, Meppen, Papenburg, Bünde und Lübbecke (Kreis Minden), 400 Mitarbeiter und verkauft jährlich 7400 Fahrzeuge (VW, Audi, Skoda und Seat). Die Gruppe vergrößert sich nun mit den drei ostfriesischen Standorten Aurich, Emden und Leer erheblich.

Gespräche zunächst nur für Emden und Leer

Um Masse soll es dabei allerdings nicht gehen, Service und Werkstattleistungen seien bei Schwarte mindestens genauso wichtig, sagte Geschäftsführer Stefan Schwarte am Freitag auf Anfrage: „Das ist eine sehr große Aufgabe, an die wir mit Respekt rangehen. Aber wir glauben, dass wir gut zur Region Ostfriesland passen.“ Gespräche hatte es seit Anfang Februar nur für Leer und Emden gegeben, erst sei Anfang März war auch Aurich ein Thema, berichtete der Emsländer.

(Weiterlesen: Schwarte-Gruppe übernimmt drei Max-Moritz-Autohäuser)

Es seien jetzt noch letzte Abstimmungen mit Insolvenzverwalter, Hersteller und Banken notwendig. Schwarte hofft, dass der Kaufvertrag nächste Woche unterschriftsreif sei, so dass der Übergang zum 1. April über die Bühne gehen kann. Dann wird auch der Markenname Max Moritz umgehend vom Markt verschwinden, die drei Autohäuser werden den Namen „Gebrüder Schwarte“ tragen, kündigte der Geschäftsführer an.

Rückkehr in die Tarifbindung?

Ein wichtiges Thema für den Betriebsrat war die Tarifbindung. Der bisherige Eigentümer Burkhard Weller war aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten und deshalb nicht mehr an Tarifverträge gebunden. Dagegen kämpfte die IG Metall seit Jahren – und forderte mit Warnstreiks die Rückkehr in den Tarif. Doch Weller, der in der Branche als charismatisch gilt, ließ das kühl. Mit dem neuen Eigentümer gibt es nun laut Böden immerhin die Vereinbarung, dass man 2020 über das Thema Tarifbindung sprechen will.

Mit fast 30 bundesweiten Standorten für BMW und Mini (B & K) sowie Toyota und Lexus (Autoweller) ist Weller einer der Großen der Branche – mit VW und Ostfriesland, auch mit der hier stark organisierten IG Metall, wurde er aber nie so recht warm. Auch deshalb sind viele bei Max Moritz froh, dass nun ein neuer Investor aus der Region kommt. „Wir hoffen, dass wir am 1. April einen neuen Schriftzug anbringen können“, sagte Betriebsratsvorsitzender Günter Böden. Bis dahin aber gebe es „noch einige Dinge zu klären“ – bis die Tinte wirklich trocken ist.