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Traumhafte sechs Wochen Schwagstorfer lernt Olsztyn kennen

Von Rainer Westendorf | 27.10.2014, 19:04 Uhr

Das Ostercappelner Gemeinderatsmitglied Marco Beckmann hat ein sechswöchiges Praktikum beim Landkreis Olsztyn (Allenstein) absolviert. Es war eine tolle Zeit. „Ich habe mich schnell wie zu Hause gefühlt“, berichtet der Schwagstorfer.

Wie kam es zu diesem Aufenthalt? Olsztyn ist seit 1999 der Partnerkreis des Landkreises Osnabrück. Wie berichtet streben jetzt die Gemeinden Ostercappeln und Olsztynek (Hohenstein) ebenfalls eine Partnerschaft an.

Zum Landkreis Olsztyn gehören zwölf Gemeinden. „Zehn davon haben bereits eine Partnerkommune im Osnabrücker Land“, erläutert Beckmann. Olsztynek wäre dann also die Nummer elf. Und für die zwölfte Gemeinde wird sich sicher auch noch ein Partner finden...

Vor Kurzem war eine Delegation aus Polen zu Gast im Wittlager Land. Zuvor hatten Bürger aus der Gemeinde Ostercappeln bereits zweimal Olsztynek besucht. Edeltraut Altemöller-Menke, die sich stark für den Aufbau der Partnerschaft engagiert, hat den Kontakt zu Anna Wagner-Rybinska – Partnerschaftsbeauftragte des Landkreises Olsztyn – hergestellt. Wagners Sohn Lukasz war übrigens als Dolmetscher beim Aufenthalt der Hohensteiner in Ostercappeln im Einsatz.

Das Praktikum selbst war rasch geregelt. Eine kurze Anfrage per E-Mail – und die Dinge konnten ihren Lauf nehmen. Gewohnt hat der Schwagstorfer bei Anna Wagner-Rybinska und deren beiden Söhnen, wobei der Bruder von Lukasz in Warschau arbeitet. Wie es der Zufall – oder das Glück – will, vermietet Anna Wagner nämlich Ferienwohnungen. Marco Beckmann hat folglich dort gearbeitet und gewohnt, wo andere Urlaub machen.

Warum überhaupt ein Praktikum in Polen? Marco Beckmann studiert im siebten Semester Jura in Osnabrück. „Ein Sprachenschein ist Pflicht“, so Beckmann. Studierende können eine Prüfung ablegen. Wer ein Auslandssemester oder ein Praktikum im Ausland absolviert, erhält den Schein ohne Extraprüfung. „Ich hatte zuerst überlegt, das Praktikum in Brüssel bei der EU zu machen“, erzählt Beckmann. Das gestaltete sich allerdings schwierig. Die Bewerbungsphase lief im Frühjahr. Und da fanden die Europawahlen statt.

Die Praktika selbst hätten von der neuen Administration genehmigt werden müssen. Kurz und schlecht: Es gab bürokratische Hindernisse. Also warum nicht Olsztyn? „Das war eine gute Entscheidung“, betont der angehende Jurist. „Es waren traumhafte sechs Wochen.“ Eingesetzt war Beckmann im Büro für Öffentlichkeitsarbeit. Seine Kollegen waren nicht nur nett, sondern auch großzügig. So konnte der Schwagstorfer während der Arbeitszeit auch den einen oder anderen Abstecher zu touristischen Zielen unternehmen. Außerdem hat der Verwaltungspraktikant aus dem Wittlager Land fast alle Gemeinden des Landkreises Olsztyn besucht und kennengelernt.

„Auch bei einer Kreistagssitzung war ich dabei.“ Die Arbeit in den Behörden in Osnabrück und Olsztyn unterscheidet sich kaum voneinander. Der Aufbau von Dezernaten und Abteilungen ist nahezu identisch. Einen Unterschied gibt es: „In Polen wird der Landrat nicht direkt von den Bürgern, sondern vom Kreistag gewählt“, sagt Beckmann. Mitte November finden in Polen die nächsten Kommunalwahlen statt.

Die Verständigung mit Kollegen und Bürgern war nicht schwierig. „Ich habe schon vor Praktikumsstart Polnisch gelernt.“ Perfekt beherrscht Marco Beckmann diese schwierige Sprache natürlich nicht. „Aber es reicht, um sich im Alltag verständigen zu können.“ Viele Bürger sprechen zudem Englisch und auch Deutsch.

Marco Beckmann ist mit dem eignen Pkw nach Olsztyn gefahren. Das sind mehr als 1000 Kilometer. Ein Auto brauchte er schon, um während der sechs Wochen zu seinem Dienstort Kreisbehörde zu gelangen. Die Busverbindungen sind nicht optimal. Die Wohnung von Anna Wagner-Rybinska liegt in Barcewo (Wartenburg), 15 Kilometer entfernt von der Stadt Olsztyn. Das Gute an der Ferienwohnung: „Es waren immer Gäste da, meist aus Deutschland“, so Beckmann, „So war abends immer Zeit und Gelegenheit, miteinander zu reden und Eindrücke auszutauschen.“ Beckmann hat viele Kontakte geknüpft. Und natürlich hält er auch weiterhin Verbindung zur Familie Wagner.

Während seiner Zeit in Polen hat er darüber hinaus mehrere Reisegruppen aus dem Osnabrücker Land getroffen. So auch die ehemalige Landtagsabgeordnete Irmgard Vogelsang. Marco Beckmann will außerdem auf jeden Fall 2015 wieder nach Olsztyn reisen und sich beim Aufbau der Partnerschaft zwischen Ostercappeln und Olsztynek engagieren. Gibt es Vorbehalte gegen Deutsche in Polen? „Überhaupt nicht. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft waren einfach überwältigend“, sagt der Student.

Das Leben im Landkreis Olsztyn ist im Vergleich zur Osnabrücker Region noch etwas ländlicher, hat Beckmann festgestellt. In den vergangenen Jahren habe sich aber sehr viel getan. Und besonders in den Städten dieser Region sei so gut wie kein Unterschied zu bemerken, Lidl, Aldi und andere vertraute Discounter gibt es auch in Olsztyn...