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Projektstart an Grundschule Plattdeutsch lernen und den Ort Venne erkunden

Von Rainer Westendorf | 13.10.2014, 14:32 Uhr

In Venne ist eine Initiative gestartet, um das Venner Platt zu erhalten und es den jüngeren Einwohnern näherzubringen.

Die Idee dazu entstand vor einem Jahr im Venner Ortsrat. Erich Möhlmeyer, Vorsitzender des Heimat- und Wandervereins, unterstützte das Vorhaben: „Genau dieses Thema ist seit dem Beginn des Aufbaus des Mühlenkottens ein konkretes Vorhaben des Heimat- und Wandervereins.“ Mittlerweile ist der Kotten fertiggestellt und auch zum Kulturveranstaltungsort geworden.

Der Verein hat die Idee also aufgegriffen, ein Konzept erstellt und kümmert sich jetzt gemeinsam mit der Mühlenbach-Grundschule um die Umsetzung. Schulleiterin Julia Bragulla hat sich hier besonders engagiert.

„Das Plattdeutsche ist kein Schnee von gestern und auch kein Stück Vergangenheit“, so Vennes Ortsbürgermeisterin Edeltraut Altemöller-Menke. Jetzt ist das Projekt gestartet. Wie sieht das Konzept aus? Es geht darin nicht um Unterrichtsstunden in der Schule, in denen etwa plattdeutsche Vokabeln gepaukt werden. Vorgesehen sind vielmehr Heimatkundestunden im Ort. 

Konkret bedeutet das Folgendes: Den Schülern der beiden vierten Klassen der Venner Grundschule soll zunächst probeweise für ein Schuljahr gelebte Heimatkunde durch den Heimat- und Wanderverein Venne angeboten werden. Nach der Erprobungszeit ist ein dauerhaftes Angebot vorgesehen.

„Integraler Bestandteil dieser Unterrichtung soll das Venner Platt unter der Leitidee ,Platt – hören – verstehen – sprechen‘ werden“, so Reinhard Wolff, zweiter Vorsitzender des Vereins. Die monatlich jeweils einstündige Unterrichtung soll die Schüler auch aus dem Klassenraum heraus zu heimatkundlich bemerkenswerten Orten führen und sie so in die Lage versetzen, Ortsgeschichte und ihren Einfluss auf Gegenwart und Zukunft besser zu verstehen. Die pädagogische Begleitung in der Vorbereitung und bei der Durchführung durch anwesende Lehrer ist vorgesehen.

Seitens des Heimat- und Wandervereins stehen jeweils ein Orts- und Heimatkundler als Moderator und ein dann den Sachverhalt auf Platt vortragender Kenner und Könner der Sprache zur Verfügung. „Neben den Unterrichtsveranstaltungen in der Schule ist vorgesehen, bei kurzen Führungen auch die heimatkundlichen Sachverhalte direkt vor Ort und auch auf Platt vorzuführen. Eine wichtige Leitidee ist dabei, Themen mit Direktbezug zu der Lebensumwelt der Schüler aufzugreifen und dabei flexibel auf die Interessen einzugehen“, so Wolff. So können die Mädchen und Jungen der Schule unter anderem etwas über ihre Vor- und Nachnamen und deren Herkunft und Bedeutung erfahren. Der Ortskern, die Venner Mühle und die Mühleninsel mit seinen Gebäuden sind Anlaufpunkt, um mehr über alte Straßen- und Gebäudebezeichnungen, Handwerk und Landwirtschaft, Pflanzen und Tiere zu erfahren – und dabei zugleich plattdeutsche Begriffe kennen- und verstehen zu lernen.

Die Unterrichtungsgegenstände sollen darüber hinaus durch in Mappen sammelbares Anschauungsmaterial dokumentiert, begleitet und gegebenenfalls nachbereitet werden. „Dieses Konzept ist zwischen dem Heimat- und Wanderverein Venne und der Leitung der Venner Grundschule „Am Mühlenbach“ abgestimmt und hat die volle Unterstützung des Venner Ortsrates gefunden“, so die Initiatoren.

Ein Thema ist natürlich stets die Finanzierung. Das vom Heimat- und Wanderverein zu stellende „Lehrpersonal“ engagiert sich ehrenamtlich und ohne Entgelt. Die Volksbank Bramgau hat das Projekt unterstützt, und auch der Ortsrat engagiert sich im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Über weitere Finanzierungswege wird derzeit noch gesprochen.