Bewohner und Gemeinde unzufrieden Erneut Änderung im Baukonzept für Tidepolder Coldemüntje

Von Jennifer Kemker

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Der Tidepolder Coldemüntje soll, ähnlich wie der Polder Holter Hammrich im Leda-Jümme-Gebiet (Foto), durch Aussichtspunkte, einen Rundwanderweg und eine Beschilderung für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden. Bei den Bauarbeiten drohen aber Probleme wie Lkw-Fahrten durch die Deichdörfer. Foto: Geschäftsstelle Masterplan EmsDer Tidepolder Coldemüntje soll, ähnlich wie der Polder Holter Hammrich im Leda-Jümme-Gebiet (Foto), durch Aussichtspunkte, einen Rundwanderweg und eine Beschilderung für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden. Bei den Bauarbeiten drohen aber Probleme wie Lkw-Fahrten durch die Deichdörfer. Foto: Geschäftsstelle Masterplan Ems

Westoverledingen. Die Geschäftsstelle des Masterplan Ems hat die Planungen für den Tidepolder Coldemüntje (Gemeinde Westoverledingen) erneut überarbeiten müssen, dadurch drohen wieder Lkw-Fahrten durch die Dörfer. Das sorgt für Kritik während der Sitzung des Ratsausschusses für Umweltfragen und Naturschutz.

Bei der Sitzung hatte Helmut Dieckschäfer, Dezernent für regionalen Naturschutz beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einen Sachstandbericht zu dem Projekt gegeben. Damit verbunden ist ein sogenanntes „Bodenverbringungskonzept“, also die Frage, was mit dem Aushub von Klei und anderen Materialien passiert.

Das bisherige Konzept hatte vorgesehen, rund 120.000 Kubikmeter Klei auf landwirtschaftlichen Flächen direkt am Polder aufzubringen, um die Böden zu verbessern. Das wären rund 35 Prozent des gesamten Bodenaushubs von etwa 340.000 Kubikmetern gewesen. Dadurch sollten zahlreiche Lkw-Fahrten durch die umliegenden Dörfer entfallen.

Landwirtschaftskammer lehnt Konzept ab

Dieckschäfer teilte jetzt mit, dass dies entgegen den Hoffnungen der Planer nicht möglich sein wird. Als Grund nannte der Dezernent ein Gutachten der Landwirtschaftskammer. Das hatte ergeben, „dass ein Bodenauftrag auf allen landwirtschaftlichen Flächen zu einem Anstieg der Schadstoffgehalte führen wurde, was eine Verschlechterung gegenüber dem Ausgangszustand bedeutet,“ so Dieckschäfer.

Gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte für an der Ems natürlich vorkommende Bodeninhaltsstoffe würden überschritten. Auch der Stickstoffgehalt des Materials hätte aus Sicht der kürzlich verschärften Düngeverordnung dem Ziel einer Bodenverbesserung widersprochen. Daher hat die Landwirtschaftskammer die Ablagerung auf den Flächen abgelehnt und es musste nach den Worten des Dezernenten eine andere Lösung gefunden werden.

Nutzung für Deich- und Wegebau möglich

Das Gutachten habe allerdings auch belegt, dass eine Nutzung des Materials im Deichbau oder andere Baumaßnahmen ohne Probleme möglich sei. Deshalb sieht laut Dieckschäfer das geänderte Konzept nun vor, ein Zwischenlager neben der bestehenden Sanddeponie des NLWKN direkt an der Baustelle zu errichten. Das Material könne dort trocknen und anschließend im Deich- und/oder Verkehrswegebau verwendet werden.

Trotz aller Bemühungen wird es bei diesem Konzept wieder zu Lkw-Fahrten kommen. Dennoch bleibt es bei einer Reduzierung der ursprünglich vorgesehenen Fahrten – und zwar um rund 65 Prozent. Denn rund 40 Prozent des Aushubs verbleiben im Polder für die Gestaltung des Geländes (Aussichtspunkte, Rundwanderweg), 25 Prozent werden für die Erhöhung der Deichberme von Coldemüntje bis Völlen genutzt. Zudem beginnen die Lkw-Fahrten laut Dezernent frühestens in rund zwei Jahren. Der NLWKN geht davon aus, dass die Zwischenlagerfläche rund zehn Jahre bestehen wird. Die Pachtung der Fläche wurde inzwischen vertraglich abgesichert.

Bürgermeister übt Kritik

„Wir wurden vor den Kopf gestoßen“, sagte Theo Douwes, Bürgermeister der Gemeinde Westoverledingen. „Die Auswirkungen des Konzeptes sind nicht klar zu erfassen.“ Der Transport des Materials zum Lager sei eine Komponente. „Aber was passiert mit dem, was deponiert wird?“ Dann werde aus einem Zwischenlager schnell eine Deponie. Für den Bürgermeister seien viele Fragen offen geblieben, sodass er das Konzept nicht positiv bewerten könne.

Wie Dieckschäfer deutlich machte, wurde in den Gremien des Masters Plans Ems festgehalten, dass der Landkreis Leer als Genehmigungsbehörde für die Maßnahme Gespräche mit der Landwirtschaftskammer führen will. Auch Ausschussvorsitzender Herbert Buscher machte deutlich, dass über eine Entscheidung zunächst in den Fraktionen beraten werden muss und die Ausführungen lediglich zur Kenntnis genommen werden. „Wir sehen einen Spielraum, den wir versuchen sollten zu nutzen.“


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