Bisher ungehobener Schatz Grafengruft an der Evenburg in Leer jetzt begehbar

Von Susanne Risius-Hartwig


Leer/Loga. Unter dem Boden der reformierten Kirche zu Loga gegenüber der Evenburg schlummerte noch bis vor Kurzem ein ungehobener Schatz. Die Grafengruft derer von Wedel und des Erbauers der Evenburg. Diese sind jetzt als Teil der Schlossführungen auf der Evenburg zu besichtigen.

Zuerst nur durch Bohrungen im Chorbereich erkundeten Archäologen der Ostfriesischen Landschaft und Spezialisten aus Lübeck die Kammer unter dem Kirchenschiff mit einer Kamerasonde. Was die Experten auf ihren Bildschirmen erblickten, waren mit Blattgold versehene Beschläge und ein recht gut erhaltenes Familienwappen. Aber auch die Folgen von Plünderungen der Nachkriegszeit und starke Fäulnis, die der letzten Ruhestätte stark zugesetzt hatte, brachten die Untersuchungen zutage. Neun Bestattungen konnten die Fachleute letztlich nachweisen, darunter die von Kindern der Grafenfamilie. Aber nur zwei repräsentative Särge aus Kupfer waren in einem so guten Zustand, dass sie sich restaurieren ließen.

Kostbar gestaltete Barocksärge

In den beiden kostbar gestalteten Barocksärgen lagen einst Maria von Wedel-Jarlsberg (1633 - 1702) und Gustav Philipp von Wedel (1706 - 1738). Unter den Grabfunden fielen filigrane Gebilde aus Drahtspiralen und Kunstblüten auf. Sie stammen nach Erkenntnis der Archäologen aus Totenkronen der Kinderbestattung und wurden unverheiratet Verstorbenen als Ersatz für die im Leben nicht vollzogene und die erwartete himmlische Hochzeit mitgegeben. Buchweizenfunde stammten aus Kissen zur Bettung der Toten.

In einer kleinen Vitrine kann der Besucher gut erhaltene Griffbeschläge mit Wappen und ein bemaltes Inschriftenblech einer Deckelplatte besichtigen. Diese stammt vom Sarg des Erhard von Wedel-Jarlsberg, der nur zwei Monate alt wurde. Die Familienwappen der beiden Eltern Gustav-Philipp von Wedel-Jarlsberg und Magdalene Elisabeth von Closter waren an Kopf- und Fußende des kleinen Holzsarges angebracht.

Auf dem Weg vom Schloss zur Gruft erschließt sich die Schlossanlage mit der Vorburg und der Doppelallee. Die Führung ermöglicht die Besichtigung der nicht öffentlich zugänglichen Grafengruft in der im 13. Jahrhundert erbauten ehemaligen Patronatskirche.

Informationen über die Grafenfamilie

Unter den Bestatteten der Grafengruft befindet sich auch der Erbauer der Evenburg Oberst Freiherr Erhard von Ehrentreuter (1596-1664). Im Vorraum der Kirche sind Schautafeln mit Fotografien der Archäologen und Informationen über die Grafenfamilie zu finden.

Schloss Evenburg ist bis 24. März in der Winterpause. Der Park und die sehenswerte Allee sind jedoch ganzjährig zugänglich. Die nächste öffentliche Themenführung „Kirche mit Grafengruft“ ist am 10. Mai um 12 Uhr geplant. Sie kostet zehn Euro und eine Anmeldung unter 0491/99756000 ist erforderlich. Für Gruppen sind Führungen nach Absprache jederzeit möglich.

Schloss mit neogotischem Gesicht

Das Schloss Evenburg mit seinem Zentrum für Gartenkultur in Loga hat im Frühjahr 2014 nach jahrelanger Restaurierung wieder seine Tore für Besucher geöffnet. Schloss und Park Evenburg zeigen sich seither in neuem Gewand. Auch äußerlich hat sich das Schloss vielen Wandlungen unterzogen. Seit 1861 zeigt die Evenburg ein neogotisches Gesicht. Nur die Vorburg, in der sich die Kreismusikschule und ein Café befinden, zeugt noch vom ursprünglichen Stil des Barock. Schlossherr ist der Landkreis Leer. Mehr Information unter www.schloss-evenburg.de und zu geplanten Veranstaltungen und Führungen unter www.wirmachenkultur.de