Sabine Gosewinkel aus Großwolde erzählt Darum lohnt sich als Frau ein Engagement in der Feuerwehr

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Großwolde. Sabine Gosewinkel ist die erste aktive Feuerwehrfrau in der 115-jährigen Geschichte der Ortswehr Großwolde (Gemeinde Westoverledingen). Unserer Redaktion hat sie erzählt, warum es sich lohnt, sich bei den Blauröcken zu engagieren, wie sie mit Angst umgeht und was man tun muss, um den gleichen Weg zu gehen.

Es ist nicht die erste Ortsfeuerwehr, in der sich die 33-Jährige engagiert. 2006 trat sie der Feuerwehr in Lünen im Münsterland ein. In die Stadt hatte es ihre Eltern, die gebürtig aus der Grafschaft Bentheim stammen, verschlagen. „Ich fand das von Anfang an spannend, die Menschen, die Aufgaben, die Gemeinschaft“, berichtet Gosewinkel. Nach einem Probejahr, das jeder Bewerber für die Aufnahme in eine Feuerwehr durchlaufen muss, nahm sie ab 2007 an Lehrgängen teil, auch sehr früh mit Atemschutz. „Das ist eine reine Kopfsache, mit der ich schnell gut klargekommen bin“, so Gosewinkel, die gebürtig Junk heißt. Sie arbeitete sich schnell zur Truppenführerin, Unterbrandmeisterin und 2011 sogar zur Oberfeuerwehrfrau vor.

Wohnhaus direkt gegenüber des Feuerwehrhauses

Aus beruflichen Gründen und auch wegen der Liebe zog es sie 2011 nach Niedersachsen und Ostfriesland, hier sind die Bezeichnungen bei den Feuerwehrgraden etwas anders. Als Hauptfeuerwehrfrau darf sie in Ihrhove und seit 2017 in Großwolde bei Brandeinsätzen einen Feuerwehrmann führen, für eine ganze Gruppe fehlt ihr noch ein letzter Lehrgang.

Zuletzt fehlte ihr aber ein wenig die Zeit für das Feuerwehrwesen, weil die inzwischen 19 Monate alte Tochter Martje ihre Aufmerksamkeit forderte. „Seitdem steht das Feuerwehrwesen nicht mehr ganz an erster Stelle“, sagt die Neu-Großwolderin, die direkt gegenüber des Feuerwehrhauses mit ihrem Mann Carsten, von Beruf Hufschmied, und den Schwiegereltern lebt.

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Durch das ehrenamtliche Engagement für die Blauröcke ist sie letztlich auch zu ihrem Beruf gekommen: Sabine Gosewinkel hat sich zur Rettungsassistentin ausbilden lassen, arbeitet seit 2011 für den Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Landkreis Leer, derzeit mit einer halben Stelle am Standort Weener.

Sabine Gosewinkel ist die erste aktive Feuerwehrfrau in der 115-jährigen Geschichte der Ortswehr Großwolde (Gemeinde Westoverledingen). Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Kein Problem mit fehlender Frauenumkleide

Es ist die dritte Ortsfeuerwehr, in der Sabine Gosewinkel als erste Frau aktiv ist. Sie kennt daher die kleinen Vorbehalte, die es aus dem Weg zu räumen gilt. „Auf den Dienstabenden und bei Einsätzen zählt aber schnell die Ausbildung, also die fachliche Kompetenz.“

Sie muss auch nicht zum ersten Mal damit leben, dass es keine eigene Umkleide- oder Duschmöglichkeiten für weibliche Kräfte gibt. Eine Bedingung, die aber weder ihr noch den männlichen Kollegen Probleme bereitet. Ohnehin bleibe, gerade bei Einsätzen, bei denen jede Sekunde zählt, auch gar keine Zeit für Ressentiments oder um Scham zu entwickeln für einen Blick auf den Büstenhalter, berichtet Gosewinkel. Und nach einem Einsatz duscht sie eben zu Hause.

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Auch beim Fahren mit Martinshorn wird nicht zwischen Mann oder Frau unterschieden, Sabine Gosewinkel fährt sogar sehr oft bei Blaulicht-Einsätzen. „Da helfen mir die Erfahrungen als Rettungssanitäter. Denn man glaubt gar nicht, wie Autofahrer manchmal reagieren, wenn sie Blaulicht sehen“, sagt die junge Mutter, die sich in ihrer knappen Freizeit um zwei Pferde kümmert oder Ausgleich beim Nähen an den eigenen Nähmaschinen sucht. An Unfällen im Einsatz war sie bisher aber nicht beteiligt. Zugute kommt ihr die Arbeit als Rettungssanitäterin auch bei der Verarbeitung schwieriger Erlebnisse und beim Arbeiten unter Druck.

Dienstabend jeden zweiten Montag im Feuerwehrhaus

Interessierten Frauen, aber auch Männern empfiehlt sie, probehalber zu den Dienstabenden zu kommen, die alle zwei Wochen montags ab 20 Uhr im Feuerwehrhaus in Großwolde stattfinden. Vor allem für Zugezogene sei es eine sehr gute Möglichkeit, sich zu integrieren in die Dorfgemeinschaft. „Die Gemeinschaft ist toll“, sagt Sabine Gosewinkel.

Die Ortsfeuerwehr Großwolde besteht derzeit aus 35 Aktiven und wird von Christian Kordes geleitet. Und wer nach dem Probejahr das Gefühl hat, das Feuerwehrwesen ist doch nichts für einen, dem sei auch niemand böse.


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