Serie „Mein Job und ich“ Detektiv aus Weener über Observationen, Geduld und versteckte Kameras

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Weener. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht Detektiv Rainer Hanneken aus Weener über Observationen, Geduld bei den Einsätzen und versteckte Kameras.

Herr Hanneken, im Fernsehen mangelt es nicht an Formaten, die Detektive bei der Arbeit zeigen. Wie ähnlich sind diese Sendungen im Vergleich zu Ihrer täglichen Arbeit?

Sie sind so gut wie alle unrealistisch. Vielfach wird sogar ein völlig falsches Bild dargestellt. Das häufigste Problem dieser Sendungen ist, dass Abläufe und Handlungen gezeigt werden, die gesetzlich verboten sind und Detektive gar nicht anwenden dürfen.

Welche zum Beispiel?

Telefonüberwachung zum Beispiel. Dafür gibt es ganz enge Vorgaben, die ausschließlich den Strafverfolgungsbehörden vorbehalten sind und in der Regel bei Kapitalverbrechen wie Mord, Totschlag oder Erpressung eingesetzt werden. Oder Videoüberwachung in öffentlichem Raum oder Richtmikrofone werden im Fernsehen gerne verwendet, sind aber ebenfalls für Detektive verboten.

Was ist mit GPS-Sendern, die an Fahrzeugen befestigt werden?

Die waren früher tatsächlich erlaubt und haben bei der Observation von Personen auch sehr geholfen. Durch eine Gesetzesänderung und verschiedenen Urteilen ist das seit 2011 aber verboten, aus Datenschutzgründen. Aus meiner Sicht hat sich der Gesetzgeber damit keinen Gefallen getan, weil es unseren Beruf deutlich gefährlicher gemacht hat, zum Beispiel im Straßenverkehr bei der Verfolgung von Personen.

Arbeiten Sie überwiegend im Emsland und Ostfriesland oder auch darüber hinaus?

Nur regional tätig zu sein, würde der Markt gar nicht hergeben. Langfristig erfolgreich sein kann man als Detektiv eigentlich nur, wenn man bundesweit tätig ist. In manchen Fällen sogar weltweit. Ich war für einen Auftraggeber, bei dem es um Diebstahl geistigen Eigentums in der Softwarebranche ging, einmal in Sri Lanka unterwegs.

Ist der berühmte Seitensprung, den es aufzudecken gilt für einen Auftraggeber, auch dabei?

In meinen Anfängen in den 1990er Jahren war das noch häufiger der Fall. Die moral-gesellschaftliche Beurteilung war eine andere als heute. Heutzutage sind derartige Nachweise oft nicht mehr relevant. In Ausnahmefällen ist die Schuldfrage nur noch bei der Bemessungsgrundlage des Unterhaltes von Bedeutung.

Wer sind heute vornehmlich ihre Auftraggeber?

Vieles spielt sich heute im gewerblichen Bereich ab. Oft geht es um Sabotage oder Diebstahl. In diesen Fällen wenden sich Unternehmen an uns, die über die Polizei nicht weitergekommen sind oder die Probleme, zum Beispiel bei Betrug im Bereich Warenhaltung und Lager, mit eigenen Mitteln nicht in den Griff bekommen. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist sehr hoch. Und nicht selten sind die Unternehmenschefs später überrascht, welche Dinge wir aufdecken, wie die Waren letztlich veruntreut wurden und wie die Angestellten, die nicht selten seit Jahrzehnten in dem Betrieb tätig sind, Dinge vertuscht haben. Meistens, um sich ein zweites Einkommen zu verschaffen.

Wie gehen Sie dann in der Regel vor?

Die häufigsten Mittel sind Observationen und, mit Zustimmung des Unternehmens, verdeckte oder offene Videoüberwachung. Meist geht es darum, zu dokumentieren, wer zu welchem Zeitpunkt was an einem bestimmten Ort gemacht hat. Also eine Art Bewegungsprofil zu erstellen. Mit diesen Daten sagen wir dann beispielsweise bei einem Gerichtsverfahren als Zeuge aus. Dazu kommt es aber häufig gar nicht, weil viele Dinge außergerichtlich geregelt werden zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer, weil oft die Beweislage erdrückend ist. Ob Anzeige erstattet wird, obliegt ohnehin dem Auftraggeber. Wir sind nicht Handlanger der Strafverfolgungsbehörden. Ich sehe mein Unternehmen eher in der Rolle eines Mediators zwischen zwei Parteien.

Wenn ein Firmenchef zu Ihnen kommt und sagt: Ich möchte diesen Mitarbeiter loswerden, suchen Sie etwas, was ich gegen ihn verwenden kann. Was sagen Sie dem?

Halbseidene oder sogar illegale Auftragsvergaben lehne ich kategorisch ab. Wir bewegen uns bei jeder Maßnahme zu jeder Zeit immer im Rahmen der gültigen Gesetze. Außerdem bringe ich mich selber in Gefahr, weil der Betroffene mich verklagen könnte, wenn ich ohne Rechtsgrundlage in das Recht Dritter eingreife.

Wurden Sie diesbezüglich schon einmal verklagt?

Angezeigt schon, angeklagt oder verurteilt nie. Derartige Anzeige sind in der Regel Racheakte. Ich akzeptiere dies nicht, toleriere es aber, da sich die Betroffenen durch unsere Beweise nicht selten in Ihrer Existenz bedroht fühlen. Sie vergessen dabei aber, dass sie sich selbst mit ihren unerlaubten Handlungen in diese prekäre Lage bugsiert haben.

Welche Hilfsmittel sind erlaubt und nutzen Sie?

Im Regelfall eine Digitalkamera und ein Diktiergerät, in das ich Beobachtungen spreche und Uhrzeiten festhalte. Um mit Mitarbeitern zu kommunizieren, vielleicht noch ein Funkgerät. Bei Videoobservationen natürlich Kameras und Bildschirm. Das war es im Wesentlichen. Am wichtigsten in unserem Beruf ist das eigene Auge und Beobachtungen.

Haben eigentlich soziale Medien die Arbeit von Detektiven verändert?

Sie erleichtern manchmal, Anschuldigungen nachzuweisen. Zum Beispiel, wenn jemand sagt, zu dem und dem Zeitpunkt irgendwo gewesen zu sein, ein Foto bei Facebook aber etwas anderes belegt. Und sie erleichtern manchmal, ein Gesicht einer bestimmten Person ausfindig zu machen. Viele Menschen sind im Hinblick auf soziale Medien unvorsichtig.

Ist Detektiv ein klassischer Ausbildungsberuf?

Nein. Ich selber bin ehemaliger Polizei- und Kriminalkommissar. Ich habe während meiner Studienzeit in Köln zwecks Finanzierung des Studiums für verschiedene Detekteien gearbeitet und mich auch deshalb irgendwann als Detektiv selbstständig zu machen. Es gibt Zertifikate, die man Akademien erwerben kann, zum Beispiel bei der Anwendung von Technik oder den rechtlichen Rahmenbedingungen. Erfahrung zählt letztlich aber am meisten und vieles erlernt man erst durch das tägliche Tun. Jeder Detektiv hat auch eine andere Herangehensweise. Und ein gewisser Idealismus gehört zu diesem Beruf dazu, die Arbeitszeiten können unregelmäßig sein.

Wann arbeiten Sie denn im Regelfall?

Es gibt Fälle, da muss ich sofort reagieren, auch in der Nacht oder am Wochenende. Und eine Observation kann, wenn es notwendig ist, schon einmal deutlich länger als acht Arbeitsstunden dauern. Manchmal lebe ich mehrere Tage lang nur aus dem Koffer. Das ist auch der Grund, warum es bundesweit nur eine Handvoll Detektive gibt, die so wie ich seit mehr als 25 Jahren diesen Beruf ausüben.


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