Schadstoff-Suche beginnt Gift im Brunnen in Weener: Bundesamt eingeschaltet

Von Holger Szyska

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Nachdem in einem Förderbrunnen des Wasserversorgungsverbandes Rheiderland der Unkrautvernichter Bentazon nachgewiesen wurde, hat nun die Ursachenforschung begonnen. Foto: Archiv/dpa/StratenschulteNachdem in einem Förderbrunnen des Wasserversorgungsverbandes Rheiderland der Unkrautvernichter Bentazon nachgewiesen wurde, hat nun die Ursachenforschung begonnen. Foto: Archiv/dpa/Stratenschulte

Weener. Wegen der Belastung des Grundwassers im Bereich eines Förderbrunnens am Marker Weg in Weener mit Rückständen des Unkrautvernichters Bentazon hat der Wasserversorgungsverband Rheiderland (WVV) das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin eingeschaltet.

Die Behörde forderte daraufhin BASF als Zulassungsinhaber zu einer Analyse auf, der Chemiekonzern beauftragte das Institut Fresenius (Taunusstein) als unabhängiges Labor mit der Anfertigung einer entsprechenden Studie. „Zwei Mitarbeiter des Instituts waren jetzt in Weener und haben sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht, um nähere Erkenntnisse zu gewinnen“, sagte WVV-Geschäftsführer Jan Schulte auf Anfrage. An dem Ortstermin habe auch ein Wasserschutzberater der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) teilgenommen.

Dem Institut Fresenius habe der WVV im Vorfeld bereits die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen und geologische Daten zur Verfügung gestellt, erklärte Schulte. Für ihre Analysen hätten die Mitarbeiter nun eine Wasserprobe aus dem betroffenen Förderbrunnen mitgenommen. In erster Linie solle untersucht werden, auf welchem Weg der Schadstoff in das Grundwasser gelangen konnte - mit dem Ziel, diese Einleitung abzustellen und weitere Belastungen zu verhindern. Die „Fundaufklärung“ wird dann vom Umweltbundesamt abschließend geprüft.

Den Förderbrunnen 8 am Marker Weg hatte der WVV nach dem Schadstoff-Fund im November vom Netz genommen. „Der Brunnen ist nach wie vor abgestellt“, sagte Jan Schulte. Denn die „im unteren Bereich“ liegende Belastung sei noch immer vorhanden.

Das zugelassene Herbizid Bentazon wird vor allem in der Landwirtschaft verwendet und soll sich eigentlich in kurzer Zeit auflösen, bevor es ins Grundwasser gelangen kann. Warum es dennoch im Grundwasser auftaucht, soll nun durch das Institut Fresenius ergründet werden. Sollte es sich nicht schnell genug zersetzen, könnte sich das auf die Zulassung des Mittels auswirken.

Wie das BVL auf Anfrage mitteilte, dürfen „Pflanzenschutzmittel nur zugelassen werden, wenn für ihre Wirkstoffe die zu erwartende Versickerung in das Grundwasser den Grenzwert von 0,0001 Milligramm pro Liter nicht überschreitet“. Es könne „im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden“, dass es nach der Zulassung „aufgrund verschiedener Faktoren zu lokalen Grenzwertüberschreitungen“ komme. Die Ergebnisse von Fundaufklärungen einzelner Überschreitungen hätten aber „keine unmittelbare Auswirkung auf die Zulassung“. Bei einer mehrfachen Überschreitung könnte eine strengere Anwendungsbestimmung erteilt oder gegebenenfalls die Zulassung widerrufen werden.

Schon seit 1990 nicht mehr zugelassen ist Bromacil, das in Weener im September 2014 in den Brunnen 4 (Ahornstraße) und 5 (Johann-Schüür-Straße) sowie im August 2016 im Brunnen 6 festgestellt wurde. Dieses Herbizid wurde bis 1990 vor allem zur Unkrautbekämpfung auf Bahnstrecken benutzt.

Für die Nutzung als Trinkwasser bereitet der WVV das mit Bromacil belastete Grundwasser mit Aktivkohle-Filtern auf. In einigen Wochen soll hinter dem Wasserwerk in Weener der Bau einer Halle für acht Aktivkohle-Filterkessel beginnen. Der Verband wird rund 2,5 Millionen Euro investieren, um sich für eine langfristige Aufbereitung von schadstoffbelastetem Grundwasser zu rüsten.


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