Zwei Urteile rechtskräftig Nach Entführung eines Reeders bei Leer: Duo weiter flüchtig

Von Martina Ricken

Im Fall der Entführung eines Reeders aus dem Landkreis Leer sind zwei der mutmaßlichen Täter noch immer auf der Flucht. Symbolfoto: Michael GründelIm Fall der Entführung eines Reeders aus dem Landkreis Leer sind zwei der mutmaßlichen Täter noch immer auf der Flucht. Symbolfoto: Michael Gründel

Hatzum. Im Fall der spektakulären Entführung eines Reeders aus Leer, der in einem Ferienhaus in Hatzum festgehalten worden war, sind nun zwei ergangene Urteile rechtskräftig. Zwei mutmaßliche Täter sind weiter auf der Flucht.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entdeckte in den Urteilen des Landgerichts Aurich keinen Rechtsfehler und verwarf die Revisionen der Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst ebenfalls dieses Rechtsmittel eingelegt, es dann aber zurückgenommen. Es wurden aber noch nicht alle Beteiligten zur Rechenschaft gezogen. Nach zwei polnischen Tatverdächtigen wird noch gefahndet.

In zwei Prozessen hatte das Landgericht Aurich vier Männer aus Polen schuldig gesprochen. Drei von ihnen wurden zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und mehr als sechs Jahren verurteilt. Ein Angeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe, ebenso die 91-jährige Mutter des mutmaßlichen Drahtziehers der Entführung. Alle Urteile sind nun rechtskräftig.

91-Jährige muss trotz Verurteilung nicht in Haft

Der Sohn der 91-Jährigen, ein früherer Geschäftspartner des Leeraner Geschäftsmannes, wird als mutmaßlicher Initiator möglicherweise nie auf der Anklagebank sitzen. Der Iserlohner ist wegen einer schwerwiegenden Erkrankung nach wie vor verhandlungsunfähig.

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Wie mehrfach berichtet, war das Opfer am Morgen des 19. April 2016 auf dem Weg zur Arbeit entführt und bis zum Abend des darauffolgenden Tages in einer Ferienwohnung in Hatzum festgehalten worden. Die Täter wollten vom Geschäftsmann eine Million Euro erpressen. Die Entführung des Leeraner Reeders war hochprofessionell geplant, organisiert und durchgeführt worden, wie sich während der Gerichtsverhandlung herausstellte. Die Tat soll ein Iserlohner in Auftrag gegeben haben. Nach Angaben der Angeklagten war er der Meinung, dass ihm aus früheren gemeinsamen Geschäften mit dem Opfer im Nahen Osten noch Gelder zustünden.

Lösegeldzahlung von einer Million Euro

Um seine Forderungen durchzusetzen, soll sich der Mann der Hilfe der polnischen Mittäter und seiner 91-jährigen Mutter bedient haben. Die Planungen sollen in Dortmund durchgeführt worden sein, die Mutter ihr Konto für die erwartete Zahlung von insgesamt einer Million Euro zur Verfügung gestellt haben. Sie wurde wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Nur angesichts ihres hohen Alters sah die Kammer von einer zu vollstreckenden Haftstrafe ab.

Als Polizisten verkleidet, hielten sie das Opfer an und verschleppten ihn in eine Ferienwohnung nach Hatzum. Dort wurde der Leeraner Geschäftsmann geschlagen und mit dem Tode bedroht. Gleichzeitig wurden die Geldforderungen gestellt. Nur scheinbar wurde das Geld überwiesen. Das Opfer wurde daraufhin am Abend des 20. April an der Autobahn freigelassen. Bundespolizisten entdeckten den Leeraner dort.

Haftstrafen bis zu sechs Jahren

Nach Ermittlungen folgten Festnahmen in Dortmund und Iserlohn. Einer der mutmaßlichen Täter konnte in Polen ermittelt und dort festgenommen werden. Nach der Auslieferung wurde ihm in Aurich der Prozess gemacht. Nach zwei Landsleuten wird immer noch gesucht. Die drei anderen Verurteilten müssen nach der Entscheidung des BGH die Haftstrafen von zweieinhalb Jahren, fünf Jahren und zwei Monaten sowie sechs Jahren und vier Monaten verbüßen.

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