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Stadtwerke investieren in Venne Grüner Strom aus dem Wittlager Land

Von Rainer Westendorf | 08.07.2014, 18:04 Uhr

„Ostercappeln wird zum Exporteur von grünem Strom“, so Manfred Hülsmann, Vorstandsvorsitzer der Stadtwerke Osnabrück. Allerdings nur auf dem Papier, denn die beiden Windkraftanlagen am Pöhleweg in Niewedde errichten die Stadtwerke schon selbst.

Nachbarn, Vertreter aus Verwaltung und Kommunalpolitik sowie die am Projekt Beteiligten waren zur Baustellenbesichtigung geladen. Noch stehen die beiden Anlagen zwar nicht, aber auf dem Areal tut sich einiges. „Die heiße Phase beginnt jetzt“, sagte Hülsmann. So sind bereits die Fundamente für die Windkrafträder gegossen worden. „100 Betonmischer-Lkw sind für ein Fundament nötig, erläutert Hermann Brandebusemeyer, der bei den Stadtwerken für die Steuerung der Erneuerbare-Energien-Projekte verantwortlich ist. Die Fundamente haben einen Durchmesser von 18 Metern.

In einigen Tagen sollen die Turmsegmente – Durchmesser gut sieben Meter – angeliefert werden. Die Windkraftanlagen sind rund 150 Meter hoch; die Nabenhöhe liegt bei 102 Metern. Ein Turm wiegt etwa 1000 Tonnen.

Im Zuge des Vorhabens wird übrigens auch der Pöhleweg komplett erneuert. Die Kosten tragen die Stadtwerke. „Die Deckschicht wurde abgetragen und entsorgt“, so Brandebusemeyer. Danach sind 2500 Tonnen Schotter aufgebracht worden. Nach Fertigstellung der Windkraftanlagen wird der Weg dann endausgebaut. Naturschutzmaßnahmen gehören ebenfalls zum Vorhaben in Venne-Niewedde. Die Stadtwerke Osnabrück haben in Nähe des Areals eine 1,4 Hektar große Fläche eigens für in der Region gesichtete Mäusebussarde gepachtet sowie mehrere Kunsthorste angebracht.

Im September sollen die beiden Anlagen in Betrieb gehen und Strom liefern. Insgesamt können die Anlagen vom Typ Enercon E-92 jährlich rund neun Millionen Kilowattstunden liefern. Die Strommenge reicht aus, um mehr als 2700 Haushalte zu versorgen.

Initiative gestartet

Warum investieren die Stadtwerke Osnabrück mehr als sechs Millionen Euro in zwei Windkraftanlagen in der Gemeinde Ostercappeln? Im Jahr 2008 haben die Stadtwerke ihre Kompetenz-Umwelt-Klima-Initiative (KUK) gestartet. Darin wird das Engagement in Energie- und Wasserversorgung, im Nahverkehr sowie in der Entwässerungs- und Bädertechnik gebündelt. Die Windkraft ist ein Teil des Gesamtkonzepts. „Bis 2018 wollen wir all unseren Privatkunden mit selbst erzeugtem grünen Strom versorgen – und das schließt unsere zahlreichen Energiekunden im Landkreis und hier speziell in der Gemeinde Ostercappeln natürlich mit ein“, betont Hülsmann.

Die beiden Anlagen in Niewedde sind nach dem Windpark auf dem Osnabrücker Piesberg und dem Windpark in Wallenhorst-Hollage der nächste Schritt, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen. Derzeit erzeugen die Stadtwerke schon 64 Millionen Kilowattsunden „grünen Stroms“ jährlich, die 18200 Haushalte versorgen. „Ostercappeln wird zu 100 Prozent regenerativ“, sagt Bürgermeister Rainer Ellermann. Denn: Mit den beiden neuen Anlagen sowie den zwölf Windkraftanlagen in Schwagstorf können rein rechnerisch sämtliche Haushalte sowie die Gewerbe- und Industriebetriebe in der Gemeinde mit Windstrom versorgt werden.

Rainer Ellermann freut sich zudem, dass „der Pöhleweg jetzt endlich vernünftig ausgebaut wird“.