Fall aus Ostfriesland Auffahrender hat bei Unfall nicht automatisch die volle Schuld

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostfriesland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Weil der Vorausfahrende laut Zeugenaussagen eine „Vollbremsung aus dem Nichts“ gemacht und auch nicht geblinkt hatte, trifft ihn eine Mitschuld von einem Drittel. Symbolfoto: Michael GründelWeil der Vorausfahrende laut Zeugenaussagen eine „Vollbremsung aus dem Nichts“ gemacht und auch nicht geblinkt hatte, trifft ihn eine Mitschuld von einem Drittel. Symbolfoto: Michael Gründel

Aurich. Die Aussage „Wer bei einem Unfall bei einem anderen Auto auffährt, hat immer Schuld“ ist weit verbreitet. Ein Fall aus Ostfriesland und ein Urteil des Oberlandesgericht Oldenburg zeigt, dass dies nicht immer so sein muss.

Den Vorausfahrenden kann nämlich ein sogenanntes Mitverschulden treffen. Ein Gericht muss dann im Einzelfall entscheiden, zu wie vielen Teilen wen eine Schuld trifft. Relevant wird das vor allem dann, wenn die Kfz-Versicherung eine Hochstufung vornimmt.

Über einen solchen Fall hatte jetzt der 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) Oldenburg zu entscheiden. Ein Autofahrer aus Aurich hatte auf der Fahrt nach Hause vor seinem Haus stark abgebremst, um in seine Hauseinfahrt abzubiegen. Die beiden nachfolgenden Fahrer konnten noch gerade rechtzeitig abbremsen. Das gelang dem dritten nachfolgenden Fahrer nicht. Er fuhr auf das vorausfahrende Auto auf.

Das Gericht entschied, der Auffahrende beziehungsweise dessen Versicherung muss sich zu zwei Drittel an den Reparaturkosten beteiligen, der Mann, der abgebremst hatte, zu einem Drittel.

Mit abruptem Bremsen immer rechnen

In der Begründung des Urteils heißt es, bei Auffahrunfällen spricht tatsächlich dem ersten Anschein nach oft vieles gegen den Auffahrenden. „Es liegt nahe, dass er zu schnell, zu unaufmerksam oder ohne den erforderlichen Abstand gefahren ist. Man muss im Verkehr immer damit rechnen, dass ein vorausfahrendes Auto abrupt anhält, zum Beispiel, weil ein Kind auf die Fahrbahn läuft“, so das Gericht.

In Fällen wie diesem trifft den ersten Unfallbeteiligten, also dem Abbremser, eine Mitschuld. Zeugen haben vor Gericht berichtet, dass er eine „Vollbremsung aus dem Nichts“ gemacht und dazu noch nicht einmal geblinkt habe. Hintergrund war wohl, dass sich der Fahrer durch einen Überholversuch seines Hintermannes provoziert gefühlt und diesen durch das plötzliche Abbremsen habe maßregeln wollen, so der Senat. Bei einem solchen Verhalten müsse er sich ein Mitverschulden anrechnen lassen. Dieses bewertete der Senat im konkreten Fall mit einem Drittel (OLG Oldenburg, Az. 1 U 60/17).


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN