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Von Stockholm direkt nach Schwagstorf Hilfe für SOS-Kinderdörfer kommt an – Generalsekretär Pichler sagte Unterstützern Dank

Von Karin Kemper | 13.09.2011, 16:37 Uhr

Was hat die First Lady Mexikos mit der Brörmannschen Diele in Schwagstorf im Altkreis Wittlage zu tun? Die Verbindung entsteht durch die Organisation SOS Kinderdorf, das langjährige Engagement vieler und einen garantiert nicht alltäglichen Besucher.

Zu Gast bei Gertrud und Mathias Brörmann war nämlich Richard Pichler, Generalsekretär von SOS Kinderdorf international. Die Organisation hat die Zentrale in Innsbruck, der Besucher reiste allerdings aus Stockholm an – und fühlte sich in der gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen auf der Diele „urwohl“. Dieser Begriff wiederum lässt erkennen, dass Pichlers Heimat keineswegs Norddeutschland ist. Vielmehr stammt er aus Österreich und zeigte sich begeistert von dem, was Gertrud Brörmann zusammen mit vielen Helfern auf die Beine gestellt hat.

Die Idee, die Hermann Gmeiner, der Vater der SOS-Kinderdörfer, die es inzwischen in 133 Ländern gibt, vor 62 Jahren begründete, ist einfach: Jedes Kind braucht eine Mutter. Diese Idee, so Pichler, hat seitdem irrsinnig viele Menschen motiviert zu helfen. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die Organisation im Hintergrund läuft. „Das geht nur, wenn es Menschen wie Sie gibt“, wandte sich Pichler an die Runde in Schwagstorf. Er unterstrich, dass er etwas von dem Respekt und der Anerkennung, die die First Lady Mexikos bei der Wiedereröffnung des SOS-Kinderdorfes allen gezollt habe, weitergeben wolle.

Aktuell gibt es rund 8000 Kinderdorfmütter, die die zehnfache Zahl an Kindern betreuen. Entscheidend ist, dass das verlässlich geschieht. Wenn Kinder in eine SOS-Kinderdorffamilie kommen, soll das der letzte Wechsel der Bezugsperson sein. Wichtig für die Entwicklung der Mädchen und Jungen in aller Welt ist das Signal: „Wir sind für euch da.“ Diese Arbeit kam allerdings nur geleistet werden, wenn die Mittel dafür zur Verfügung stehen. Geeignete Mütter können nur deshalb gefunden werden, weil die Sicherheit da ist, dass sie gestern, heute und morgen von der Organisation SOS Kinderdorf unterstützt wird – auch nach dem Eintritt in das Rentenalter als „Kinderdorfoma“.

Franz Rosen, Gründer und Leiter der Niedersachsenaktion SOS-Kinderdörfer aus dem Emsland, der zusammen mit Pichler gekommen war, erinnerte daran, dass der Generalsekretär in aller Welt unterwegs ist und jetzt einmal nach Schwagstorf kam – die Gegend kannte er noch nicht. Und schließlich sei Schwagstorf ein besonders fruchtbarer Ort für die SOS-Kinderdörfer. Aus einem persönlich schweren Schicksal entwickelten sich durch gekonnte Handarbeit drei Dinge: Trost, Hilfe für im Stich gelassene Kinder und Motivation für andere. Ein SOS-Kinderdorfnetz entstand, an dem die Kleinen im Kindergarten ebenso beteiligt sich wie Erwachsene. Und die vorsichtige Frage, die im Laufe der Jahrzehnte entstand: „Könnte vielleicht auch einmal ein Haus Schwagstorf heißen?“, fand inzwischen vierfache Antwort. In Schwagstorf übergab Gertrud Brörmann zusammen mit vielen Helfern einen symbolischen Scheck. Schließlich steht das SOS-Kinderdorfhaus in Mexiko-Stadt bereits. Der dafür erforderliche Betrag von 75000 Euro kam nicht allein aus Schwagstorf, so Rosen. Die Hilfe in Mexiko hatte schnell zu erfolgen, da dort das alte Dorf wieder aufgebaut werden musste. Entsprechend flossen Mittel aus anderen Regionen in das Projekt. Aber selbstverständlich engagieren sich die Schwagstorfer weiter – der nächste Adventsmarkt auf der Brörmannschen Diele kommt bestimmt.

Und für sich spricht die Tatsache, dass Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rohrmann sogar einen kleinen Scheck mitgebracht hatte, den er namens der Ortschaft überreichte. Er sagte: „Besser als ihr kann niemand den Namen Schwagstorf in die Welt hineintragen. Ich hoffe, dass ihr noch viele Nachahmer findet.“

Gertrud Brörmann machte deutlich, dass es ohne Helfer vor Ort nicht geht. Schmunzelnd meinte sie, dass sich jedes Jahr von Neuem die Frage stelle, ob es einen Basar gebe. Sie unterstrich: „Wenn viele sagen, ich komme wieder und helfe. Dann ist Basar.“ Pichler bezeichnete die Schwagstorfer Aktivitäten als einen positiven Virus, der sogar von einer Generation zur nächsten überspringt. Die Gastgeberin fasste zusammen: „Es hat allen hier einmal gut getan zu hören, wie es mit den SOS-Kinderdörfern läuft.“