Verkauf an Gemeinde Gaststätte in Völlenerköngisfehn schließt nach 165 Jahren

Von Hermann-Josef Döbber

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostfriesland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Völlenerkönigsfehn. Nach 165 Jahren schließt in Völlenerkönigsfehn zum 30. April 2018 die Dorfgaststätte mit Saalbetrieb Veen. Die Kinder und Enkelkinder der Betreiber wollen nicht in ihre Fußstapfen treten.

„Die Entscheidung, den Betrieb aufzugeben, ist uns schwer gefallen“, sagte Albert Schmidt – auch für seine Frau Bernhardine, deren Vorfahre die erste Konzession erwarb. Das Gebäude ist nach Angaben von Nina Lenger, Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen, an die Kommune verkauft worden. „Wir haben keine konkreten Pläne“, sagte Lenger über die weitere Nutzung. „Das wird in den Gremien weiter beraten.“ Lenger spricht weiter von einem „mehrmonatigen Diskussionsprozess“, der gerade erst anlaufe. Gekauft habe die Gemeinde das Objekt, weil es zentral liege und zum Grundstück auch ein Sportplatz gehöre. „Solche Möglichkeiten ergeben sich nicht so oft“, so Lenger weiter.

Zwei Mal wöchentlich noch geöffnet bis Ende April

Mittelpunkt der Gaststätte mit der familiären Atmosphäre war stets der Schankraum. Darüber hinaus gibt es einen Clubraum für etwa 30 Personen und einen Saal, der für bis zu 200 Personen Platz bietet. In den Mauern des Hauses, das durchweg zweimal wöchentlich in den Abendstunden noch bis Ende April geöffnet hat, verkehren vor allem Stammkunden. Dort wurde 1921 der FC Frisia Völlenerkönigsfehn gegründet und 1958 wiedergegründet. Hier wurden 1950 der Schützenverein und 1954 der Landwirtschaftliche Zweigverein aus der Taufe gehoben. Die Räumlichkeiten werden fehlen: Neben den Familienfeiern aller Art fanden hier Jahreshauptversammlungen, Winterfeste der Vereine und regelmäßige Klönabende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins in der beliebten Anlaufstelle des Dorfes statt.

Landwirtschaft als weiteres Standbein

Der Gründer Habbo J. Veen hatte 1853 in dem etwa 210 Einwohner zählenden Völlenerkönigsfehn die Schankkonzession als Erweiterung zu dem sechs Jahre zuvor gegründeten Gemischtwarengeschäft bekommen. Veens Söhne Boelke und Gerd Habben erweiterten das Gebäude und bauten als weiteres Standbein eine Landwirtschaft auf. 1897 übernahm Habben den Betrieb, heiratete wenig später Diertje Luiking aus Völlen. Als deren Ehemann erst 53-Jährig verstarb, übernahm sie, unterstützt von zwei Töchtern und dem Sohn, die Gastwirtschaft, das Gemischtwarengeschäft und die Landwirtschaft. Später gingen die Wirtschaft und ein Teilbereich der Landwirtschaft an ihren Sohn Bernhard Veen.

Regelmäßige Veranstaltungen ab 1958

1929 erfolgte die Einrichtung einer „Privatöffentlichen Fernsprechzelle.“ Bernhard Veen nahm 1932 Baumaßnahmen vor, 1958 erfolgte eine Vergrößerung des Saales im Hinblick auf regelmäßige Tanzveranstaltungen, Familienfeiern und Feste der örtlichen Vereine, die zuvor in der Centralhalle in Papenburg feierten. Seit der Saalerweiterung spielt sich das kulturelle Leben im Ort selbst ab. 1986 wurde der Saal großzügig auf die heutigen Verhältnisse vergrößert. Als Bernhard Veen im Alter von 77 Jahren 1968 starb, führte dessen Witwe Elisabeth Veen die Gaststätte weiter. 1970 gab die Familie die Landwirtschaft auf, 1972 folgte die erste von mehreren Verpachtungen. Zum 1. Mai 2009 wurde die Konzession von Albert Schmidt und dessen Ehefrau Bernhardine, geborene Veen, wieder erworben. Unterstützend tätig wurden Sohn Bernhard mit Ehefrau Johanne. Zu einem besonderen Ereignis wurde 2003 die Feier des 150-jährigen Bestehens.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN